Verhandlung auf der Kahrmühle
Schwere Partie für Faurecia-Bosse

Skeptische Blicke in Richtung Geschäftsführung. Bilder: wüw (3)
Wirtschaft
Trabitz
18.05.2016
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Auge in Auge: Faurecia-Geschäftsführer Helmut Freiermuth (links) und Noch-Faurecia-Mitarbeiter Karl-Heinz Walberer werden sicher keine Freunde mehr. Aggressiv oder bedrohlich war die Stimmung vor der Kahrmühle aber zu keiner Zeit.
 
Etwa 150 Faurecianer aus Trabitz waren zur Kahrmühle gekommen. "Außer ein paar Azubis war keiner mehr im Werk", hieß es unter den Mitarbeitern.

Eine falsche Einladung und die Folgen: IG Metaller Udo Fechtner war am Mittwoch für 11.30 Uhr an die Kahrmühle bestellt, zu der Zeit wollte dort die Faurecia-Geschäftsführung aber in Ruhe mit der lokalen Politik sprechen. Neben Fechtner empfingen nun 150 Faurecia-Mitarbeiter die Manager aus Augsburg.

/Pressath. Auf diese Gelegenheit mussten die Faurecianer lange warten. Am 22. April hatte sie Top-Manager Helmut Freiermuth in knappen Worten über die Schließung ihres Werks zum Jahresende informiert. Seither gab es aus der Augsburger Zentrale keine offiziellen Nachrichten mehr. Das war am Mittwoch zwar nicht anders, dafür bot sich die Chance, Frust abzubauen. Bevor Freiermuth, Personalchef Frank Oppenländer und Firmen-Jurist Thomas Mentzel zum Gespräch ins Gasthaus verschwinden konnten, mussten sie sich eine Menge Pfiffe, Fragen und Vorwürfe anhören.

"Wohin floss das Geld, auf das die Belegschaft zugunsten des Standorts verzichtete? Wieso mussten die Trabitzer Spezialisten helfen, defizitäre und qualitativ schwächere Standorte auf Vordermann zu bringen? Und wer soll die Produkte in Deutschland kaufen, wenn die Löhne fehlen, weil die Produktion ins Ausland verlagert wird?" Freiermuth verwies auf ökonomische Zwänge. "Unsere Kunden schauen nur auf die Kosten." Die Konsequenzen für den Standort Trabitz tun auch ihm leid. "Wir machen das nicht gerne, im Gegenteil, wir machen es sehr ungern." Ein "Danke" für die Leistung der Trabitzer gab es trotz Aufforderung wieder nicht, wie zweiter IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner bemerkte.

Gewerkschafter angezeigt


Fechtner hatte seinen Anteil am frostigen Empfang für die Faurecia-Führung. Das Treffen hatte Albert Rupprecht initiiert und dazu auch die Arbeitnehmer-Vertreter geladen, Betriebsratsvorsitzenden Karl Boemmel aber erst für 13 Uhr. Fechtner hatte - wohl aus Versehen - bereits für 11.30 Uhr eine Einladung erhalten. So hatten auch die Beschäftigten von dem Gespräch erfahren und konnten den "Empfang" vorbereiten. Fechtner war wichtig, dass er niemand zum Kommen aufgefordert oder eingeladen hatte. Denn dies hatte er getan, als es galt, Faurecia-Geschäftsführer Martin Stüttem an der Arbeitsagentur in Weiden zu empfangen. Weil er diese "Demo" nicht 48 Stunden vorab angemeldet hat, muss er sich nun verantworten. Wer ihn angezeigt hat, wisse er nicht.

Um Neutralität bemüht standen die Politiker bei der etwa zehnminütigen Diskussion zwischen Belegschaft und Geschäftsführung. Neben Vertretern des bayerischen Sozial- und des Wirtschaftsministeriums war Weidens Arbeitsagentur-Chef Thomas Würdinger und als Vertreter von Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch dessen Büroleiter Dominik Brütting dabei. Landrat Andreas Meier zeigte Verständnis für die Emotionen. Er nahm von Betriebsrat Boemmel zudem die Daten der Belegschaft mit. Mit der Liste soll die Wirtschaftsförderung im Landratsamt die Betriebe der Region nach Bedarf abfragen. "Wir können nicht allen helfen, aber jeder einzelne zählt", so Meier.

Grenzen der Politik


Auch Albert Rupprecht verstand die Beschäftigten, beendete dennoch die Diskussion. Ihm gehe es darum, in vernünftiger Atmosphäre die bestmögliche Lösung für die Arbeitnehmer herauszuholen, erklärte er. Zur Faurecia-Führung habe er in den vergangenen Jahren immer Kontakt gehalten. Die Gespräche seien angenehm verlaufen. Allerdings zeigten sie dem Parlamentarier auch die Grenzen der Politik auf: Er habe Faurecia alle möglichen Fördermittel vorbereitet. "Da lagen Millionensummen auf dem Tisch", sagte Rupprecht. "Aber das Geld wurde einfach nicht genommen."

MindestforderungenNoch verhandeln Betriebsrat, Gewerkschaft und IG-Metall nicht offiziell. Das Treffen am Mittwoch lief ebenso als informelle Gespräche wie ein Termin vergangene Woche. Was die Arbeitnehmerseite aber unbedingt erreichen will, haben Betriebsrat Karl Boemmel und Gewerkschafter Udo Fechtner vor dem Termin am Mittwoch öffentlich gemacht.

Dass es eine Transfergesellschaft geben wird, scheint ausgemacht. In der Verhandlung gehe es um die finanzielle Ausstattung und die Laufzeit. Hier erwarten Boemmel und Fechtner "unbedingt 12 Monate". Für ledige Mitarbeiter soll es zudem 80 Prozent des bisherigen Lohns geben, für verheiratete 87 Prozent. 60 bzw. 67 Prozent davon trägt die Arbeitsagentur, den Rest soll Faurecia beisteuern. Besondern Wert legen die Arbeitnehmervertreter zudem auf die Weiterbildung in der Gesellschaft. Die soll den Arbeitnehmern den Weg zur neuen Stelle ebenen. Deshalb müsse Faurecia pro Beschäftigten 2500 Euro bereitstellen. Wichtig dabei: Das Geld soll auch in dem Topf bleiben, wenn ein Arbeitnehmer die Gesellschaft vorzeitig zu einem neuen Betrieb verlässt, so dass die mit mehr Bildungsbedarf, auch mehr Bildungsangebote nutzen können.

Noch verhandeln Betriebsrat, IG Metall und Faurecia Geschäftsführung nicht offiziell. Das Treffen am Mittwoch lief ebenso als informelles Gespräch wie ein Termin vergangene Woche. Was die Arbeitnehmerseite aber unbedingt erreichen will, haben Betriebsrat Karl Boemmel und Gewerkschafter Udo Fechtner am Mittwoch öffentlich gemacht:
Dass es eine Transfergesellschaft geben wird, scheint ausgemacht. In der Verhandlung geht es um finanzielle Ausstattung und Laufzeit. Hier erwarten Boemmel und Fechtner „unbedingt 12 Monate“. Für ledige Mitarbeiter soll es 80 Prozent des bisherigen Lohns geben, für verheiratete 87 Prozent. 60 bzw. 67 Prozent davon trägt die Arbeitsagentur, den Rest soll Faurecia beisteuern. Besonderen Wert legen die Arbeitnehmervertreter zudem auf die Weiterbildung. Die soll den Arbeitnehmern den Weg zur neuen Stelle ebenen, deshalb müsse Faurecia pro Beschäftigten 2500 Euro bereitstellen. Wichtig dabei: Das Geld soll auch im Topf bleiben, wenn ein Arbeitnehmer die Gesellschaft vorzeitig zu einem neuen Betrieb verlässt. Für Betroffene mit mehr Bildungsbedarf soll es auch mehr Angebote geben.
Dass genug Geld vorhanden ist, habe er bei einem Besuch in der Zentrale in Frankreich festgestellt, berichtet Boemmel. Das gesamte Unternehmen stehe sehr gut da und wolle in den kommenden Jahren Millionen investieren – auch in die Abgassparte.
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