Zweisprachiger Dokumentarfilm begeistert die Zuschauer
Gefangen im Zauber Böhmens

"Jetzt sind wir alle gefangen in der Mystik dieses schönen Films", sagte sichtlich beeindruckt VHS-Leiterin Angelika Schraml (rechts), die der Regisseurin Dr. Lenka Ovcackovà zum Dank für ihre Filmvorführung ein Landkreisbuch schenkte. Bild: ubb
Vermischtes
Tirschenreuth
15.11.2016
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Nicht immer muss eine Dokumentation sachlich sein: Der Film der tschechischen Regisseurin, Dr. Lenka Ovcacková, mit Titel "Tiefe Kontraste" geht weit darüber hinaus. Er ist ein Gedicht an den Böhmerwald.

Zauberhaft in jeder Hinsicht gestaltete sich im Landratsamt die Filmvorführung über den Böhmerwald. Das hatte mehrere Gründe: Vor dem etwa 80-köpfigen Publikum stand eine bezaubernde, tschechische Regisseurin, die auf ihre überaus bescheidene Art sofort die Zuschauer-Sympathie gewann.

Dabei müsste diese außergewöhnliche Frau keineswegs bescheiden sein: Dr. Lenka Ovcacková ist post-doc-Forscherin am Lehrstuhl für Philosophie und Geschichte der Naturwissenschaften an der Karlsuniversität Prag, das sich mit den Jahren 1920 und 1939 befasst. Ihre Leidenschaft aber ist der Grenzraum zwischen Tschechien, Österreich und Deutschland. Seit 2006 widmet sie sich mit acht Dokumentarfilmen Grenzerfahrungen.

Nach Tirschenreuth hat Ovcackovà auf Anregung von Max Schnurrer ihren Film "Tiefe Kontraste - Lebensbilder aus dem Böhmerwald" mitgebracht. Die junge Pragerin interviewte für ihren zweisprachigen Film Zeitzeugen in drei Ländern, sammelte 40-stündiges Material. Ovcacková zeigt in ihrem Film aber nicht, was nach dem Krieg im Böhmerwald geschah. Sie hinterlegt die Lebensbilder der dort lebenden und damals gelebten Menschen mit Poesie, lässt mit Auszügen aus den Werken von Schriftstellern und Dichtern wie Frantisek, Adalbert Stifter oder Johannes Urzidil die Mystik des Böhmerwaldes wach werden.

Unterlegt mit eindrucksvollen Bildern dieses Böhmischen Landstrichs wird Ovcackovás Dokumentarfilm zu einem eineinhalbstündigen "Gedicht an den Böhmerwald". Bewusst oder unbewusst stellen auch ihre Interviewpartner den Zauber ihrer früheren oder heutigen Heimat stets besonders heraus. "Alles Böse wird Gut, wie im Böhmerwald", sagt ein tschechischer Bürger. Eine Wienerin möchte, dass ihrem ehemaligen Heimatort "wieder eine Seele gegeben wird." Lenka Ovcacková hat für ihren Film Menschen aufgespürt, die im Böhmerwald geblieben sind oder später hinzogen, weil sie sich eins fühlen mit dieser großartigen Landschaft.

Ein älterer Herr aus Böhmen sagt, er habe nie reisen können. Aber er habe das auch nie vermisst, denn seine Liebe gehöre seiner Heimat. "Früher lebten hier 200 Menschen, jetzt sind es 20", erzählte ein Neusiedler, der aus Prag stammt. Er habe bewusst, um dem Großstadtlärm zu entfliehen, die Einsamkeit des Böhmerwaldes als neue Heimat gewählt.

Geht es um die Schmerzen des Krieges, um Vertreibung, dem Zerreißen der Familien und davon, dass die Zeitzeugen als Kinder von den Grenztürmen aus ins "verbotene Land" geschaut haben und ihnen die Eltern erzählten, dass sei die Heimat, wird im Film nie mit dem erhobenen Zeigefinger gemahnt. Im Gesamtwerk wird dadurch eine sanfte, an die Seele greifende Tiefe frei, was jeder Zuschauer im Saal auf seine Weise spürte.

Als am Ende das Licht wieder aufleuchtete und über den Nachspann die Namen der Zeitzeugen liefen, musste Angelika Schraml die Gäste regelrecht wieder aus diesem Zauber aufwecken. "Wir sind alle noch gefangen von diesen Bildern", sagte die sichtlich berührte Leiterin der Volkshochschule. Horst Adler, Kreisvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, bestätigte seine Ergriffenheit. "Es ist immer wieder ein Erlebnis, obwohl ich den Film nun das dritte Mal sehe", sagte er.

"Sie haben uns hier auf eine wundervolle Art den Böhmerwald näher gebracht", meinte eine Zuschauerin, die sich herzlich bei der tschechischen Regisseurin dafür bedankte. Der Faden wurde gerne im Gespräch mit Lenka Ovcacková weitergesponnen. Bis der Vorschlag kam, die Oberpfalz könne auch in eine derart schöne, philosophische Dokumentation passen. Die Regisseurin versprach gerne, darüber nachzudenken.

Wir sind alle noch gefangen von diesen Bildern.Angelika Schraml
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