Per Rad ins Reservat

Bunt gesprenkelt sind die Wiesen am Grünbach bei Drahthammer. Da gab es für die Mädchen der Naturjugendgruppe Kleine Störche viel zu entdecken. Bild: bjp
Lokales
Trabitz
16.07.2015
2
0

Für eine aufregende Expedition in die Welt der wilden Tiere und Pflanzen muss man nicht nach Afrika. Die "Kleinen Störche" der Trabitzer LBV-Gruppe finden sie in ihrer Heimatgemeinde.

Die Natur ist voller Schönheit und Wunder. Doch hinter mancher harmlos-charmanten Blüte verbirgt sich eine "Diva", die buchstäblich mit Vorsicht zu genießen ist. Dies lernten die "Kleinen Störche" der LBV-Naturschutzgruppe Trabitz in ihrer Gruppenstunde am Beispiel der Butterblume.

Ihren volkstümlichen Namen verdankt die weit verbreitete krautige Pflanze ihren scheinbar fettig glänzenden leuchtend gelben Blüten. Aber der "goldene" Wiesenschmuck hat es in sich: Das Gift Anemonin gibt der Blume einen scharfen Geschmack, weshalb sie von den Botanikern "Scharfer Hahnenfuß" genannt und von Weiderindern gezielt gemieden wird. Erst im getrockneten Zustand verlieren sich Giftwirkung und Schärfe, so dass die Pflanzen im Heu unschädlich sind.

Dass im Grünbachtal-Reservat der Naturschutzgruppe auch die Kuckucks-Lichtnelke reichlich gedeihe, sei kein Zufall, erfuhren die jungen Naturforscher. Denn am wohlsten fühle sich diese Wildnelke, die an ihren rosaroten, zerzaust aussehenden Blüten zu erkennen sei, in feuchten Wiesen. An ihren Stängeln fänden sich oft speichelartige "Schaumnester", die man früher für Kuckucksspeichel gehalten habe. Tatsächlich hielten sich darin aber Schaumzikadenlarven verborgen, die Saft aus dem Stängel saugten und eine eiweißhaltige Flüssigkeit ausschieden. Mit ihrem Atem verwandelten sie diese Substanz in einen Schaum , der sie einhülle und dem Blick von Fressfeinden entziehe.

Bekanntschaft machten die "Kleinen Störche" außerdem mit dem Frauenmantel, der diesen Namen seinen mantelförmigen Blättern und seiner Heilkraft gegen Frauenleiden verdanke. Die "heidnischen" Germanen hätten ihn ihrer Liebes- und Ehegöttin Freya geweiht. Mit verschiedenen Namen habe der Volksmund eine eher unscheinbare, aber als Medizinpflanze höchst nützliche Blume bedacht: "Ehrenpreis" heiße das mit kleinen blauen Blüten übersäte, manchmal als "Unkraut" verkannte Wiesengrün, weil man ihm nachgesagt habe, dass ihm "Ehre und Preis als einzig wahrem Heilmittel" gebühre. Die Bezeichnung "Augentrost" verrate, dass Naturheilkundige es vor allem als Arzneikraut gegen Augenentzündungen schätzten. Jedoch werde es auch gegen Krankheiten der Haut, der Atemwege und Verdauungsorgane angewandt.

Die Germanen hätten das wertvolle Heilkraut zur Symbolblume ihrer hohen Wettergottheit Thor oder Donar erhoben, woran der Rufname "Donnerblume" noch erinnere. Nicht nur an Blumen, sondern auch an Bäumen und Sträuchern ist das Grünbachtal reich, und so lernten die Jugendlichen bei ihrer Wanderung Trauben- und Wildkirschen, Felsenbirnen, Wildapfelbäume, Haselnusssträucher, Holunder und Weißdorn kennen. Häufige "Anwohner" des Grünbachufers sind die Schwarzerlen. Ihr leicht zu verarbeitendes feines Holz werde gern zu Möbeln und Bleistiften verarbeitet, vernahmen die "Kleinen Störche".

Unter Wasser sei es so widerstandsfähig, dass die Stadt Venedig teilweise auf Erlenstammpfählen ruhe. Auch dem Bergahorn begegnete die Mädchengruppe mehrmals und erfuhr, dass diese Bäume bis zu 500 Jahre alt und ihre Stämme bis zu dreieinhalb Meter dick werden können. Aus dem als edel geltenden Bergahornholz fertige man beispielsweise Furniere und Musikinstrumente.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.