Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum München zu teuer
"Eine Million ist es nicht wert"

Bei einer Erweiterung des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) müssten auch alle Verkaufsautomaten wie hier am Bahnhof in Wiesau, Haltestellen und Drucker in den Fahrzeugen umgestellt werden. Über eine Million Euro würde das dem Landkreis kosten. Bild: Grüner
Wirtschaft
Tirschenreuth
21.04.2015
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Das war's dann wohl: Seit fast fünf Jahren hat der Landkreis auf die Antwort gewartet, wie teuer denn ein Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg kommen würde. Jetzt weiß er es: zu teuer.

Mit der Metropolregion Nürnberg wuchs in den vergangenen Jahren auch immer wieder der Wunsch der politisch Verantwortlichen, doch einen Anschluss an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) zu finden. Hintergrund war weniger ein möglicherweise billigeres Ticket, sondern vielmehr die Hoffnung, die Menschen in Mittelfranken für Tourismusziele hier im Norden Bayerns begeistern zu können.

Deshalb nahmen neben Tirschenreuth auch die Landkreise Wunsiedel und Neustadt/WN sowie die Stadt Weiden einen möglichen Beitritt ins Auge. Doch zuvor sollten erst einmal die finanziellen Folgen klar sein. Die entsprechenden Daten erhob der VGN - und ließ sie sich auch gut bezahlen: 15 162 Euro überwies allein der Landkreis Tirschenreuth im Januar 2011 an den VGN. Und für die Auswertung der Daten drei Monate später nochmals 6200 Euro.

Seither war Funkstille. Jetzt aber liegt die Antwort aus Nürnberg vor. Auf 36 Seiten wird detailliert aufgelistet, was so eine Verbundraumerweiterung kosten würde. "Viel zu viel", wie die Kreisräte in der Ausschuss-Sitzung am Montag meinten. Über eine Million Euro würde allein die Umgestaltung der Haltestellen, der Drucker für alle Fahrzeuge sowie die Umstellung oder Neuanschaffung der Verkaufsautomaten an den Bahnhöfen kosten.

Dazu kämen noch einmal über 103 000 Euro für E-Ticketing. Zu dieser Einmalzahlung kämen noch jährliche Kosten von über 170 000 Euro, die sich aus sogenannten Harmonisierungs- und Durchtarifierungsverlusten sowie einer Verbandsumlage von 65 Cent je Einwohner, also 47 627 Euro, zusammensetzen.

"Und dazu kommen noch ein paar ungelöste Fragen", berichtete Peter Zimmert, am Landratsamt für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig. So wisse man nicht, wie sich die Verbunderweiterung auf die Einzugsbereiche der Schulen auswirke, ob es neue Tarifzonen gebe und ob mit der beabsichtigten Abschmelzung der Harmonisierungsverluste nicht der Vorteil des günstigeren VGN-Tarifs hinfällig werde. Und schließlich habe Agilis, das den gesamten Oberfrankenverkehr bedient, die erforderliche Zustimmung zur Verbunderweiterung bisher strikt abgelehnt. Und schließlich müssten ja auch noch die Landkreise Wunsiedel und Neustadt/WN sowie die Stadt Weiden ihr Okay geben.

Alternativen suchen

Aus all den Umständen erkannte Landrat Wolfgang Lippert den Auftrag, nach Alternativen zu suchen. Auch über Grenzen hinweg, um so möglicherweise Fördertöpfe der Euregio Egrensis anzapfen zu können,. CSU-Sprecher Toni Dutz sah den Beitritt als wünschenswert an, "diese Kosten aber sind unrealistisch". Ely Eibisch von den Freien Wählern plädierte ebenso für ein neues Konzept wie SPD-Sprecher Rainer Fischer. Er bedauerte, dass aus dem Anschluss an den Nürnberger Raum nichts wird. "Die Zahlen sprechen dagegen." Eine Ausweitung des "Baxi"-Konzepts konnte er sich vorstellen und wollte dazu die Deutsche Bahn mit ins Boot holen.

Bürgermeister Franz Stahl, dort selbst stellvertretender Vorsitzender, bat, den Rat der Metropolregion mit einzubinden. "Dann diskutieren wir auf einer anderen Ebene." Bürgermeister Roland Grillmeier aus Mitterteich: "Eine Million ist es nicht wert."
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