Faurecia Trabitz [Aktualisierung]
Fahrplan ins Aus

Die Faurecianer müssen gehen. Seit Mittwoch wissen sie nun endgültig wann und zu welchen Bedingungen.
Wirtschaft
Trabitz
06.07.2016
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Zynisch? Am Mast weht neben der Faurecia-Flagge ein Banner mit der Aufschrift Happy Birthday. Das Werk feiert 2016 75 Geburtstag

Das Ende des Trabitzer Faurecia Standorts ist endgültig beschlossen und auch geregelt. Am Mittwoch erfuhren die Mitarbeiter, dass es schnell gehen könnte.

Interessenausgleich und Transfergesellschaft für die Faurecia-Belegschaft stehen. Am Mittwoch informierte der Betriebsrat die Kollegen über die Bedingungen der Werksschließung und des Arbeitsplatzverlustes. Die Geschäftsführung nutzte den Termin, um den Mitarbeitern das Angebot für den Eintritt in die Transfergesellschaft zu unterbreiten. Den noch rund 260 Mitarbeitern bleibt Zeit bis 27. Juli, darüber zu entscheiden. Wer die Transfergesellschaft ablehnt, erhält bis Ende des Monats die Kündigung. Ein Teil der Azubis hat bereits einen neuen Ausbildungsbetrieb. Wer im September das vierte Lehrjahr beginnt, bleibt formell bei Faurecia. Die weitere Ausbildung übernimmt das „Übzo“ der BHS Corrugated in Weiherhammer.

Die Transfergesellschaft organisiert das Augsburger Unternehmen BTG. „Die Firma wird Räume im 15-Kilometer-Umkreis suchen“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel. Man habe sich dagegen entschieden, die Gesellschaft im Faurecia-Werk unterzubringen. „Die Kollegen sollen abschließen“, das funktioniere nicht, wenn sie weiter dorthin müssen, die Kollegen noch bei der alten Arbeit sehen, argumentiert Boemmel.

Die Bilanz der Arbeitnehmerseite zum Verhandlungsergebnis fällt den Umständen entsprechend positiv aus. „Mehr war nicht drin“, bringt es Anwalt Thomas Müller von der Nürnberger Kanzlei Markse und Partner auf den Punkt. Er vertrat den Betriebsrat bei der Verhandlung. Udo Fechtner von der IG Metall betont, dass der öffentliche Druck auf die Unternehmensführung wichtig war. „Wir hätten sie nicht zur Zustimmung zwingen können.“

Ihm und Boemmel war es wichtig, jenen zu danken, die den Druck hoch gehalten haben. „Bürgermeister haben der Geschäftsführung in Augsburg geschrieben“, sagt Boemmel. Er wisse aber auch, dass andere dies nicht getan haben. Auch unter den lokalen Abgeordneten hätten sich manche mehr, andere weniger eingesetzt. Besonders hob Boemmel den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hervor. Der sei nach Trabitz gekommen, und habe später einen französischen Brief direkt an Vorstandsvorsitzenden Yann Delabrière in Paris geschrieben. „Ich weiß, dass das dort großen Eindruck gemacht hat.“

Transfergesellschaft Die Transfergesellschaft soll schon zum 1. August starten. 137 Mitarbeiter sollen dann bereits eintreten. Die verbleibenden Kollegen wechseln dann im Jahresverlauf. Die Laufzeit beträgt unabhängig vom Eintrittsdatum 12 Monate je Mitarbeiter. In dieser Zeit erhalten Mitarbeiter mit Kind auf der Lohnsteuerkarte 87 Prozent ihres letzten Lohnes, ohne Kind gibt es 80 Prozent. 60 und 67 Prozent davon übernimmt die Arbeitsagentur, den Rest legt Faurecia bei. Das französische Unternehmen überlässt der Transfergesellschaft zudem pro Mitarbeiter 2200 Euro für die Weiterbildung. Insgesamt soll die Abwicklung des Standorts rund 25 Millionen Euro kosten. (wüw)
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