Personalabbau: IG-Metall kämpft gegen Faurecia in Trabitz um die Zukunft der Mitarbeiter
Faurecia ein Trauerspiel

Wirtschaft
Trabitz
17.01.2015
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(wüw) Ende Oktober verschickte Faurecia in Trabitz 66 Kündigungen. In Sachen Arbeitsplatzabbau schien das Ende mit Schrecken erreicht. Drei Monate später schaut es nach Schrecken ohne Ende aus. IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner gibt sich nach einem Jahr Verhandlungen mit der Faurecia-Führung keine Mühe mehr, sich diplomatisch auszudrücken: "Eiskalt", nennt er die Führungsetage des französischen Unternehmens. "Eiskalt und planlos."

Vonseiten des Unternehmens gab es diese Woche keine Stellungnahme zu den Vorgängen in der Firma. Aber Betriebsrat Karl Boemmel kann erklären, was Fechtner wütend macht: 100 Stellen habe der Konzern abgebaut, 34 gut qualifizierte Beschäftigte haben den Betrieb dabei freiwillig verlassen. Von den 66 verbliebenen Betroffenen haben nun 42 gegen ihre Entlassung geklagt.

Nach 28 Jahren

Das Unternehmen musste für die Sozialauswahl Gruppen von Mitarbeitern bilden, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben können. Innerhalb dieser Gruppen entscheiden dann soziale Gesichtspunkte, wer den Betrieb verlassen musste. Der Betriebsrat kann aber den Zuschnitt der Gruppen nicht nachvollziehen. Kollegen mit bis zu 28 Jahren Betriebszugehörigkeit sollten gehen, weil sie bestimmte Aufgaben aus Sicht des Arbeitgebers nicht erfüllen können. "Die Tätigkeiten, um die es geht, kann eine Fachkraft leicht lernen", versichert Boemmel. Kurz vor Weihnachten gab es beim Arbeitsgericht Gütetermine, der Richter machte Vorschläge zur Einigung. Ende nächster Woche entscheidet sich, ob es zu Einigungen oder zu Prozessen kommt.

Wütend über Umgang mit Leiharbeitern

Noch wütender sind die Arbeitnehmervertreter über einen Punkt, gegen den sie ebenfalls vor Gericht zogen: Im Oktober gingen die Kündigungsschreiben an die Betroffenen, am 5. November musste Faurecia 15 Leiharbeiter anheuern, um die Aufträge zu schaffen. "Gekündigte Stammkräfte sollten in ihrer verbleibenden Zeit Leiharbeiter anlernen." Der Betriebsrat klagte, zum Prozess kam es nicht: "Die Frist bis zur Verhandlung war so lange, dass die Leiharbeiter den Betrieb schon wieder verlassen hatten", ärgert sich Boemmel. "Der Betriebsrat hat keine Chance, dagegen vorzugehen." Noch größer ist der Frust über den Arbeitgeber. Die Faurecia-Führung habe keine Ahnung von den Folgen ihres Verhaltens. "Niemand hat bedacht, welches Wissen und welche Fertigkeiten durch die Kündigungen verloren gehen, nicht nur in Trabitz, im gesamten Konzern."

Völlig fertig

Vor allem habe die Unternehmensleitung die Wirkungen auf die Beschäftigten unterschätzt. "Die haben gedacht, die verbleibenden Mitarbeiter arbeiten aus Dankbarkeit noch mehr." Tatsächlich seien viele völlig fertig. Wem sich die Chance bot, habe das Werk verlassen. Inzwischen sind mehr Mitarbeiter gegangen als das Unternehmen los werden wollte. Die Führung habe 20 gekündigten Mitarbeitern die Rückkehr angeboten. Elf haben das Angebot angenommen, aber neun hätten gesagt: "Auch wenn ich noch keine neue Stelle habe, dorthin gehe ich auf keinen Fall mehr zurück." Das sage alles über die Situation bei Faurecia im Januar 2015, findet Boemmel.
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