Walzenfabrik Hamm in Tirschenreuth beteiligt sich an Warnstreiks
Arbeitskampf mit Kanzlerin

Franz Kraus, Horst Ott und Günther Fiedler (von links) stellten sich am Freitag zum symbolischen Streikfoto vor dem Haupteingang der Walzenfirma Hamm auf. Etwa 600 Mitarbeiter aller drei Schichten gingen eine Stunde eher in den Feierabend. Bild: Grüner
Wirtschaft
Tirschenreuth
31.01.2015
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Mit einer Früher-Schluss-Aktion beteiligten sich am Freitag rund 600 Mitarbeiter der Walzenfabrik Hamm an den Warnstreiks der Metall- und Elektroindustrie. Mit der einen Stunde eher Feierabend wollen sie es aber nicht bewenden lassen.

Betriebsratsvorsitzender Franz Kraus, sein Stellvertreter Günther Fiedler und Horst Ott, erster Bevollmächtigter der IG Metall aus Amberg, waren die einzigen, die am Freitag vor dem Hamm-Eingangstor standen. Sie symbolisierten, dass dieser Betrieb bestreikt wird. Dennoch waren etwa 600 Beschäftigte gewissermaßen im Ausstand: Alle drei Schichten machten am Freitag eine Stunde früher Feierabend.

Reaktion auf Angebot

Bei der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie fordern die Arbeitnehmer 5,5 Prozent mehr Lohn, die Weiterführung der Altersteilzeit, die in der Form Ende des Quartals endet, sowie eine gerechtere Fortbildungssituation. Mit dieser ersten Warnstreikwelle reagiert die Gewerkschaft auf das Angebot der Arbeitergeberseite vom Mittwoch. Laut Horst Ott hat die Gegenseite 2,2 Prozent mehr Lohn angeboten. "Da wurden teilweise haarsträubende Argumente ins Feld geführt. Zum Beispiel, dass ja das Heizöl auf einem historischen Tiefstwert ist."

Auch beim Thema Altersteilzeit sei man sich nicht näher gekommen. Die Gewerkschaft argumentiert dabei, dass bei der jetzigen Situation ein "normaler Arbeiter" kaum mehr in den Genuss kommt, weil er sich das schlicht und einfach nicht leisten könne. Dabei sei es der Arbeitgeberseite durchaus bewusst, dass ab einem gewissen Alter viele Mitarbeiter bestimmte Tätigkeiten einfach rein körperlich nicht mehr ausführen könnten.

Eklatante Unterschiede

Als dritte, gleichberechtigte Forderung nennt der Gewerkschaftsvertreter eine tariflich abgesicherte Teilzeitregelung für die Weiterbildung. Qualifizierungen würden zwar verlangt und seien natürlich auch notwendig. "Nur beim ,Wie?' gibt es in der Realität eklatante Unterschiede", so Franz Kraus. Manche Mitarbeiter würden für Fortbildungen freigestellt, andere müssten sogar kündigen und sich anschließend wieder bewerben. "Das gibt es auch bei Hamm." Horst Ott sagt dazu: "Dass ist Weiterbildung auf Gutsherrenart."

Insgesamt umfasst die erste Streikwelle in der Oberpfalz elf Aktionen zu denen rund 6000 Mitarbeiter aufgerufen sind. Am 24. Februar sitzen Gewerkschafter und Arbeitnehmer wieder an einem Tisch, um zu verhandeln. Ihre Entschlossenheit wollen die Arbeitskämpfer tags zuvor bei einer zweiten Warnstreik-Welle unterstreichen. Bestreikt wird an dem Tag auch das Siemenswerk in Amberg, just an dem Tag, an dem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dort zu einer Werksführung angesagt hat.
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