Sonnenbrand trotz Regen

Zu einer ersten Bestandsaufnahme im Getreidefeld trafen sich Ely Eibisch (links), Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, und Landwirtschaftsoberrat Stephan Poersch. Bild: hfz
Wirtschaft
Tirschenreuth
01.08.2016
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Die sehr optimistischen Erwartungen der Landwirte haben sich nur zum Teil erfüllt. Die Wintergerste enttäuscht beim Ertrag.

Paradox: Das Getreide leidet unter Sonnenbrand - wegen hoher Regenmengen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten teilt in einer ersten Bilanz mit, dass die optisch oft hervorragend stehenden Getreidebestände bei der mittlerweile fast abgeschlossenen Wintergerstenernte meist nur durchschnittliche Erträge brachten.

Besonders die Kornausbildung enttäuschte. "Manche Landwirte, die sich heuer eine Fungizidbehandlung gespart haben, erlebten bei Erträgen unter 58 Doppelzentner pro Hektar eine böse Überraschung.", sagt Stephan Poersch vom AELF Tirschenreuth. Trotz teils zu trockener Witterung im April und Mai waren die Bestände zwar ausreichend dicht, der viele Regen im Juni baute aber einen extrem hohen Krankheitsdruck auf. Deshalb blieben die Körner sehr klein. Außerdem konnten die Pflanzen ab Mitte Mai in der feuchten Witterung keine schützende Wachsschicht gegen die teils sehr starke Sonneneinstrahlung zwischen den Regenperioden aufbauen. Die Folge: Sonnenbrand und eine damit einhergehende Blattkrankheit verhinderte vielerorts bessere Erträge. "Für die weiter im Anbau rückläufige Braugerste ist ähnliches zu befürchten", sagt Landwirtschaftsberater Poersch.

Bei den übrigen Getreidearten wird das wegen hoher Niederschläge seit Mitte Juli auftretende Lager, also das Umfallen der Getreidehalme, besonders bei Weizen und Roggen zu Qualitätsproblemen durch Auswuchs und Pilzbefall führen. "Deshalb ist zu befürchten, dass ein hoher Anteil als Brotgetreide geplanter Weizen oder Roggen in den Futtertrog wandert." Eine trockene Witterung und Abreife im August könnten hier allerdings noch das Schlimmste verhindern.

Auch der Raps wird nach Einschätzung der amtlichen Beratung nicht die Spitzenerträge der vergangenen Jahre erreichen. "Rapskrebs", eine durch Feuchtigkeit zur Blütezeit geförderte Pilzerkrankung, ist mit leuchtend weißen Stengelabschnitten auch für Laien gut zu erkennen. Sie kann zu hohen Ertragseinbußen von 50 Prozent führen. Einzig im Futterbau sieht die Lage besser aus.

"Im Grünland konnten die Bauern bis zu drei gute Schnitte einfahren, hier wirkten sich die regelmäßigen Niederschläge im Unterschied zum Getreide eindeutig positiv aus. Auch der Mais beweist in diesem Jahr sein hohes Ertragspotential." Allerdings ließen teils sehr ungleichmäßige Wuchshöhen in einem einzigen Feld erkennen, wie empfindlich der Mais auf Bodenverdichtungen reagiert.
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