Arbeitnehmer sehen bei Faurecia in Trabitz schwarz - Gespräche im Frühjahr
Wieder 60 Stellen in Gefahr

Wie lange hält die Festung: Noch parken Mitarbeiter vor dem Faurecia-Werk in Trabitz. Bild: bjp
Wirtschaft
Trabitz
17.12.2015
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Schlechte Nachrichten aus dem Trabitzer Faurecia Werk: Wieder sind Arbeitsplätze auf der Streichliste. Die Gewerkschaft befürchtet: Bis Mitte 2017 könnte es mit dem ganzen Werk zu Ende gehen.

Bei Faurecia sind erneut Stellen in Gefahr. "Wir sind momentan in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern über die zukünftige Entwicklung des Werkes für die kommenden Jahre. Dazu gehören auch Gespräche über eine mögliche Anpassung der Belegschaft an das Umsatzvolumen", heißt es aus der Deutschlandzentrale des französischen Automobilzulieferers. Was mit "Anpassung der Belegschaft" gemeint ist, konkretisiert Udo Fechtner: "Das Unternehmen möchte 60 Stellen streichen", sagt der IG-Metall-Bevollmächtigte.

Derzeit laufen die Verhandlungen über die Modalitäten des Abbaus, die der sogenannten Interessenausgleich regelt. "Arbeitnehmervertreter und Unternehmensleitung sind sich über die wesentlichen Inhalte der Neuausrichtung weitgehend einig und stehen unmittelbar vor Abschluss der Verhandlungen", heißt es dazu von der Faurecia-Pressestelle. Das bestätigt Betriebsrat Karl Boemmel. Ende Januar könnte ein Ergebnis vorliegen. Mehr möchte er nicht sagen. Auch der Konzern hält sich bedeckt: Pressesprecherin Kirsten Lattewitz verweist auf das Recht der Belegschaft, "als erstes und umfassend informiert zu werden". Dies soll bei einer Betriebsversammlung passieren.

Keine Fortschritte


Udo Fechtner ergänzt, dass Mitarbeiter, die freiwillig gehen, beim Stellenabbau berücksichtigt werden. Wie viele Kündigungen der Konzern aussprechen wird, ist deshalb nicht klar. Gut möglich, dass es wenige sind: "Wer eine akzeptable Stelle in der Region findet, geht jetzt schon", heißt es aus dem Betriebsrat. Im Sommer fielen bereits 100 Stellen weg, seither sollen nochmals rund 10 Mitarbeiter selbst gekündigt haben.

Für Fechtner und Boemmel ist das nachvollziebar, beide können der Belegschaft wenig Hoffnung machen, bei den Gesprächen zur Standortsicherung gebe es keine Fortschritte. Die Belegschaft wäre zu Zugeständnissen bereit, sagt Fechtner. "Aber die Geschäftsführung möchte nicht einmal sagen, welche Zugeständnisse nötig wären, um das Werk langfristig zu sichern." Es komme nur so viel: 2016 gebe es keine Aufträge, für die Zeit danach laufen die Ausschreibungen. Fechtner befürchtet, dass es dann schon zu spät wäre. Im Frühjahr gibt es eine neue Gesprächsrunde zur Standortsicherung: Wenn es dann keine konkrete Perspektive gibt, drohe dem Werk bis spätestens Mitte 2017 das Aus. "Die Unternehmensleitung ist bestrebt, auch nach 2017 dem Werk in Trabitz eine an den zukünftigen Entwicklungen des Automobilmarktes ausgerichtete Perspektive zu ermöglichen", heißt es dagegen aus der Faurecia-Zentrale.

Hoffnung stirbt zuletzt


Auf diese Perspektive hofft auch Boemmel noch immer. "Wir werden nicht aufhören, um die Zukunft unseres Betriebs zu kämpfen." Deshalb habe der Betriebsrat darauf bestanden, dass das Unternehmen in Trabitz weiter ausbildet. Im September wurden tatsächlich Azubis eingestellt. Boemmel weiß, dass das keine Garantie für die Zukunft ist.
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