Faurecia-Transfergesellschaft
Arbeitgeber ohne Arbeit

Projektleiter Tacettin Kececi (links) und Geschäftsführer Dr. Bernd Nickolay sondieren die Angebote an der Pinnwand in den Räumen der Transfergesellschaft. Die beiden verfolgen das Ziel, die Faurecia-Belegschaft möglichst schnell wieder zu vermitteln. Bild: wüw
Wirtschaft
Trabitz
19.10.2016
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"Möglichst viel rausholen": Seit Faurecia die Schließung in Trabitz bekanntgab, kämpft der Betriebsrat unter diesem Motto. Als Erfolg verbuchte das Gremium die Transfergesellschaft. Aber was leistet diese seit August im Gründerzentrum in Grafenwöhr?

Grafenwöhr/Trabitz. Der letzte Akt ums Trabitzer Faurecia-Werk spielt in Grafenwöhr. Im Gründerzentrum unterhält das Augsburger Unternehmen Projekt- und Transfergesellschaft (PTG) seit August eine Außenstelle. Aller Voraussicht nach wird das Büro Ende 2017 wieder geschlossen. Dann ist der Vorhang endgültig gefallen für 223 Faurecia-Mitarbeiter, die den Vertrag mit Transfergesellschaft und bisherigem Arbeitgeber, der Faurecia Deutschland GmbH, unterschrieben haben. Damit ist formell die Transfergesellschaft neuer Arbeitgeber. Weil die PTG keine Arbeit bieten kann, meldet sie Kurzarbeit an. So kommt die Arbeitsagentur ins Spiel. Sie zahlt ledigen Mitarbeitern 60, verheirateten 67 Prozent des bisherigen Nettoentgelts als Transfer-Kurzarbeitergeld. Je 20 Prozent legt der bisherige Arbeitgeber drauf. Das hat der Betriebsrat durchgesetzt.

Tatsächliches Ziel der Transfergesellschaft sei, den Mitarbeiter die Möglichkeit zu geben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren, erklärt PTG-Geschäftsführer Dr. Bernd Nickolay. Ein Jahr bleibt jedem Arbeitnehmer Zeit. Die PTG hilft, sich einen Überblick zu verschaffen, herauszufinden, welche Möglichkeiten der Arbeitsmarkt bietet. Außerdem vermitteln die PTG-Mitarbeiter Fortbildungen, um fehlende Qualifikationen nachzuholen. Für jeden Mitarbeiter hat der Betriebsrat einen Weiterbildungszuschuss von 2200 Euro vom Konzern erstritten. Der kann zum Beispiel für einen Sprachkurs verwendet werden. Bei Faurecia geht es aber vor allem ums Schweißen, um Pneumatik oder andere technischen Fertigkeiten und Scheine, erklärt Tacettin Kececi, er ist als Projektleiter für die Betreuung der Faurecia-Mitarbeiter zuständig.

Bisher sind das 118, monatlich kommen neue hinzu, je nach dem wie die Produktion und die Abwicklung im Trabitzer Werk läuft. Anfang 2017 sollen die letzten zur Transfergesellschaft wechseln. "Bei uns beginnen sie mit einem Bewerbungstraining", sagt Nickolay. Mehr als 20 Jahre sei der durchschnittliche Mitarbeiter bei Faurecia gewesen. "Es ist nur normal, dass man dann nicht auf dem neuesten Stand in Sachen Bewerbung ist."

Danach folge eine Phase der Orientierung. "Das geht nicht in einem 90-Minuten-Gespräch", erklärt Nickolay. Hilfreich könne eine Art Praktikum sein. Die PTG-Mitarbeiter arbeiten ähnlich den Beratern der Arbeitsagentur. "Sie halten engen Kontakt, stehen für Fragen und Rat zur Verfügung", erklärt Kececi. Besser als bei der Agentur: Auf einen Berater kommen lediglich 40 Ratsuchende, mindestens zweimal im Monat tauschen sich die Berater mit ihren Kunden aus. Dabei mache die TPG keinen Druck, könne auch keine Sanktionen aussprechen.

Erfolge weisen die Vermittler dennoch aus. "Unser Ziel ist, 50 Prozent plus X der Belegschaft in neue Beschäftigung zu vermitteln", erklärt Nickolay. In aller Regel schaffe die PTG dies auch. "Fraglich ist, wie groß das X ausfallen wird." Es sei kein Geheimnis, dass das Durchschnittsalter bei Faurecia in Trabitz recht hoch ist, "Zwei Drittel der Belegschaft ist über 50", ergänzt Kececi. Für die Belegschaft spreche das Ausbildungsniveau. Fast alle Mitarbeiter sind gut ausgebildet, die Kenntnisse können ihnen auch bei anderen Betrieben der Region nutzen. Zehn Faurecianer haben die Transfergesellschaft bereits zu einem neuen Arbeitgeber verlassen. Zwei bis drei sind dabei, sich für eine konkrete Stelle weiterzubilden. Dass die Faurecianer bei neuen Anstellungen finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, können Kececi und Nickolay nicht dementieren, bestätigen wollen die beiden es aber auch nicht. Überhaupt werden sie zurückhaltend, wenn es ums Finanzielle der Faurecia-Transfergesellschaft geht. "Abrechnen können wir erst zum Schluss", sagt Nickolay. Dass die Abwicklung einiges kostet, könne sich jeder selbst ausrechnen. Alleine die Arbeitsagentur dürfte einen mittleren einstelligen Millionenbetrag an Transfer-Kurzarbeitergeld überwiesen haben, wenn Ende 2017 der Faurecia-Vorhang gefallen ist.
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