Zahl der Scheidungen nimmt im Landkreis zu
Schluss-Strich

Vermischtes
Tirschenreuth
19.08.2016
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Das zweite "Ja" ist meistens wirklich das endgültige: Wenn's um das Ende einer Ehe geht, sind sich die Ex-Liebenden meist einig. Die Situation im Landkreis.

Von 124 Scheidungsanträgen wurden 2015 von den Betroffenen 71,77 Prozent im gegenseitigen Einverständnis gestellt, dass es so nicht weitergehen kann. Die absolute Zahl der Scheidungen liegt damit um 6 höher als 2015.

Von den Ehefrauen kamen nach den Daten des Landesamtes für Statistik 48,70 Prozent und damit weniger als die Hälfte der Scheidungsanträge (mit oder ohne Zustimmung des Mannes, meistens aber mit). Da haben sich die Männer emanzipiert: Im Jahr 2000 wollten noch mit fast 58 Prozent mehr Frauen als Männer einen Schlussstrich ziehen. Im Kreis Tirschenreuth kamen 44,35 Prozent der Anträge von Frauen (Jahr 2000: 49,66 Prozent).

Weiter aufgeschlüsselt, stellten in 49 Fällen die Frauen den Scheidungsantrag mit Zustimmung des Mannes, in 6 Fällen ohne. Bei den Männern hatten 40 Antragsteller die Zustimmung der Frau, 3 nicht. Und in 26 Fällen stellte das Noch-Ehepaar gleich gemeinsam den Antrag, Ex-Ehepaar zu werden.

Wer seine Zustimmung gibt oder verweigert, ist egal, wenn's um die Durchsetzung einer Scheidung geht. Denn Widerstand ist zwecklos. Er kann die Trennung maximal drei Jahre verhindern: Die Regeltrennungszeit beträgt laut Gesetz ein Jahr. Im Juristen-Deutsch: "Der Gesetzgeber geht davon aus, dass eine Ehe gescheitert ist, wenn die Ehegatten seit einem Jahr getrennt leben und beide Ehegatten die Scheidung beantragen oder der Antragsgegner der Ehescheidung zustimmt", so regelt's Paragraph 1566 BGB.

Widerspricht ein Ehegatte der Scheidung nach Ablauf des Trennungsjahres und findet er einen Richter, der keine Tatsachen feststellen kann, die dafür sprechen, dass die Ehe gescheitert ist, kann eine Ehe gegen den Willen eines Ehegatten erst nach drei Jahren geschieden werden. Sagt das Gesetz. Aber dann ist endgültig Schluss. Und Rosenkriege verhindert das bestimmt nicht.

Von den 124 Scheidungen im Kreis Tirschenreuth erfolgten 109 nach einjähriger Trennung. In 15 Fällen sträubte sich ein Ex-Partner drei Jahre lang, wieder als Single oder alleinerziehende Mutter durchs Leben zu gehen. Sind Kinder da, dann bleibt es grundsätzlich beim gemeinsamen Sorgerecht. Es sei denn, einer oder beide Ehegatten beantragen dies ausdrücklich.

Für Paare, die 1995 geheiratet haben, liegen die aktuellen Scheidungsprognosen bei 40 Prozent. Schuld, sagt das Statistische Bundesamt, sind "die gesellschaftlichen Entwicklungen, wie zum Beispiel die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit von Frauen".
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