Interview mit Faurecia-Betriebsrat
„Wir haben nichts falsch gemacht“

Unterm Arm trägt Karl Boemmel die Unterlagen, die sein persönliches Ende bei Faurecia besiegeln.
Wirtschaft
Trabitz
07.07.2016
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Der Fahrplan ins Aus steht für die Mitarbeiter des Trabitzer Faurecia-Werks. Betriebsrat Karl Boemmel hat dennoch keine Zeit für die eigene Zukunftsplanung.

Der Tag danach beginnt für Karl Boemmel mit einer Sitzung: Auch wenn seit Mittwoch die Abwicklung des Faurecia-Werks beschlossen ist, gibt es für den Betriebsrat viel zu tun, bis der letzte Faurecianer in die Transfergesellschaft übergetreten ist.

Herr Boemmel, am 22. April hat Faurecia die Belegschaft über die Schließung informiert. Wie haben Sie die zehn Wochen seither erlebt?

Karl Boemmel : Das war keine leichte Zeit, mit vielen schlaflosen Nächten.

Sie sind doppelt betroffen, mussten für die Belegschaft verhandeln und verlieren selbst Ihre Arbeit. Konnten Sie sich damit befassen?

Auch wenn der Zeitpunkt überraschend kam. Als Mitglied des Europabetriebsrat war mir klar, dass die Konzernführung nicht langfristig mit uns plant, deshalb hab' ich mir vorher Gedanken gemacht. Die letzten Wochen blieb dafür keine Zeit.

Werden Sie jetzt dazu kommen?

Es gibt viel zu tun. Wir müssen die Transfergesellschaft vorbereiten, überwachen, dass Faurecia die Vereinbarungen einhält. Dazu kommen die Kollegen, die Beratung brauchen. Dafür will ich bis zum Ende da sein.

Wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft?

Ich werde einen langen Atem brauchen, bin 54 Jahre alt, war 15 Jahre Betriebsratsvorsitzender. Welcher Arbeitgeber nimmt so einen schon?

Dabei haben Sie auf Augenhöhe mit der Faurecia-Führung verhandelt, und Millionenzahlungen erreicht. Sie haben Managertalent bewiesen?

Das stimmt schon. Es ging um große Summen. Es ist aber leider so, dass viele einen Betriebsrat immer noch als Feind und nicht als Partner sehen. Ich möchte die Zeit in der Transfergesellschaft nutzen, mich neu zu orientieren. Die Organisatoren der Gesellschaft haben Erfahrung. Ich bin nicht der erste Betriebsrat, dem so etwas passiert.

Wie viel kostet Faurecia die Abwicklung?

Ich schätze, da kommen insgesamt 50 bis 70 Millionen Euro zusammen. Wenn man alleine die Abfindungen nimmt. Wir haben gut verhandelt und viele langjährige Mitarbeiter.

Haben Sie sich mit der Entscheidung der Faurecia-Führung inzwischen abgefunden?

Nein. Ich habe Verständnis für wirtschaftlichen Druck. Aber wir haben nichts falsch gemacht, bis zum Schluss schrieb das Werk schwarze Zahlen. Vor allem stört mich, dass es kein Wort des Danks für die Kollegen gab. Wir haben immer gehört, in Trabitz sind die Besten, die Loyalsten. Aber ein Dankeschön dafür gab es nicht. Der Standort feiert in diesem Jahr 75. Jubiläum. Nicht einmal für eine Mitarbeiter-Feier zum Schluss hatte Faurecia ein paar Euro übrig. Das wird auch der Betriebsrat organisieren.
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