Faurecia-Belegschaft feiert Geburtstag der Fabrik
Mehr Requiem als Jubiläum

Makaber? In Trabitz wehte zuletzt neben der Faurecia- eine Happy-Birthday-Flagge. Die bezog sich nicht auf den 75. Geburtstag des Trabitzer Werks, sondern auf den der neuen Unternehmenskultur, unter dem Titel "Being Faurecia", die der Konzern 2014 ausrief. Bild: wüw
Wirtschaft
Trabitz
26.10.2016
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Faurecia feiert: Fast schon trotzig trifft sich die Belegschaft am Samstag zum 75. Jubiläum der Trabitzer Fabrik. Etwas Abwechslung dürfte den Mitarbeitern gut tun.

Die Faurecia-Belegschaft hat schon lange keinen Grund zu feiern mehr, am Samstag tut sie es trotzdem: Betriebsrat und Gewerkschaft laden die Belegeschaft ein, das 75. Jubiläum der Fabrik an der Haidenaab zu feiern, so wie es IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner vor einigen Monaten versprochen hat. Die IG Metall bezahlt das Fest in der Lumperer Halle auch, der Betriebsrat übernimmt die Einladung: Etwas mehr als 400 Einladungen an derzeitige und ehemalige Mitarbeit habe er verschickt, sagt Karl Boemmel. "Etwa 225 haben zugesagt." Absagen habe es dagegen vom Werksleiter und dem Personalchef gegeben.

Nachfolger anlernen


Etwas Ablenkung können die Faurecianer gut gebrauchen, denn die Stimmung im Werk sei mehr als trist. Als die Belegschaft noch gemeinsam für Interessenausgleich und Sozialplan stritt, hatte man noch ein gemeinsames Ziel. Nun, da alles ausverhandelt ist, gehe es nur noch darum, auf das Ende zu warten. Das schlage bei vielen auf die Psyche: "Der Krankenstand ist zuletzt stetig gewachsen", sagt Boemmel. Viele seien mit den Nerven fertig. Zum Teil werden sogar Leiharbeiter eingesetzt, um die verbliebene Arbeit zu erledigen. Auch dem Betriebsratsvorsitzenden selbst ist anzuhören, dass ihm das Ende des Betriebs nahegeht. Schließlich habe er seit der Lehre sein gesamtes Berufsleben hier verbracht, fast 40 Jahre. "Es ist bedrückend, wie still es inzwischen bei uns ist." Dazu verschwinden nach und nach die Maschinen in andere Faurecia-Standorte. "Beim Rundgang fallen dann die Lücken auf, das macht nachdenklich."

Eine Belastung sei auch der Besuch aus Frankreich, Ungarn oder Tschechien gewesen: Faurecia-Mitarbeiter, die künftig an den Geräten stehen, ließen sich in Trabitz einweisen. Natürlich können diese Kollegen nichts dafür, trotzdem sei es für die Trabitzer Belegschaft schwer.

Wenige gute Nachrichten


Leichter machen es auch die Erfahrungen am Arbeitsmarkt nicht, die die Belegschaft sammeln muss. Seit 2014 haben über 100 Mitarbeiter den Betrieb bereits verlassen, vor allem junge Kollegen. Der Bedarf der Unternehmen in der Region sei deshalb einigermaßen bedient. Dazu komme, dass manch interner Schweißschein auf dem Arbeitsmarkt nichts gelte. "Meine Kollegen sind zum Teil absolute Spezialisten und stehen nun da wie Hilfsarbeiter." Es zeichne sich ab, dass die Kollegen nur mit enormen Abschlägen eine Chance haben: "Sie müssen weiter fahren, fünf Stunden länger arbeiten und bekommen gut ein Drittel weniger", bringt es Boemmel auf den Punkt.

Aber der Betriebsrat hat auch positive Nachrichten: Keiner der Azubis steht auf der Straße, alle können ihre Ausbildung "bei guten Betrieben in der Region" abschließen. Und auch die Augsburger Transfergesellschaft habe sich als gute Entscheidung herausgestellt. "Die Verantwortlichen der Gesellschaft sind engagiert und kompetent", sagt Boemmel.

Fabrik zu habenWenig Neues gibt es auch zur Zukunft der Faurecia-Immobilie. Es habe wohl Anfragen von Interessenten gegeben, die die Gemeinde an die Faurecia Deutschland GmbH nach Augsburg weitergeleitet habe, erklärt Bürgermeisterin Carmen Pepiuk. Über die Gespräche sei sie nicht informiert, eine Einigung habe es aber bislang nicht gegeben. (wüw)
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