Junge Leute, altes Zeug
Die Leidenschaft der Oldtimerjugend Feilersdorf für Fendt, Deutz und co.

Die Oldtimerjugend mit den Objekten ihrer Begierde vor ihrem Hauptquartier, der eigens hergerichteten Ackermann-Scheune.
Vermischtes
Trabitz
18.08.2016
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Jedes Jahr im Herbst treffen sich die Mädchen und Burschen der Oldtimerjugend zum gemeinsamen Erdäpfelgraben. Mit ihrer Ausbeute machen sie sich stilecht mit dem alten Fendt vom Acker.
 
In einer langen Schlange fuhren die Bulldogs aus nah und fern zum Oldtimertreffen 2016 nach Feilersdorf ein. Insgesamt 166 alte Prachtstücke konnten die Besucher bewundern. Bilder: hfz (3)

Sie erkennen einen vorbeifahrenden Traktor am Geräusch und planschen in einem Pool aus Siloballen. Es ist eindeutig: Die jungen Leute von der Oldtimerjugend Feilersdorf sind begeistert von der Landwirtschaft. In den letzten drei Jahren haben sie einiges auf die Beine gestellt.

Feilersdorf. "Wir sind junge Leute, die sich für altes Zeug interessieren", so beschreiben sich die Mitglieder der Oldtimerjugend Feilersdorf. "In Feilersdorf läuft's einfach ein bisschen anders", sagt Andreas Mejer, denn fast der ganze Ort ist verrückt nach alten Bulldogs, der älteste im Dorf ist ein 11er Deutz aus dem Jahr 1953.

Angefangen hat alles 2013 im Feuerwehrhaus. Ein paar oldtimer-verrückte Mädchen und Burschen saßen zusammen und beschlossen, einen Stammtisch zu gründen: die Geburtsstunde der Oldtimerjugend. Nach und nach kommen immer mehr Leute dazu, nicht nur aus Feilersdorf, sondern auch aus den Dörfern in der Umgebung. Sie schauen einfach mal vorbei oder kommen mit Freunden. Wem es gefällt, der ist dabei, es ist so unkompliziert und locker, wie die Mitglieder auch selber sind. Man muss nicht einmal unbedingt einen eigenen Traktor besitzen. Wer mehrere daheim hat, stellt sie auch gerne zur Verfügung, denn jeder soll die Möglichkeit haben, mit einem Oldtimer zu fahren, wenn er möchte. Die Voraussetzung ist nur Interesse für das Thema, einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben aber fast alle.

Die Oldtimerjugend als Verein eintragen zu lassen, kommt für sie nicht in Frage, das wäre zu umständlich, zu viel Bürokratie. Einen Vorstand brauchen sie nicht, "hier wird alles demokratisch nach dem Mehrheitsprinzip entschieden". Trotzdem sind Leute nötig, die Verantwortung übernehmen. Und die finden sich immer, das sei kein Problem.

Deutz vs. Fendt


Auf den Oldtimertreffen der anderen Vereine waren sie immer, wenn sie Zeit hatten. Im selbst gebauten Siloballen-Pool hatten sie dann 2014 die spontane Idee zum ersten eigenen Treffen. Es sollte keine große Sache werden. "30 Paar Weißwürste haben wir am Anfang eingeplant", erzählt Sophie Ackermann. Ganz kurzfristig organisierten sie das Oldtimertreffen und trotzdem wurde es viel größer als gedacht. 2014 knatterten 90 Oldtimer nach Feilersdorf, 2016 waren es schon 166. Und statt der 30 Paar Weißwürste gab es zwei Schweine am Spieß. Das Oldtimertreffen soll etwas Besonderes bleiben, deshalb wird es das Treffen auch in Zukunft nur alle zwei Jahre geben.

Wer glaubt, die Oldtimer sind nur zum Anschauen gedacht, täuscht sich, denn sie tuckern regelmäßig über die Felder. Die Leistung der Traktoren liefert dabei immer Anlass für lange Diskussionen am Stammtisch, die für Nicht-Eingeweihte kaum nachzuvollziehen sind. Grob kann man die Oldtimerjugend in zwei "Konfessionen" einteilen, nämlich Fendt- und Deutzfahrer. Zu welcher Gruppe man gehört, ist eine Glaubensfrage, denn für beide ist die eigene Marke jeweils das höchste der Gefühle. Aber "die Köpfe sind alle noch dran, eigentlich ist es nur Gaudi", lachen sie. Der wesentliche Unterschied zwischen Fendt und Deutz sei die Farbe. Spätestens, wenn sie durch das offene Fenster das Geräusch einer landwirtschaftlichen Gerätschaft hören, sind die Diskussionen beendet, denn dann springen alle vom Tisch auf und sind am Fenster mit Schauen beschäftigt.

Scheune ist der ganze Stolz


Besonders gerne erzählen die Jungs und Mädels von ihrem Stadel. Am alten Treffpunkt im Feuerwehrhaus gefiel es den Bulldogfreunden zwar ganz gut, aber irgendwann wollten sie "einfach etwas eigenes" haben, wo sie tun und lassen können, was sie wollen, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen. Die alte Scheune der Familie Ackermann bot dafür den perfekten Raum. Sie wurde von den Ackermanns nie genutzt, war baufällig und sollte deshalb abgerissen werden. Das rief die Oldtimerjugend auf den Plan und schließlich stellte ihnen die Familie Ackermann das Gebäude zur Verfügung. Auf eigene Faust nahmen sie dann letzten Oktober den Ausbau in Angriff. Über zwei Monate waren sie beschäftigt, in dem Gemäuer steckt jede Menge Arbeit. Unter anderem musste ein neuer Boden her, denn der alte war löchrig wie ein Schweizer Käse. Da sie kein großes Budget zur Verfügung hatten, mussten sie erfinderisch sein. Ihr "Hauptsponsor" war das Lagerhaus in Trabitz, das zu dem Zeitpunkt geschlossen wurde. Sie durften sich daraus bedienen, also die Bodenbretter und Fenster ausbauen, Möbel mitnehmen und sogar eine Treppe. Auch weitere Eckbänke, Stühle und Lampen bekamen sie geschenkt. Einen Tresen zimmerten sie selbst aus den Resten der Bodenbretter.

Als die Feilersdorfer noch Kinder waren, war der alte Stadel ihr Abenteuerspielplatz, jetzt ist er ihr ganzer Stolz. Der Vorbesitzer, ein älterer Herr, hat hier in den letzten Jahren seines Lebens gewohnt, er hinterließ seinen gesamten Besitz. Beim Ausräumen fand die Oldtimerjugend alle möglichen "Schätze": eine Kappe, alte Mäntel, Schuhe, sogar ein Federbett. Insgesamt beluden sie einen ganzen Kipper mit dem Inhalt der Scheune. Ein Teil der Fundstücke fand jedoch einen Platz im neuen Heim und an den Wänden hängen alte Schwarzweiß-Bilder aus Feilersdorf. Es ist gemütlich geworden, eine zusammengewürfelte Mischung aus Omas Wohnzimmer und Lagerhaus. Alles passt so gut, als ob es schon immer so ausgesehen hätte. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen in ihrer Scheune, meistens am Abend, wenn die Arbeit am Feldern beendet ist.

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Weitere Informationen:

www.facebook.com/oldtimerjugendfeilersdorf/

Kurz und bündig___

Fünf Fragen an die Oldtimerjugend

Wann wurde der Stammtisch gegründet?

2013

Wie viele Mitglieder hat der Stammtisch?

36, das jüngste Mitglied ist 12, das älteste 26.

Warum ist der Stammtisch etwas ganz Besonderes?

So besonders sind wir gar nicht. Aber wir punkten durch Zusammenhalt, jeder ist mit Begeisterung dabei.

Wie überzeugt ihr jemanden vom Beitritt?

Wir machen keine aktive Mitgliederwerbung, die Leute kommen von selber auf uns zu.

Was ist die beste Veranstaltung im Jahr?

Das Oldtimertreffen alle zwei Jahre ist eine große Sache. Ansonsten unser Kartoffelfest nach dem gemeinsamen Kartoffelgraben im Oktober.

Sommerserie

Nette Leute und ihre Geschichten

Eschenbach. Was wäre die Region ohne ihre Vereine, von denen jeder auf seine Weise zum gesellschaftlichen Leben gehört und beiträgt. Überall trifft man auf interessante Leute mit spannenden Geschichten.

"Der Neue Tag" erzählt einige dieser Geschichten und stellt in jeder Ferienwoche abseits der üblichen Berichterstattung einen "etwas anderen" Verein aus der Region vor. Das Ziel dieser Sommerserie ist es, die Vielfalt und die Besonderheiten des Vereinslebens im Norden Bayerns zu zeigen. Und vielleicht findet der eine oder andere sogar einen neuen Verein oder ein neues Hobby.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/Unser-Verein
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