Kampf gegen Drecklawinen
Bodenständig gegen Schlamm

Das Interesse am Programm Boden:ständig war groß, ganz Pichlberg wollte wissen, was sich gegen den Schlamm tun lässt. Bilder: idu
Politik
Trabitz
20.05.2016
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Mit dem Regen kommt der Schlamm: Was in Pichlberg seit Jahrzehnten zusammengehört, soll bald nicht mehr gelten. Das Programm Boden:ständig soll die Schmutzlawinen bremsen.

Pichlberg. Bodenständig gegen Schlammlawinen: Pichlberg hat den Dreck im Dorf nach stärkeren Regenfällen satt und hat sich dem Programm mit dem Namen Boden:ständig angeschlossen - als erstes im Landkreis Neustadt. In der Oberpfalz gibt es bisher 36 Boden:ständig-Projekte.

Ziel ist es, Bodenabtrag aus Feldern und die Einleitung des Schlamms in die Gewässer bei Starkregen zu verhindern. Landwirte und Grundbesitzer sollen über bodenschonende Bewirtschaftungsformen informiert werden und den Austausch unter den Landwirten bei der Anpflanzung fördern. Der Erhalt der Kulturlandschaft steht an erster Stelle, gefolgt vom Umweltschutz und der Einkommenssicherung für die Landwirte.

Pichlberg ist durch seine Lage am Berg besonders gefährdet für Schlammlawinen. Ein- bis zweimal im Jahr wälzt sich nach starkem Regen der Schlamm durchs Dorf. Das kurze Schauspiel bringt der Dorfgemeinschaft regelmäßig viel Arbeit. "Das hat nichts mit der modernen Landwirtschaft zu tun, das war schon immer so", berichtet Josef Pausch. Er erinnere sich, dass in den 1940er Jahren ein angeleinter Hund mitsamt Hütte durchs Dorf schwamm.

Als Bürgermeisterin Carmen Pepiuk vergangenes Jahr so ein Schauspiel selbst erlebte, und dabei beinahe einen Schuhe verlor, versprach sie Hilfe. Pepiuk hielt Wort und brachte nun das Projekt Boden:ständig mit. Im Gemeindehaus stellte Landwirtschaftsamtsleiter Siegfried Kiener die bayernweite Initiative vor. Diese habe sich zur Aufgabe gemacht, den Erosions-, Hochwasser-, und Gewässerschutz voranzubringen. Außerdem waren Martin Schreyer vom Fachzentrum für Agrarökologie, Alfred Schöberl vom Wasserwirtschaftsamt, Maximilian Graml für den Erzeugerring Oberpfalz, sowie Landschaftsarchitekt Wolfgang Fetsch dabei.

Um Überschwemmungen zu verhindern genüge eine Mauer am letzen Hof im Dorf nicht. Das übel in Pichlberg liege weiter oben. Gut zwei Kilometer vom letzten Haus bildet sich der Zulauf, der später als Schlammlawine im Dorf endet. Wie ein Trichter leite er allen abgespülten Dreck durch den Schwemmerhof (Kroher) in Höfe, Gärten und Einfahrten der Pichlberger. Das Programm Boden:ständig soll nun bei Ortsterminen Verbesserungsmöglichkeiten finden. Ziel seinen kleine Rückstaubereiche weit außerhalb des Dorfes, das Wasser zu verlangsamen, brache Äcker mit Zwischenfrucht zu bepflanzen und Wirtschaftswege zu erhöhen. Landwirte sollen sich bei der Bepflanzung absprechen.

Die Diskussion war rege und natürlich ging es dabei auch um die Kosten. Beratung und Planung übernimmt das Förderprogamm, so Pepiuk. Bei der Umsetzung gehe es um kleinere Grundstücksverhandlungen, Wegebefestigungen und Erhöhungen von Wirschaftswegen. "So weit wie möglich wird das die Kommune übernehmen, da ja auch wir von diesem Projekt profitieren", versprach Pepiuk. Die teuren Kanalspülungen wären dann nicht mehr notwendig. Festlegen lassen wollten sich die Experten jedoch nicht. Genaue Aussagen seien erst möglich, wenn die nötigen Maßnahmen klar sind. Weil es keine Verpflichtungen gibt und das Programm auch abgebrochen werden kann, gab es das Okay der Bürger. Weitere Termine werden folgen, in zwei Wochen soll es mit den Schlammlawinen im Ort vorbei sein.
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