Gegenwind für TTiP-Befürworter: Landmaschinenproduzent Michael Horsch stößt in Trabitz auf ...
Datenpool gegen Chlorhuhn

Provokante Ideen zum Handelsabkommensprojekt TTiP äußerte Landmaschinenproduzent Michael Horsch. Bild: bjp
Lokales
Trabitz
16.04.2015
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Er sorgte für Gesprächsstoff beim Informationsabend über die Zukunft des Lagerhauses (wir berichteten): der Gastvortrag des Schwandorfer Landmaschinenherstellers Michael Horsch über die Bedeutung des transatlantischen Freihandelsabkommens TTiP. Seine These: Wenn sich die Landwirte untereinander und mit Lebensmittelverarbeitern und Handel solidarisieren, brauche niemand den kontrovers diskutierten Vertrag zu fürchten.

Die Ausgangsbedingungen seien günstig, meinte der weltweit agierende Unternehmer mit landwirtschaftlicher Erfahrung. Aus Gesprächen mit Führungskräften einer großen Handelskette wisse er, dass Kunden beim Lebensmittelkauf Wert auf gentechnikfreie, lokale Waren legen. Mit moderner Technik sei es möglich, dies zu gewährleisten.

"Wir fürchten und kritisieren die Auswüchse der modernen Technik, aber wir können uns ihr Potenzial auch zunutze machen: mit der Schaffung von Cloud-Datenpools, die den Abruf der von hinterlegten Herkunftsdaten erlauben", gab der Unternehmer zu bedenken. Nicht teilen mochte Horsch Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Lebensmittel.

Nicht nur das Interesse an einheimischen Produkten verschaffe diesen einen Wettbewerbsvorteil, sondern auch die Kosten: "Die Zeiten, in denen alles anderswo deutlich billiger produziert wurde, sind vorbei." Könnten Landwirtschaft und Handel die Versorgung mit rückverfolgbaren, gentechnikfreien und heimatnah produzierten Lebensmitteln gewährleisten, so wären andere Erzeugnisse chancenlos. Eine Aufweichung von Qualitätsstandards durch TTiP würde die Verbraucher kaum berühren.

Horschs Aussagen widersprachen die Trabitzer Gemeinderätin Eva Mayrhofer-Dötsch und Landwirtin Erna Eckert. Sie warfen dem Referenten vor, seine Abhandlung greife zu kurz. Die geplante Außenhandelsderegulierung, etwa der Abbau von Zöllen, treffe Europa empfindlicher als die USA.

Die Brisanz des Abkommens liege eben doch in der Aufweichung von Qualitäts- und auch von Sozial- und insbesondere Umweltstandards. Exemplarisch verwies Erna Eckert auf die Erdgasgewinnung im "Fracking"-Verfahren, dessen Anwendung TTiP erleichtern könnte.
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