Gemeinderatssitzung in Trabitz - Integration von neun minderjährigen Flüchtlingen im ...
WGs als Anreiz

Probleme sind dazu da, sie zum allgemeinen Nutzen zu lösen: Mit dieser Einstellung gehen Sozialpädagoge Stephan Müller und sein Team an die Betreuung asylsuchender Jugendlicher in Trabitz und anderen Gemeinden der Nordoberpfalz heran. Bild: LearningCampus/hfz
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Trabitz
25.02.2016
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Die Flüchtlingsthematik wird im Gemeinderat nicht ausgeblendet. Derzeit leben neun unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in dezentralen Unterkünften im Gemeindegebiet. "Spannungen entstehen daraus nicht, zumal die Jugendlichen bestens betreut werden", sagte Bürgermeisterin Carmen Pepiuk in der Februarsitzung. "Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Kreisjugendamt klappt so gut, wie man sich das nur wünschen kann", betonte "Learning-Campus"-Geschäftsführer Stephan Müller.

Vier Fachkräfte des mit 40 Mitarbeitern tätigen sozialpädagogischen "Multitaskers", der Anfang Dezember 2015 neue, größere Büroräume im Trabitzer Raiffeisenhaus bezogen hat, begleiten die neun jungen Asylsuchenden auf ihrem Weg in die deutsche Gesellschaft. "Fördern und fordern" sei dabei oberste Devise, betont Müller. "Wir unterstützen diese Menschen nach Kräften, weil wir überzeugt sind, dass sie die Voraussetzungen mitbringen, ein Gewinn für unsere Region zu werden, aber wir vermitteln ihnen auch, dass sie aktiv ihren Teil beitragen müssen, um in dieser Gesellschaft ihren Platz zu finden."

Eine Schlüsselrolle komme hierbei den Wohngemeinschaften zu, die in Trabitz und anderen nordoberpfälzischen Orten bestünden und von denen er sich eine "Modellwirkung" verspreche. Die Option, aus einer Massenunterkunft in eine überschaubare, unter fachkundiger sozialpädagogischer Aufsicht selbstständig organisierte WG umziehen zu können, sei ein Anreiz, Integrationsbereitschaft und Sozialkompetenz zu beweisen: "Wer hier aufgenommen werden will, muss seinen guten Willen gezeigt haben, insbesondere durch regelmäßigen Schulbesuch."

Bei der Volkshochschule Weiden und beim Sankt-Michaels-Berufsbildungswerk in Grafenwöhr erhielten die neun Flüchtlinge aus Trabitz unverzichtbares Rüstzeug für eine gelungene Integration, erläutert Stephan Müller. Im Mittelpunkt stehe dabei die deutsche Sprache.

Um die Jugendlichen noch mehr zu ermuntern, die Bildung von Ghettos zu verhindern, habe man die Wohngemeinschaften bewusst international zusammengestellt: "So ergibt es sich, dass das neu erlernte Deutsch als einzige gemeinsame Sprache zur Umgangssprache wird." Drei der Migranten kämen aus dem unter einer Diktatur leidenden Eritrea, je zwei aus den von Bürgerkriegen zerstörten Ländern Afghanistan, Somalia und Syrien.

Zu einer der drei Wohngemeinschaften zähle neben drei Asylsuchenden auch ein deutscher Jugendlicher, erzählt Müller. "Das bunt gemischte 'Kleeblatt' kommt hervorragend miteinander aus." Dass sowohl Muslime als auch Christen unter den neun Zuwanderern seien, werfe kaum Probleme auf. Das Betreuerteam rücke die religiösen Fragen auch bewusst nicht in den Vordergrund. Lobende Worte findet Stephan Müller für Landratsamt und Kreisjugendamt: "Die Behörden agieren klug und weitblickend und begrüßen die Idee einer Integration durch Kleingruppen."

Auf einem guten WegUnd wie kommen die "Neubürger" mit den Einheimischen aus? "Fünf der Migranten haben schon Anschluss an die Spielvereinigung Trabitz gefunden, die sich über den Sportlernachwuchs freut - das sagt doch viel aus", meint Stephan Müller von "Learning-Campus". Auch für eine berufliche Eingliederung sieht der Fachmann gute Chancen: "Die Jugendlichen sind handwerklich geschickt und an Lehr- und Arbeitsstellen interessiert, und sie könnten dazu beitragen, dem vielbeklagten Mangel an jungen Handwerkern abzuhelfen. Deshalb streben wir durchaus an, sie hier zu halten."

Einer der syrischen Zuwanderer beginne demnächst ein Praktikum als Mechaniker: "In Syrien hat er diese Tätigkeit schon ausgeübt." Dass der Flüchtlingszustrom durchaus auch Probleme aufwirft, verkennt Müller keineswegs: "Aber wir können diese Probleme so lösen, dass für die Region etwas Positives herausspringt."

Der Weg dorthin ist für den erfahrenen Sozialpädagogen klar: "Unser Jugendhilfeteam betreut die Flüchtlinge prinzipiell ebenso, wie sie es mit unseren einheimischen Schützlingen macht. Damit sie dahin gelangen, hierzulande ganz normal zu leben - das ist alles." (bjp)
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