Biogas-Bauern suchen Alternativen zum Maisanbau
Nicht zum Nulltarif

Die Familie Ruland aus Kohlbühl bei Thumsenreuth vor der Mais-Alternative Szarvasi. Bild: hfz
Wirtschaft
Tirschenreuth
08.08.2016
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Beim Thema Biogas gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen sehen Mais-Wüsten, die anderen grüne Energie. Das Amt für Landwirtschaft sucht nach Alternativen.

Als das Energieeinspeisungsgesetz (EEG) im Jahr 2000 vom damaligen grünen Umweltminister Trittin auf den Weg gebracht wurde, waren die erneuerbaren Energien mit rund 6 Prozent am Stromverbrauch eine vernachlässigbare Größe. "Heute sind sie mit knapp 35 Prozent ein wichtiger Baustein der deutschen Wirtschaft", erklärt Stephan Poersch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth.

Die derzeit 46 Biogas-Anlagen im Landkreis versorgen rechnerisch 25 000 Haushalte mit 100 000 Personen. Aber der Biogas-Boom sei genauso wie die Energiewende zum Erliegen gekommen. "Lediglich kleinere Anlagen sind auch mit dem neuen EEG rentabel zu betreiben."

Dabei sei der sogenannte CO2-Fußabdruck weitgehend neutral und deutlich besser als ein rein fossiler Energiemix aus Öl, Kohle und Erdgas. Biogas liefere immer Strom, auch nachts und bei "Flaute". Und schließlich sei eine Biogasanlage ein relativ krisensicheres Einkommensstandbein. "In Zeiten niedriger Milch-, Fleisch und Getreidepreise ein möglicherweise existenzsichernder Vorteil." Zum Nulltarif sei dies alles aber nicht zu haben, so Stephan Poersch. Zwei Kilowatt Strom "brauchen" einen Hektar Mais. Dessen Anteil liege derzeit im Landkreis bei 17 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Poersch legt Wert auf die Aussage, dass Mais durchaus umwelt- und bodenfreundlich angebaut werden könne und aufgrund seiner unerreicht hohen Erträge rund 30 Prozent mehr klimaschädliches Kohlendioxid binde als Getreide. "Um die Fruchtfolgen aufzulockern, suchen die Biogasbauern aber intensiv nach neuen Alternativen."

Etwa das aus Vorderasien stammende Riesenweizen- oder Szarvasigras, das mindestens zehn Jahre hintereinander genutzt werden kann. Junglandwirt Johannes Dietz, Großensterz, hat Szarvasi heuer im Rahmen seiner Meisterarbeit erstmals auf einer Versuchsfläche angebaut und ist beeindruckt.

Als Alternative testet das Amt für Landwirtschaft die aus Nordamerika stammende "Durchwachsene Silphie". Sie ist wie die ähnlich aussehende Sonnenblume ein Korbblütler, kann aber wie Szarvasi als Dauerkultur zehn Jahre und länger genutzt werden. Da sie sowohl Nektar als auch Pollen bereithalte, sei sie eine ideale Bienentracht. Die bis drei Meter hohe Pflanze wird im Landkreis Tirschenreuth schon von einigen Landwirten versuchsweise angebaut, so auch von Susanne und Thomas Ruland in Kohlbühl.

Bislang waren jedoch die sehr hohen Pflanzgutkosten von über 5000 Euro je Hektar und der mit dem "Stecken" der 40 000 jungen Pflanzen verbundene Arbeitsaufwand Hemmnisse. Seit kurzem gibt es nun die Möglichkeit, die Silphie auch als Saatgut auszusäen. Damit reduzieren sich die Kosten deutlich. "Wenn das klappt, wären wir mit der Silphie einen wichtigen Schritt weiter", erläutert Poersch die Bedeutung des von ihm betreuten Versuchs.

Auch die Silphie erreiche zwar Massenerträge wie der Mais, könne aber beim Methan nicht mithalten. "Hier fehlen der stärkereiche Maiskolben sowie 100 Jahre züchterische Bearbeitung, die der Mais seinen Konkurrenten voraus hat", rückt Poersch allzu optimistische Erwartungen zurecht. "Es geht nicht darum, den extrem wichtigen Mais komplett zu ersetzen, aber als Ergänzung wäre das schon eine feine Sache."

Und: Die beide neuen Alternativen zu Mais punkten laut Poersch auch sonst noch ökologisch. Durch die intensive und bis zwei Meter tiefe Durchwurzelung der Dauerkulturen werde das Grundwasser vor Nitrat geschützt und der Boden bei Starkregen festgehalten. "Die Bevölkerung kann sich also über einen besseren Grundwasserschutz, weniger Erosion und ein schöneres Landschaftsbild freuen."
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