Zeichen für „dramatische Lage“

Der Besuch beim 5. Wirtschaftsdialog der Stadt Tirschenreuth hätte durchaus etwas besser sein können. Bild: kro
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Tirschenreuth
10.10.2016
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"Bei uns wird eine Wohlfühlpolitik betrieben." Zitat: Stefan Albat, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Wirtschaft

Forschung muss steuerlich mehr gefördert werden, fordert Stefan Albat. Beim 5. Wirtschaftsdialog der Stadt hätten sich durchaus mehr Gäste die Vorstellungen des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Bayerischen Wirtschaft anhören dürfen.

Zum Auftakt des 5. Wirtschaftsdialogs im Kettelerhaus stellte Bürgermeister Franz Stahl die hervorragenden Standortfaktoren und Ansiedlungsvoraussetzungen der Stadt heraus. So könne Tirschenreuth günstige Gewerbeflächen, einen lukrativen Gewerbesteuersatz und verkehrsstrukturelle Voraussetzungen bieten. Dafür hätten eine umsichtige Stadtplanung und Stadtgestaltung gesorgt. Zudem seien die Lebenshaltungskosten in Tirschenreuth im Vergleich zu den Ballungszentren wesentlich günstiger. "Der Euro ist bei uns mehr wert als in den Ballungszentren", so der Bürgermeister, der auf den Vergleich der Süddeutschen Zeitung zwischen München und Tirschenreuth hinwies.

Stefan Albat war für Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt eingesprungen, der kurzfristig wegen eines anderen Termins absagen. Nicht minder kompetent ging Stefan Albat auf die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Rahmenbedingungen in Bayern und Deutschland ein. Dabei machte er klar, dass der Staat die steuerliche Förderung der Forschung, so wie dies in anderen europäischen Ländern geschehe, ausbauen müsse, wolle Deutschland weiter ganz vorne mitspielen. "Wir brauchen eine zielgerichtete und eine abgestimmte Forschung".

Unsichere Weltpolitik


Albat kritisierte weiter die hohen Lohnnebenkosten in Deutschland und forderte eine bessere Abschreibung bei Investitionen. Er könne den deutschen Finanzminister nicht verstehen, denn die Steuereinnahmen seien in den letzten zehn Jahren um fünfzig Prozent gestiegen. In seiner Rede verwies Stefan Albat auf eine "dramatische geopolitische Lage". Brexit, Schuldenkrise, die aufkommenden rechtspolitischen Kräfte und die große Uneinigkeit in der Flüchtlingskrise sowie die Niedrigzinsproblematik seien Anzeichen dafür. Auch die Weltpolitik sei unsicher, in USA als auch in China gebe es einen Strukturwandel. "Der Export ist deshalb aktuell mit großen Risiken verbunden." Vonseiten der Politik forderte Albat visionäre Rahmenbedingungen. Aus Sicht der Wirtschaft sei die aktuelle Arbeit der Bundesregierung mehr als enttäuschend. "Bei uns wird eine Wohlfühlpolitik betrieben", kritisierte der Referent. Beispielgebend dafür nannte er den Mindestlohn, die Arbeitszeitregelung und die Renten. Lob zollte er der Bayerischen Staatsregierung, auch für ihr Verhalten bei der Neuregelung der Erbschaftssteuer. Albat dazu: "Die mittelständischen Unternehmen sind die Bank der Unternehmer, die Erbschaftssteuerdiskussion ist deshalb schädlich". Im Namen der Wirtschaft forderte Albat eine Strompreisbremse, so zahle die Industrie in Deutschland zweieinhalb mehr für Strom, als die Industrie in USA.

Veränderungen ohne Ende


Kurz ging Albat aus der Sicht der Wirtschaft auf die Flüchtlingsproblematik ein. Albat betonte, dass zehn Prozent der Flüchtlinge ohne Probleme integriert werden können. Bei den unter 25-Jährigen brauche man rund drei bis vier Jahre, um 55 Prozent in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Deutsche Wirtschaft gebe dafür sehr viel Geld aus, betonte der Redner. Er verwies auf die aktive Integration der Wirtschaft, die wesentlich stärker sei, als bei manchen Bundesländern, "die so laut schreien". Albats Resümee: "Wir stehen vor Veränderungen ohne Ende".

Bei uns wird eine Wohlfühlpolitik betrieben.Stefan Albat, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Wirtschaft


Der Euro ist bei uns mehr wert als in den Ballungszentren.Bürgermeister Franz Stahl
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