Vortrag über Flüchtlingsgründe in Afrika
Acht große Staaten im Bürgerkrieg

Referent Michael Schultheiß (links) war bis 2014 in verschiedenen schwarzafrikanischen Staaten tätig. Angela Ziegler, Leiterin der Kreisgruppe von "Amnesty International", und Thomas Döhler von der Initiative "Demokratie leben" dankten für den Vortrag. Bild: mdk
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Tirschenreuth
17.12.2015
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Trotz zahlreicher Weihnachtsfeiern fand eine beachtliche Zahl an Interessenten den Weg zur Veranstaltung der "Amnesty International"-Kreisgruppe ins Landratsamt. Michael Schultheiß, Afrikaexperte und langjähriger Dozent für politische Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung, hielt ein umfassendes Referat zum Thema: "Menschenrechtssituation und Fluchtgründe".

Anlass war der "Tag der Menschenrechte", zu dem die weltweit tätige Organisation jährlich aufruft, um an die entsprechende Erklärung durch die UN-Vollversammlung zu erinnern. Die Veranstaltung wurde vom Bundesministerium im Rahmen des Bildungsprogramms "Demokratie leben" gefördert.

Nach der Begrüßung durch Angela Ziegler erwartete die Zuhörer eine detaillierte Schilderung der verschiedenen schwarzafrikanischen Staaten, die bemerkenswerte Unterschiede aufweisen, vor allem mit Blick auf ihre Entwicklung zur Demokratie. Drei Kategorien lassen sich deutlich erkennen: Länder, in denen Bürgerkrieg herrscht, Länder, die diktatorisch regiert werden und Länder, die sich auf einem guten Weg zur Stabilisierung unter demokratischen Einflüssen befinden. Der Referent bedauerte zutiefst, dass gerade Letztere in Medienberichten kaum vorkämen und damit die beispielgebende Hoffnung Afrikas wenig bekannt sei.

Namentlich erwähnte er den Senegal, der eine bemerkenswerte kulturelle Entwicklung vorweisen könne, sowie Angola und Namibia mit stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen. Allerdings befänden sich acht große Staaten seit vielen Jahren im Bürgerkrieg. Menschenrechtsverletzungen und damit zahlreiche Gründe zur Flucht gebe es in hohem Maße in Mali, Nigeria, Sudan, Ruanda, Burundi und Eritrea. Aber auch in anderen, zum Teil diktatorisch regierten Staaten im Gebiet der südlichen Sahara zwängen wirtschaftliche Missstände, Hungersnöte, Armut, mangelnde Infrastrukturen und fehlende soziale Versorgung viele Menschen zur Flucht.

Auf die Frage, wie man dem entgegenwirken kann, gab Schultheiß eine knappe, aber klare Antwort: mehr reellen Zugang landwirtschaftlicher Produkte der Afrikaner am Weltmarkt. Das würde einen Subventionsstopp für die Landwirtschaft in Europa zur Bedingung haben. Faire Preise für Rohstoffe und eine auf Bildungsprojekte ausgerichtete Entwicklungshilfe gehörten dazu. In diesem Zusammenhang sprach sich Schultheiß gegen Direktzahlungen aus. Erfolgreich seien sinnvolle Bemühungen aber nur da, wo kein Bürgerkrieg herrsche.

Für Bürgerkriege wiederum seien ideologische Motive der verschiedenen ethnischen Gruppen häufiger als religiöse die Ursache. Es gehe um Verteilungskämpfe rohstoffreicher Gebiete und immer noch um die Altlast willkürlich gezogener Grenzen während der Kolonialzeit. Zum Schluss ließ Schultheiß durchblicken, dass Konflikte zwischen den ethnischen Parteien von den Afrikanern selbst gelöst werden müssen.
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