"Adler" wollen hoch hinaus

Eine auch heute noch beeindruckende Pionierleistung war der Bau des Walchsensee-Speicherkraftwerks zwischen 1918 und 1924. Die Geschichte und Funktion erklärte Stefan Dötsch (rechts) den Aquila-Jugendlichen und ihren erwachsenen Gruppenbetreuern. Bild: bjp
Lokales
Trabitz
05.09.2015
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Im Mangfallgebirge lernte die Trabitzer Naturschutzjugend allerhand über die Berge und das Walchenseekraftwerk. Immer ging es darum, die Natur zu erleben, ohne ihr zu schaden.

Aquila heißt Adler, und der Gruppenname der LBV-Jugendgruppe war bei der Bergexkursion Programm: Hoch hinaus wollte die Naturjugend bei Erkundungszügen durchs oberbayerische Mangfallgebirge rings um den Spitzingsee. An dessen Nordspitze nahmen sie im 1130 Meter hoch gelegenen Alpenvereinshaus Quartier. Alle freuten sich auf vier Ferientage bei Wanderwetter, und sie wurden nicht enttäuscht.

Nach einer Sechs-Kilometer-Tour am Anreisetag vom Spitzingsee zur Brechspitze mit 1683 Metern Gipfelhöhe war die zweite Wanderung zum 1884 Meter hohen Rotwandgipfel am folgenden Tag etwas für Feinschmecker. Die 18-Kilometer-Route gilt als eine der schönsten im Mangfallgebiet. Sie führt vorbei an Almen und Murmeltieren zum Pfanngraben-Bach. Dieser gilt als "kleiner Bruder des Grand Canyon". Durch Felsgestein stürzt er kaskadenartig über hunderte Stufen, die sich mit tiefgrünen Gumpen ("Strudeltöpfen") abwechseln.

Am Abend informierte Biologin Barbara Krogoll von der LBV-Kreisgruppe Miesbach die Trabitzer über natur- und umweltgerechte touristische Projekte im Mangfallgebirge. So wurden "Wald-Wild-Schongebiete" und naturverträgliche Ski- und Schneeschuhrouten im Spitzingsee-Rotwand-Gebiet markiert. Ein Flyer des Deutschen Alpenvereins "Natürlich auf Tour - sensible Bereiche meiden" solle das Umweltbewusstsein der Wanderer schärfen. Eine dritte Wanderung führte die Gruppe auf rund 1600 Meter Höhe zum Rot- und Rosskopf, deren üppig bewachsene Almwiesen sehenswert waren.

Buchstäblich "hochspannend" verlief der vierte Tag mit einem Abstecher zum Walchenseekraftwerk bei Kochel. Dessen fast 100-jährige Geschichte zeichnete Gruppenbetreuer Stefan Dötsch nach.

Ingenieur Oskar von Miller, den man als Gründer des Deutschen Museums kenne, sei Vordenker und Planer dieser Anlage gewesen. Die erste von acht Turbinen ging im Januar 1924 nach gut fünfjähriger Bauzeit ans Stromnetz. Die bayerische Regierung habe dem technisch aufwendigen Wasserkraftwerk eine große Bedeutung für die Elektrifizierung der bayerischen Eisenbahnen und Bayerns beigemessen und deshalb seinen Bau in politisch und wirtschaftlich schwerer Zeit forciert.

Pro Jahr speise das Werk rund 300 Millionen Kilowattstunden ins Stromnetz ein, die durch Ausnutzung des 200 Meter Höhenunterschieds zwischen Walchen- und Kochelsee gewonnen würden.
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