Sogar die Ministranten in Tracht

Vereinsabordnungen aus der Gemeinde Trabitz und der Nachbarschaft zogen am Sonntagmorgen zum Dorfplatz. Ein Gottesdienst unter freiem Himmel bildete dort den Mittelpunkt des Jubiläumswochenendes der "Haidnaabtaler"-Trachtenfreunde. Bild: bjp
Lokales
Trabitz
01.07.2015
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Das hohe Lied aufs traditionelle Gwand sang Pfarrer Werner Kaspindalin am Sonntag. Die Trabitzer Haidenaabtaler feierten 65. Jubiläum und der Pfarrer versuchte gar nicht, seine Begeisterung für den Verein zu verstecken.

Weißblauer Himmel und farbenfrohe Trachten: Der reizvolle Kontrast ließ am Sonntagmorgen die Herzen der Trabitzer höher schlagen, als sich in der Kurbersdorfer Straße ein gut 100 Meter langer Festzug zum klingenden Spiel der Blaskapelle Kirchenthumbach in Bewegung setzte. Ziel der von den drei Jungstörchen auf dem Lagerhausturm neugierig beäugten Schar war der Dorfplatz, wo Werner Kaspindalin die Festmesse zum 65. Gründungstag des Trachtenvereins "D'Haidnaabtaler" (wir berichteten) zelebrierte.

Der Burkhardsreuther Pfarrer, selbst ein passionierter Trachtler, freute sich, dass die traditionellen Gewänder das Bild auf dem Platz vor der "Alten Säge" bestimmten. Tracht sei mehr als ein schmückendes folkloristisches Klischee-Beiwerk für Oktoberfest-Statisterie, mahnte der Geistliche: "Sie ist Bekenntnis und Verpflichtung, und jeder aufrichtige Trachtler ist Botschafter seiner Religion, seiner Region und seines Heimatortes." Vor allem sei die Tracht in ihrer Beständigkeit, Schönheit und Gediegenheit das Spiegelbild eines Charakters, der nicht in wetterwendischer Gleichgültigkeit jeder Mode folge und seine heimatlichen Wurzeln nicht habe verkümmern lassen.

"Am guten Alten in Treue halten/am kräftigen Neuen sich stärken und freuen/wird niemand gereuen": Dieser Vers des Dichters Emanuel Geibel, so der Geistliche, gebe das Selbstverständnis der Trachtenvereine wider. "Tragt eure Tracht voller Stolz, verwahrt euch dagegen, nicht ernst genommen zu werden, haltet fest an dem, was ihr ererbt habt: Sitte, Lieder, Tänze, Religion", ermutigte Kaspindalin insbesondere die Jugend und zitierte ein Wort des Volkssängers Jakob Roider ("Roider Jackl"): "Ein sauberes Dirndl, eine saubere Lederhose ist das schönste Sonntagsgewand." Die Messdiener bewiesen die Richtigkeit dieses Satzes: Sie versahen ihre ernste Aufgabe in der altbayerischen Burschentracht der "Haidnaabtaler".

"Ich hoffe, diese Predigt findet Widerhall bei den kommenden Generationen", dankte Vereinsvorsitzender Josef Dziwok dem Pfarrer für dessen klare Worte. Auch Bürgermeisterin Carmen Pepiuk würdigte die Bedeutung der "Haidnaabtaler" als "Botschafter unserer Gemeinde", die wertvolle Traditionen nicht nur bewahrten, sondern an die Jugend weitergäben und so zu deren Charakterbildung beitrügen. "30 Mädchen und Burschen aus unserer kleinen Gemeinde machen bei euch mit einem Eifer mit, dass einem das Herz aufgeht", geriet die "Gemeindechefin" beinahe ins Schwärmen.

Über das Erlernen althergebrachter Volkstänze freue sich sogar der Himmel, meinte Pepiuk und zitierte augenzwinkernd ein Wort des Kirchenlehrers Augustinus: "Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen." Dass diese Gefahr beim "Haidnaabtaler"-Nachwuchs nicht droht, bewiesen die Jugendtanzgruppen am Kaffee- und-Kuchen-Nachmittag mit einer bunten Folge bayerischer und internationaler Tänze.
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