Buben und Mädchen erkunden Wald und Wiese
Huschspinne spannender als Handyspiel

Für ihren Waldkindergarten kann die Trabitzer "Kindergartenfamilie" auf die Hilfe des Staatsforstbetriebs Schnaittenbach (hinten rechts: Forstarbeiter Michael Reindl und Thomas Kraus) und der Eltern zählen. So baute ein "Kindergartenpapa" das beliebte "Kletterhaus". Bild: bjp
Vermischtes
Trabitz
07.06.2016
24
0

Was ist denn das? Wie gebannt blicken zwei Mädchen in das Becherglas, mit dem sie kurz zuvor auf der Wiese ein kurioses Krabbeltier eingefangen haben: achtbeinig und mit einem grell gelbgrünen kugeligen Leib. Eine "grüne Huschspinne" ist es, die die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich zieht. "Solche kleinen Sensationen erleben wir an jedem Tag unseres Waldkindergartens, und jede derartige Entdeckung schärft den Sinn der Kinder für Schönheit und Wert der Natur", freut sich die Trabitzer Kindergartenleiterin Johanna Sulzbacher.

Seit der Pfingstwoche erkunden 31 Mädchen und Buben zwischen anderthalb und sechs Jahren vier Wochen lang Wald und Wiese beim Ketzepavillon. Steinläufer und Nacktschnecken, Mistkäfer und Schmetterlinge und natürlich die Kaulquappen im nahen Teich: Alles das ist ja so viel spannender als die "elektronischen Kletten", die die Kinder leichten Herzens für einige Stunden am Tag hinter sich lassen. Zwischendurch bastelt man Steinfiguren und hölzerne Tierskulpturen, schlittert die kleine Sandrutsche in der alten Kiesgrube hinab, veranstaltet ein Entenrennen im Grünbach oder tollt im "Waldspielplatz" umher. Dessen Spielgeräte haben Kindergärtnerinnen, Eltern und Kinder selbst gebaut - "durchweg aus Materialien, die im Wald zu finden sind", betont Sulzbacher.

Aber drückt die wechselhafte Witterung nicht auf die Laune? Keineswegs: "Viele Kinder sind regelrecht vernarrt in Pfützen, und zum Glück gibt es ja passende Kleidung für jedes Wetter." Falle der Regen einmal besonders heftig, male man im Schutz der Hütte gemeinsam eine große Sonne, "damit die Sonne bald wieder kommt". Kein Problem sei der von Bewegung und frischer Luft befeuerte Appetit der "Wichte": Den stille auch während der Waldwochen Kindergartenköchin "Oma Karin" Merker, und obendrein gebe es ja den "Feinkostladen Natur" mit Schmankerln wie Vitamin-C-reichem Kirschpfannkuchen oder Brennnesselchips. "Dazu muss man nur Brennnesselblätter frittieren und mit etwas Kräutersalz bestreuen", verrät Johanna Sulzbacher. Im Vorgriff auf den nächsten Winter habe man zudem aus selbstgesammeltem Spitzwegerich und Zucker einen natürlichen und schmackhaften Hustensirup gebraut.

Zum zehnten Mal seit 2000 gebe es den "Ausbruch aus dem Alltag" nun, blickt die Kindergartenleiterin zurück. Dieser Erfolg sei vielen Gönnern zu verdanken, allen voran den Familien der Kinder und dem Staatsforstbetrieb Schnaittenbach, der das Terrain "in der Ketze" bereitwillig zur Verfügung stelle. Vor allem Forstrevierleiter Dieter Rothlauf und seine Mitarbeiter förderten das Unternehmen mit Rat und Tat: "Die Kinder lernen Verantwortungsbewusstsein füreinander und für die Natur, und das schätzen Familien und Forst gleichermaßen." Sogar die erfahrene Pädagogin staunt immer wieder über die soziale Intelligenz ihrer Schützlinge: "Die Größeren achten aufmerksam auf die Kleineren, zeigen ihnen zum Beispiel die markierten Grenzen unseres Spielterrains, und die Kleinen nehmen sich das zu Herzen und halten sich daran."

Dank gebühre nicht zuletzt solchen "stillen Freunden" wie dem unbekannten "Waldläufer", der auch heuer am waldkindergartenfreien Fronleichnam, wie schon im Vorjahr, eine Geldspende "für die Kinder" in der Hütte hinterlegte. Mit einem Familienfest am 10. Juni schließt der diesjährige Waldkindergarten ab.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.