Pfarrer Franz Winkelmann über die Werke der Barmherzigkeit
Wichtigste aller Tugenden

Für seinen humorvollen und lebensnahen Vortrag über die Werke der Barmherzigkeit dankte die Preißacher "Landvolk-Managerin" Edeltraud Hey Pfarrer Franz Winkelmann. Bild: bjp
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Trabitz
02.04.2016
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Sie gehören zum Auswendiglern-Pflichtpensum des traditionellen Katechismusunterrichts: die "leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit". Diese Ecksteine seien aber zum Gelebt Werden bestimmt, gab Pfarrer Franz Winkelmann zu verstehen.

Preißach. Nicht zum sturen "Pauken", seien die Werke da, erklärte der Pfarrer in seinem Vortrag "Werke der Barmherzigkeit" beim Seniorennachmittag des Katholischen Landvolks Burkhardsreuth.

"Die Barmherzigkeit ist die wichtigste aller Tugenden", zitierte der Landvolk-Kreisseelsorger zu Beginn seines Referats im Schützenheim Papst Franziskus. Diese Mahnung sei notwendig gewesen, denn bis in die Gegenwart hätten "die Theologen die Barmherzigkeit vergessen."Mit dieser Aussage griff Winkelmann einen Gedanken von Kardinal Walter Kasper auf.

Dass er damit recht habe, hätten die jüngsten innerkirchlichen Diskurse über "wiederverheiratete Geschiedene" illustriert, die eher abschreckend gewirkt hätten. Es sei an der Zeit für eine Neubesinnung auf bedenkenswerte, aber teilweise "auf der Strecke gebliebene" Fingerzeige aus den Schriften des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf dessen Abschluss vor 50 Jahren das Heilige Jahr ausdrücklich Bezug nehme.

Zu denken gäben etwa der Titel des Konzildokuments "Gaudium et spes", was "Freude und Hoffnung" bedeute, aber auch Ermunterungen zu eigenverantwortlichem Handeln. Diese kontrastierten mit tradierten Vorstellungen, wonach "Pfarrer oder Bischof immer alles besser wissen." Die "Barmherzigkeit der Kirche" müsse der "Barmherzigkeit Jesu" gleichen.

Keine Drohbotschaft


Das Evangelium sei "eine Froh- und keine Drohbotschaft." Ein Vorbild könne Elisabeth von Thüringen sein, die sich nach dem Tod ihres landgräflichen Ehemanns "nicht der Tradition unterwarf, als Witwe ins Kloster zu gehen, sondern nach ihrem Verstand und Herzen Gutes tat."

Er selbst erinnere sich gern an ein Bonmot des Regensburger Weihbischofs Karl Flügel aus seiner Priesterseminarzeit: "Es ist gut, das Kirchenrecht zu kennen, weil man dann auch dessen Lücken kennt."

"Wir gehören zur Gemeinschaft Jesu und können so viel Segen in die Welt hineintragen", ermunterte Pfarrer Franz Winkelmann die rund 60 Zuhörer. Um die Gebote der Barmherzigkeit richtig zu verstehen, müsse man "über die traditionellen Formulierungen hinausdenken". So meine "Gefangene besuchen" auch Menschen, die in Krankheit oder Leid "gefangen" seien. Der würdevolle Umgang mit Toten, die man bestatten und für die man beten solle, schließe die Pflicht ein, sich der Hinterbliebenen anzunehmen und auch für die Lebenden Gottes Beistand zu erbitten. "Beleidigungen verzeihen" heiße "nicht Spannungen pflegen, sondern gerade jene segnen, die uns zuwider sind. Wenn wir Christen uns darum bemühen und dabei auf die Hilfe Gottes vertrauen, der uns aus Barmherzigkeit helfen will, bauen wir Brücken der Barmherzigkeit, und in Familien und Gesellschaft wird manches anders werden."

"Sünder zurechtweisen" sei als Rat zum "Aussprechen der Wahrheit in Liebe", zum fairen "Hinweisen auf Fehlentwicklungen" zu begreifen: "So kommen wir auf einen guten Weg." Lohnend sei schließlich, sich stets bewusst zu sein, dass Jesu erstes Wort an die Apostel nach seiner Auferstehung ein Friedensgruß gewesen sei, riet Winkelmann.

WerkeDie sieben leiblichen Werke: Hungernde speisen; Durstigen zu trinken geben; Nackte bekleiden; Fremde beherbergen; Kranke pflegen; Gefangene besuchen; Tote bestatten.

Die sieben geistigen Werke: Unwissende lehren; Zweifelnden recht raten; Sünder zurechtweisen; Betrübte trösten; Beleidigungen verzeihen; Lästige geduldig ertragen; für die Lebenden und Verstorbenen beten. (bjp)
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