Faurecia nach der Hiobsbotschaft
Hoffnungslos anständig

Wohin führt der Weg für die Beschäftigten: Der Betriebsrat setzt zumindest als Übergangslösung auf eine Transfergesellschaft. Bild: Götz
Wirtschaft
Trabitz
25.04.2016
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Der Schock über die Werksschließung ist nicht verdaut bei der Trabitzer Faurecia-Belegschaft. Der Betriebsrat macht am ersten Arbeitstag nach der Hiobsbotschaft aber klar - noch gibt es Grund zu kämpfen.

Am Montag zeigte die Faurecia-Belegeschaft, wo ihre Stärke liegt: Am Freitag hatte die Konzernleitung mitgeteilt, dass ihr Standort zum Jahresende schließt, und doch fehlte am "Arbeitstag danach" kaum ein Kollege: "So sind wir hier in Trabitz halt: zuverlässig, anständig", kommentiert Betriebsrat Karl Boemmel. Den Blick in die Gesichter seiner Kollegen hätte er sich aber gern erspart: Niedergeschlagen, deprimiert seien die Blicke gewesen.

Aus heutiger Sicht habe es Hinweise gegeben, sagt Boemmel. Vor einigen Wochen gab es etwa die Info, dass ein geplanter Auftrag nicht kommen wird. Im März habe ein Unternehmensvertreter aus Frankreich eine baldige "klare Ansage" zur Zukunft versprochen. "Der Mann hat Wort gehalten." Der deutschen Geschäftsführung wirft Boemmel dagegen weiter Hinhaltetaktik vor, die Verantwortlichen hätten den Standort langsam ausbluten lassen.

Faurecia Deutschland will den Vorwurf am Montag nicht auf sich sitzen lassen. "Mit den Mitarbeitern waren wir intensiv bemüht, neue Produktionsaufträge und Produktionsvolumen anderer Standorte zu noch vertretbaren Kosten nach Trabitz zu bringen", erklärt ein Sprecher. "Trotz aller Bemühungen konnten keine Folgeaufträge gewonnen werden und es war nicht möglich, Produkte nach Trabitz zu verlagern." Dies zwang den Konzern "nach intensiver Prüfung zum Produktionsende", schreibt der Sprecher des Unternehmens, das sich mit dem Titel Top Employer of the Year 2016 (Arbeitgeber des Jahres 2016) schmückt.

Boemmel kann über diese Auszeichnung nicht mehr lachen. Er verweist darauf, dass der Betrieb direkt nach der Bekanntgabe den Werkschutz deutlich verstärkt habe. Von einem schlechten Gewissen will der Arbeitnehmervertreter nicht sprechen, aber der Geschäftsführung sei offensichtlich klar gewesen, dass die Belegschaft viel Grund zu Wut und Frustration habe.

Trotzdem wird sich Boemmel wohl schon im Mai mit den Vertretern der Geschäftsführung an einen Tisch setzen. Zwar bestehe ein gültiger Sozialplan, allerdings müsse dieser nachgebessert werden. "Die Situation ist nun völlig anders." Boemmel möchte vor allem erreichen, dass eine Transfergesellschaft entsteht, um den Beschäftigten mehr Zeit zu geben, sich auf die Jobsuche vorzubereiten. Rund 180 der 280 Beschäftigten seien über 50 Jahre alt. "Natürlich besteht da Qualifizierungsbedarf."

Der Arbeitgeber habe angedeutet, dass er von solchen Zusatzausgaben nichts hält. Die Zeit harter Verhandlungen ist also noch nicht vorbei. Der Betriebsrat hofft auf Unterstützung der Politik. Der Konzern wolle den Standort geräuschlos abwickeln. Die Politiker der Region können dies verhindern und beweisen, dass sich den Beschäftigten mehr zu bieten haben als nur nette Worte.

Reaktionen der PolitikerMdB Albert Rupprecht (CSU) und sein Landtagskollege Tobias Reiß sind seit Bekanntwerden der Schließungs-Absichten in Kontakt mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Thomas Würdinger und Karl Boemmel gewesen. Boemmel hat um Hilfe bei der Schaffung einer Transfergesellschaft gebeten.

"Das Ende des Faurecia-Werkes in Trabitz ist ein schwerer Schlag für unsere Region", sagt MdB Uli Grötsch (SPD). Es sei der Misswirtschaft der Konzernleitung geschuldet, dass das Werk schließen muss. Grötsch will sich eng mit Betriebsrat und IG Metall abstimmen. Parteikollegin MdL Annette Karl will das Gespräch mit Aigner suchen und "alles Mögliche tun, um eine Schließung abzuwenden".

Alle vier setzen sich für einen "Runden Tisch" ein. (esc)
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