Vorbereitungskurs für Hospizdienst
Bringschuld der Gesellschaft

16 neue Hospizbegleiterinnen hat die Caritas Tirschenreuth. Regionaldekan Georg Flierl, Koordinatorin Angelika Wegmann, Geschäftsführer Jürgen Kundrat (von rechts) sowie Alois Häckl (links) überreichten die Zertifikate. Bild: kro
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Tirschenreuth
13.11.2016
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Sie sind keine Betschwestern, aber Zuhörer und Ratgeber: Hospizbegleiter nehmen Menschen auf dem letzten Stück Lebensweg an die Hand. Nicht nur sinnbildlich.

Der mittlerweile fünfte Vorbereitungskurs fand im Pfarrzentrum seinen Abschluss mit der Überreichung der Zertifikate an 16 neue Hospizbegleiterinnen. Damit wächst der Kreis auf rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Musikalisch wurde der Festakt von Veronika Hille und Heidi Banzer vom Zitherclub Erbendorf umrahmt. Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnete Jürgen Kundrat, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes, die im Jahr 2002 aus einer ökumenischen Initiative entstandene Hospizarbeit.

Damals habe es manche Bedenken gegeben. "Doch der Hospizdienst ist aus dem Stand heraus sehr gut angenommen worden." Rund 500 Menschen seien seither betreut worden. Kundrat verwies darauf, dass die Hospizarbeit sehr arbeitsaufwendig und ehrenamtlich kaum noch zu schultern sei. Dies habe auch der Gesetzgeber erkannt und ein eigenes Palliativgesetz geschaffen.

Als ein wichtiges Ergebnis bezeichnete er die Entscheidung, die organisierte Unterstützung des Suizids zu verbieten. Ähnliche Entwicklungen wie in den Niederlanden und anderen Ländern werde es in Deutschland nicht geben. "Es ist eine Bringschuld der Politik, aber auch aller weiteren gesellschaftlichen Kräfte, besonders auch der Kirchen, allen Menschen, die Hilfe durch Hospiz- und Palliativarbeit wollen, diese auch zugänglich zu machen."

Weil es zudem eine große Veränderung von der klassischen Hausarztpraxis mit Tag- und Nachtbereitschaft zur Gemeinschaftspraxis mit geregelter Arbeitszeit gebe, seien die Netzwerke der Hospizarbeit besonders im ländlichen Raum wichtig. "Für viele ist es eine der schwierigsten Aufgaben, einem Menschen beizustehen, dessen Tod bevorsteht." Das Ziel der Hospizbegleitung sei, die letzte Tage und Stunden eines Sterbenden durch menschlichen Beistand zu erleichtern. "Wie der aussieht, dafür gibt es jedoch kein Patentrezept."

Hospiz-Koordinatorin Angelika Wegmann ging auf den Lehrgang ein, "16 Frauen haben sich neu auf das Abenteuer Sterbebegleitung eingelassen." Die Gründe hier mitzumachen seien sehr vielfältig gewesen. Sicherlich habe es anfangs auch Ängste gegeben. "Doch die haben sich schnell gelegt und sind Vertrauen und Zuversicht gewichen." Beeindruckend für den Lehrgang sei ein Besuch der Palliativstation in Neustadt/WN gewesen. Neben Theorie stand auch ein 20-stündiges Praktikum für die Neulinge auf der Tagesordnung. "Alte und sterbende Menschen noch ein wenig Freude zu bereiten, das ist eure Aufgabe. Ich wünsche euch dazu Gottes Segen."

Regionaldekan Georg Flierl erinnerte an den ehemaligen Landrat Karl Haberkorn, der einer der Hauptinitiatoren des Hospizdienstes gewesen sei. Der Geistliche dankte allen, für ihre Bereitschaft und den Mut in der Hospizarbeit mitzuwirken. "Sie begleiten nicht nur die Sterbenden, sondern unterstützen auch die angehörigen, die oftmals gar nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen." 80 Prozent der Menschen wollten zu Hause sterben. "Doch in der Praxis ist genau das Gegenteil der Fall." Auch der Pfarrer wandte sich energisch gegen aktive Sterbehilfe. "Niemand hat das Recht, das Leben eines anderen zu beenden." Alois Häckl, Vorsitzender des Caritasrates auf Kreisebene, dankte sowohl den Referentinnen für ihre Arbeit als auch allen Hospizbegleiterinnen für ihr Engagement.

Die NeuenNach einem erfolgreichen Vorbereitungslehrgang erhielten jetzt 16 neue Hospizbegleiterinnen des Kreiscaritasverbandes Tirschenreuth ihre Zertifikate: Edeltraud Friedrich, Martina Hägler, Sonja Hart-Böhm, Renate Heindl, Veronika Hille, Gisela Kraus, Sylwia Lucko-Stachowski, Oksana Reyer-Gleißner, Apollonia Meiler, Gerlinde Reißnecker, Corinna Rosnitschek, Gerda Sommer, Karolina Stindl, Anna Weidner, Johanna Wührl und Hildegard Dötterl. (kro)
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