Faurecia schließt Werk in Trabitz
Kahlschlag in Trabitz

Bild: Götz
Wirtschaft
Trabitz
23.04.2016
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Wir werden unseren Arbeitsplatz nicht ohne Kampf aufgeben. - Faurecia-Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel

Aus für den Automobilzulieferer Faurecia in Trabitz (Kreis Neustadt/WN): Das Unternehmen beendet zum Jahresende seine Produktion. In der Belegschaft schlug die Nachricht ein wie eine Bombe.

Heuer hätte das Werk des französischen Unternehmens in der Oberpfalz ein Jubiläum gefeiert: 75 Jahre gäbe es den Standort in Trabitz dann. Doch den Mitarbeitern ist die Lust am Feiern gründlich vergangen. Am Freitagmorgen bekamen sie die Nachricht, dass das Werk Ende 2016 "seine Produktionsaktivitäten" beendet, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Begründung: "Trotz interner Bemühungen war es nicht möglich, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ausreichend zu erhöhen."

Anstand gesucht


Was vor allem Betriebsratsvorsitzenden Karl Boemmel ärgert: "In den letzten Jahren wurde in den Standort nichts mehr investiert." Nur das Nötigste, wie Reparaturen, sei gemacht worden. Betriebsangehörige hätten in einem Drei-Schicht-System an sieben Tagen in der Woche gearbeitet - "auch Samstag und Sonntag", betont Boemmel. "Das Engagement der Belegschaft war top, die Belegschaft war immer bereit, was zu machen." 2004 sind nach Angaben Boemmels 109 Mitarbeiter entlassen worden, zehn Jahre später noch einmal 100. "Jetzt war geplant, 75 Leuten zu kündigen", sagt Boemmel.

Ein Aus für Faurecia in Trabitz befürchteten IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner und Boemmel Ende des vergangenen Jahres für Mitte 2017. Dass schon Ende 2016 die Lichter ausgehen, davon waren alle überrascht. 280 Mitarbeiter müssen sich nun nach etwas Neuem umsehen. Bereits 2014 hat der Betriebsrat einen Sozialplan mit vier Jahren Laufzeit erstellt - zum Glück, wie Boemmel jetzt weiß.

Die 21 Auszubildenden können teils ihre Lehre noch in Trabitz beenden, "den Rest versuchen wir geschlossen in der Nordoberpfalz unterzubringen", sagt Boemmel. Fechtner weiß: "Es herrscht Solidarität unter den IG-Metall-Betriebsräten", Hilfe sei da selbstverständlich.

Richard Wittmann, katholischer Betriebsseelsorger, erwartet von der Faurecia-Führungsebene "den Anstand, für die Mitarbeiter was zu tun". Auch Fechtner schlägt in diese Kerbe: "Es kam nicht einmal ein Wort des Dankes", sagt er im Hinblick auf die Hiobsbotschaft vom Freitagmorgen, die Helmut Freiermuth, Operations-Leiter Nord-Europa, überbrachte. "Wir haben Millionen verdient für den Konzern", bekräftigt Boemmel. Die Masse der Beschäftigten sei seit ihrer Ausbildung in der Trabitzer Niederlassung beschäftigt. "Das war unsere Schlagkraft, unser Know-how, unsere Fachkompetenz. Wir waren sehr schnell und flexibel", weiß der Betriebsratsvorsitzende. "Bei Faurecia gibt es keine Logik, sondern nur politische Entscheidungen."

Steigender Krankenstand?


Unter den Mitarbeitern habe nach der Nachricht über die Schließung des Werks Totenstille geherrscht, alle waren geschockt. Auch wenn viele von ihnen am Freitagmittag auf ein Bier zusammensaßen - Boemmel vermutet, dass am Montag weniger Beschäftigte zur Arbeit kommen, "der Krankenstand wird steigen", das hätten schon Schließungen anderer Standorte gezeigt. IG-Metall, Betriebsrat und auch die Kirche sagen den Mitarbeitern Unterstützung zu.

"Wir werden Faurecia wieder unter Druck setzen", sagt IG-Metall-Vertreter Fechtner. "Faurecia hat Geld." Und auch Boemmel verspricht seinen Kollegen: "Wir werden unseren Arbeitsplatz nicht ohne Kampf aufgeben. Ich werde versuchen, für die Kollegen zu kämpfen."

Wir werden unseren Arbeitsplatz nicht ohne Kampf aufgeben.Faurecia-Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel


Kommentar zur Schließung von Faurecia:

Respekt vor Mitarbeitern
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