Zeichen stehen auf mehr Qualitätssicherung bei der rechtlichen Vertretung behinderter oder ...
Erwartungen an Betreuer steigen

Manfred Häfner (von rechts) begrüßte zur Diskussion Landrat Wolfgang Lippert, Professor Reiner Adler, Wolfgang Höreth, Michael Müller und Heidemarie Gregor. Bild: hfz
Vermischtes
Tirschenreuth
19.07.2016
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Rechtliche Betreuung braucht Qualität. Dieser Feststellung widersprach kein Teilnehmer beim "1. Tirschenreuther Betreuungsforum" mit rund 90 Gästen aus der gesamten nördlichen Oberpfalz. Die Anwesenden waren sich einig, dass die rechtliche Betreuung hilfsbedürftiger Menschen nicht nur verwaltet werden darf.

Mitarbeiter der Betreuungsstelle des Landratsamtes Tirschenreuth haben diese Kommunikationsplattform für Betroffene, Betreuer, Angehörige oder sonstige Beteiligte ins Leben gerufen. Zum Thema "Qualität in der rechtlichen Betreuungsarbeit" sprach Professor Dr. Reiner Adler von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ein bundesweit angesehener Befürworter eines standardmäßigen Qualitätsmanagement-Systems bei rechtlichen Vereins- und Berufsbetreuern.

In jedem Sozialgesetzbuch gäbe es gesetzliche Vorgaben zur Qualitätssicherung, nur im Bereich der rechtlichen Betreuung noch nicht, stellte Adler fest. Dennoch werde natürlich vielerorts bereits hochwertige Arbeit geleistet. In Zukunft werde wohl niemand mehr die rechtliche Vertretung für einen kranken oder behinderten Erwachsenen übernehmen dürfen, ohne immer wieder nachzuweisen, dass er die Mindestkriterien erfüllt.

Michael Müller, langjähriger Berufsbetreuer aus Kohlberg, steuerte Erkenntnisse aus der Praxis bei. Eindringlich und mit Beispielen illustriert beschrieb er seine Erfahrungen mit den zunehmenden Anforderungen und Erwartungen an rechtliche Betreuer: Bei engen gesetzlichen Handlungsspielräumen, fallunabhängigen Zeitbudgets und Stundensätzen unter Facharbeiter-Niveau würden die Schwierigkeiten in der täglichen Betreuungsarbeit stetig zunehmen. "Rechtliche Betreuung ist keine soziale Betreuung", betonte Müller. Aber rechtliche Betreuung ohne Berücksichtigung der persönlichen Lebenswelt werde dem Gesetzesauftrag und der Verantwortung nicht gerecht. "Hier sind Qualitätsstandards festzuschreiben und ökonomische Rahmenbedingungen durch höhere Zeitkontingente anzupassen", forderte der Betreuer eine wirtschaftliche Aufwertung. "Keine Qualität ohne vernünftige Rahmenbedingungen."

Der Betreuungsrichter am Amtsgericht Tirschenreuth, Wolfgang Höreth, schilderte den rechtlichen Rahmen. Hohe Fallzahlen würden es auch bei Gericht immer wieder erschweren, Qualitätsaspekte ausreichend zu würdigen. Nach der Mittagspause trafen sich die Teilnehmer zu drei Workshops und stellten die Ergebnisse vor. Eine Forumsdiskussion der Referenten verstärkte Heidemarie Gregor, akademische Rätin an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Sie hat viel Erfahrung als Betreuerin und Hochschullehrende mit dem Thema. In der Diskussion zeigte sie sich als Vertreterin eines sozialarbeiterischen Zugangs zu den Fragen der Qualitätssicherung in der Betreuungsarbeit.
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