Reqiuem für Josef Pausch
Sämann, nicht Totengräber

Kreuz und Sonnenblume versinnbildlichten in der Burkhardsreuther Pfarrkirche Josef Pauschs Treue zur Kirche und Liebe zur Schöpfung. Bild: bjp
Vermischtes
Trabitz
30.06.2016
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"Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte, und siehe, die Pflicht war Freude." Diesen Vers des indischen Literaturnobelpreisträgers Rabindranath Tagore wählte Pfarrer Werner Kaspindalin als Leitmotiv seiner Predigt zum Requiem für Josef Pausch.

Burkhardsreuth. "Am vergangenen Donnerstag war der Pichlberger Josef Pausch nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren verstorben. "Dieser wunderbare Sinnspruch", so Pfarrer Werner Kaspindalin, habe Pauschs Leben "geprägt und erfüllt": "Er wusste, dass das Leben eine einzige Pflicht ist und nicht nur aus Träumen besteht, aber er hat auch versucht, sein Leben so zu leben, als wäre jeder Tag eine unersetzliche Freude. Er gab nie auf, stellte sich dem Leben und vermochte sich an kleinen Dingen des Alltags zu erfreuen." Auf vielfältige Weise habe er sich in Kirche, Kommunalpolitik, Familie und Vereinen bereitwillig "in die Pflicht nehmen lassen".

Pausch sei "für unsere Pfarrgemeinde ein Sämann und kein Totengräber" gewesen, betonte Werner Kaspindalin. So habe er viele Jahre lang die örtliche Landjugendgruppe geleitet, um "die Jugend auf Gott hinzuweisen und auf ein christliches Leben vorzubereiten", und sich "wie ein Löwe" für die Erhaltung der Pfarrstelle eingesetzt. Sein seit 1968 wahrgenommenes Pfarrgemeinderatsmandat habe er im besten Sinne beratend und handelnd ausgeübt. Die 1981 geweihte Pichlberger Marienkapelle erinnere als "sein Lebenswerk" ebenso an ihn wie das 2005 errichtete Bergkreuz, zu dessen Bau sich Pausch und Pfarrer Kaspindalin an der Jahreswende 1999/2000 gemeinsam entschlossen hatten - "zu einer Zeit, als anderswo Kreuze aus der Öffentlichkeit, aus Schulen und Gerichten verbannt wurden".

Um jede Kleinigkeit


Noch auf dem Sterbebett habe er sich "um die kleinsten Kleinigkeiten" des bevorstehenden Pfarrfestes gesorgt, verriet Kaspindalin. Doch habe Josef Pausch auch Brücken über Glaubensgrenzen hinweg geschlagen. Hiervon zeuge der Weihrauch für das Requiem, den "muslimische Freunde" gestiftet hätten. Für den 1979 von dem Verstorbenen gegründeten und 35 Jahre lang geleiteten Pichlberger Kapellenbauverein nahm dessen Vorsitzender Josef Nickl "Abschied von einem guten Freund und weithin geschätzten Pichlberger" und rief dessen "letztes Wort als Vorsitzender" ins Bewusstsein: "Haltet im Dorf fest zusammen und vergesst das Beten nicht."

Hochgeachtete Fähigkeiten


Im Namen des Pfarrgemeinderats sprach Josef Marzi über Pauschs "vielfältige und nicht immer sofort ins Auge fallende Leistungen und Verdienste". Beim Familiengottesdienst, der am 28. August "an seinem Pichlberger Kreuz" zelebriert werde, wolle das Gremium seines Sprechers besonders gedenken. Als "vortrefflichen Menschen von hochgeachteten Fähigkeiten" beschrieb der Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Weiden, Hermann Ott, den Toten. Von 1964 bis 1972 und von 1985 bis 1992 habe Josef Pausch die Geschicke des Lagerhauses Trabitz und danach bis 1997 jene der fusionierten Lagerhausgenossenschaft Eschenbach-Pressath-Trabitz in verantwortlichen Positionen mitbestimmt.

Geschichte der Gemeinde geprägtAls Bürgermeisterin und Leiterin des Gemeindeverbands würdigte Carmen Pepiuk Josef Pauschs "Wirken und beispielhafte Haltung". Zahlreiche gemeindliche Vereine hätten ihm "viel zu verdanken". In 33 Jahren Gemeinderatszugehörigkeit und 24 Jahren als zweiter Bürgermeister habe er "Geschicke und Geschichte der Gemeinde mitgeprägt" und "segensreiche Projekte" auf den Weg gebracht.

Exemplarisch erwähnte Pepiuk die von ihm mitgetragene Eingemeindung Pichlbergs sowie den Bau des Pichlberger Gemeinschaftshauses mit Kapelle und Feuerwehrhaus und des Bergkreuzes. "Auch außerhalb der Gemeinde engagierte er sich als Kreisobmann der Katholischen Landjugend, Vorsitzender des Kreisjugendrings, bei den katholischen Dorfhelfern und als Delegierter der CSU", blickte die Bürgermeisterin zurück: "Ihm ging es nicht um Ruhm und Geld, sondern um das Wohl der Menschen." Ihren Nachruf schloss sie mit einem "Lebewohl": "Denn du, deine Ideen und dein Werk werden weiterleben, wenn wir in deinem Sinne weiterarbeiten."

Josef Pauschs Ansehen in der Kirche spiegelte sich nicht zuletzt in der Totenmesse selbst wider: Gemeinsam mit Pfarrer Werner Kaspindalin zelebrierten außer dem Bruder des Verstorbenen, dem Weidener Stadtpfarrer und langjährigen Regionaldekan Gerhard Pausch, noch neun Geistliche das Requiem. (bjp)
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