Demo in Trabitz
Solidarität mit Faurecia

Ruhig hörten die Faurecianer die Reden am Werkstor. Dass Wut und Enttäuschung groß sind, zeigten die Transparente.
Politik
Trabitz
05.05.2016
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Karl Boemmel (vorne rechts) am Politikertisch: Alle Ebenen waren vertreten. Albert Rupprecht fehlte zwar aus Termingründen, war aber bereits am Mittwochvormittag beim Betriebsrat. Bild: wüw

Das Faurecia-Schicksal bewegt die Region. Das bewies der Aktionstag am Mittwoch vor dem Werkstor in Trabitz. Das Treffen zeigte aber auch, dass die Möglichkeiten von Arbeitnehmern und Politik begrenzt sind.

Betriebsrat und IG Metall wollten ein Zeichen der Solidarität mit dem Faurecia-Standort - und wurden nicht enttäuscht: Bürgermeister beinahe aller Nachbargemeinden, der Landrat, Landes- und Bundespolitiker, Kollegen aus Nachbarbetrieben, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und sogar die beiden Pressather Pfarrer: Alle zeigten Solidarität mit den Faurecianern, die vor zwei Wochen erfuhren, dass ihr Werk zum Jahresende schließt. Rund 200 Menschen waren zur Protestveranstaltung um 5 vor 12 ans Tor gekommen. "Im Betrieb ist kein einziger Arbeitnehmer mehr", verkündete Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel zufrieden.

Abgesehen vom Zusammenhalt bot der Mittwoch kaum gute Nachrichten: "Die Schließung ist unumkehrbar", erklärte IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner. Im Preißacher Schützenheim ging es danach schon um die Nachfolgenutzung fürs Firmengelände. "Wir wollen keine Industrieruine", erklärte Trabitz' Bürgermeister Carmen Pepiuk, Karl Boemmel wies auf Altlasten im Boden hin und warnte, den Konzern aus der Verantwortung zu lassen.

Guter Sozialplan


Noch unsicherer als die Zukunft der Immobilien scheint die der Menschen. So viele Mitarbeiter einzugliedern, dauere mindestens fünf Jahre, habe er bei der Arbeitsagentur erfahren, so Boemmel, "es sei denn, wir werden alle Altenpfleger oder Putzhilfen". Wer eine Stellen im eignen Beruf findet muss sich auf Einschnitte einstellen: "Wir werden nach Tarif bezahlt, in der Region tun das nicht viele Firmen." Boemmel sprach von 1000 bis 1500 Euro weniger Brutto. Relativ gut seien die Aussichten der Azubis, Faurecia habe Entgegenkommen angedeutet. Boemmel möchte erreichen, dass der Betrieb etwas drauflegt, wenn sich der Arbeitsweg verlängert oder die Azubis eine eigene Wohnung brauchen. Positiv sei auch, dass der Sozialplan aus dem Jahr 2014 gute Abfindungen garantiert. Zu verhandeln sei noch der Interessenausgleich, der den Ablauf der Werksschließung regelt. "Das ist unser Druckmittel, ohne Interessenausgleich keine Werksschließung", erklärte Boemmel. Wenn es keine Einigung gibt, entscheide aber eine Schlichtungsstelle, und die gelte als arbeitgeberfreundlich.

Fechtner und Boemmels Ziel bleibt eine Transfergesellschaft zur Weiterbildung der Mitarbeiter: Die Geschäftsführung habe angefragt, ob die Belegschaft sich beteiligt, das habe er abgelehnt, so Boemmel: "Wir sind jetzt kein Teil mehr von Faurecia", erklärte er und erntete Applaus. Am 12. Mai werde das nächste Mal verhandelt, Boemmel forderte dabei Unterstützung der Politiker.

Wenig Emotionen


Die Belegschaft nahm alle Reden ruhig auf. Von Wut, Trauer und Enttäuschung gab es wenig zu sehen. Dennoch sind diese Emotionen da: Vor den Werkstoren prangerten die Redner falsches Spiel, fehlende Moral und Managementfehler der Faurecia-Führung an. Als IG-Metaller Udo Fechtner anmerkte, dass in einer japanischen Firma die Geschäftführung längst rituellen Selbstmord hätte begehen müssen, brandete spontaner und lauter Applaus auf.
Die Schließung ist unumkehrbarIG-Metall-Sekretär Udo Fechtner
Silbernes Faurecia-Jubiläum hat Monika Fralix vergangenes Jahr gefeiert. Das 26. Jahr macht die Kastlerin wohl noch voll, dann ist Schluss wie für ihre 290 Kollegen. Abgeschlossen habe sie nicht. "Es gibt noch was zu tun für die Kollegen", sagt die Betriebsrätin, und meint die Verhandlungen zum Interessenausgleich.

Mit ihrer eigenen Zukunft habe sie sich deshalb noch kaum beschäftigt. Schon jetzt weiß sie aber, dass die Jobsuche schwer wird: "Ich bin im schlechtesten Alter, um arbeitslos zu werden", weiß die 57-Jährige. Auf finanzielle Einbußen hat sich eingestellt. "Und auch die Arbeitsbedingungen waren gut bei Faurecia." Gut zu sprechen ist sie auf ihren Noch-Arbeitgeber trotzdem nicht: "Wie die uns in den letzten Jahren hingehalten und behandelt haben, werde ich ihnen nicht vergessen."

HintergrundLandrat Andreas Meier versprach den Faurecianern Unterstützung, warnte aber vor zu hohen Erwartungen: "Politiker haben keinen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen", das wisse er aus Erfahrung. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises werde sich bemühen, er selbst sei gesprächsbereit, wolle tun, was möglich ist. SPD-Landtagsabgeordnete Annette Karl will in München drängen, dass Trabitz zur "Chefsache" in der Staatsregierung wird, Bundestagsabgeordneter Uli Groetsch kündigte ein Gespräch mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an, der solle in Frankreich Druck machen. Sein Kollege Albert Rupprecht versprach bereits vor dem Treffen Hilfe. Kastls Bürgermeister Josef Etterer berichtete von einem Gespräch bei IEM Fördertechnik: "Die Geschäftsführung ist interessiert, Fachkräfte zu übernehmen."

Aus der Belegschaft ging an Karl und Grötsch der Wunsch, Abfindungen mögen künftig von der Steuer befreit werden. Die Betroffenen seien auch ohne Steuerabzug von bis zu 42 Prozent genug bestraft. Der Bundestags- und die Landtagsabgeordnete versprachen, den Vorschlag mit nach Berlin und München zu nehmen.
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Hans Elsner aus Pfreimd | 05.05.2016 | 08:37  
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