Voderholzer in Trabitz
Bischof steht hinter Faurecianern

An einem Tisch mit dem Bischof: Bevor Rudolf Voderholzer (hinten, Zweiter von links) sich mit allen Seiten unterhielt, hatte er alleine mit den Arbeitnehmern gesprochen und sich durch den Betrieb führen lassen. Bild: hfz
Wirtschaft
Trabitz
02.06.2016
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Bischof Rudolf Voderholzer macht sich für die Trabitzer Faurecia-Belegschaft stark. Bei Gesprächen mit Firmenvertretern und Betriebsrat nannte er die Werksschließung eine "menschliche Katastrophe". Beim Betriebsratsvorsitzenden hinterließ der bischöfliche Auftritt bleibenden Eindruck.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat am Mittwoch die Faurecia Abgastechnik GmbH besucht, das berichtet die Pressestelle des Bistums. Am Jahresende wird das Werk schließen, 260 Mitarbeiter des französischen Konzerns verlieren dann ihre Stelle. Bischof Voderholzer habe versprochen, sich für die Mitarbeiter bei der Unternehmensleitung einzusetzen und drückte seine Solidarität aus.

Der Regensburger Würdenträger sprach von einer menschlichen Katastrophe: "Es werden Familien zerstört." Er dankte dem Betriebsrat für das Vertrauen. Die Diözese hat bereits Erfahrung mit dem Konzern: In den vergangenen sieben Jahren schloss der Automobilzulieferer mehrere Werke im Gebiet des Bistums Regensburg. Dazu zählen Geiselhöring und Bad Abbach, über 1000 Menschen verloren dabei ihre Arbeit.

Der Bischof versprach, sich an die Unternehmensführung in Frankreich zu wenden. "Hier ist eine der treuesten Gegenden, die wir in unserem Bistum haben", stellte Dr. Voderholzer fest: "Die Leute sind fleißig und zielstrebig, und wenn sie etwas ins Herz geschlossen haben, bleibt es dort." Trotz der bevorstehenden Schließung war der Krankenstand der Belegschaft tatsächlich nicht nennenswert gestiegen. Auch Personalchef Frank Oppenländer bestätigte die Einschätzung des Bischofs: "Die Mitarbeiter sind extrem loyal, die Schließung ist schmerzhaft."

Auch am Tag nach dem Besuch ist Betriebsrat Karl Boemmel noch beeindruckt vom Auftreten des Bischofs. Voderholzer sei sehr gut über die Situation in Trabitz informiert gewesen, er habe gezeigt, dass er sich wirklich mit der Situation beschäftigt hat, für ihn sei der Besuch mehr als nur ein PR-Termin gewesen.

Boemmel gefiel auch, dass er die Geschäftsführung in die Pflicht nahm und sie an ihre Verantwortung für die Menschen erinnert habe. "Durch sein besonnenes Auftreten und seine Wortwahl hat er auch auf die Mitglieder der Augsburger Geschäftsführung Eindruck gemacht.

Faurecia bewegt sichBeim Besuch von Bischof Rudolf Voderholzer waren auch die laufenden Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat ein Thema. Nach wie vor geht es dabei um eine Transfergesellschaft. Bischof Rudolf sprach Personalchef Frank Oppenländer auf dieses Thema an, und der erklärte: "Da sind wir auf einem guten Weg."

Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel bestätigt nun, dass sich die Geschäftsführung tatsächlich bewegt habe. Bei Verhandlungen am Dienstag haben Faurecia-Vertreter demnach erstmals Gesprächsbereitschaft signalisiert und angedeutet, sich an der Transfergesellschaft zu beteiligen.

Noch seien aber Gespräche nötig. Boemmel erklärte, dass Mitte Juni die offiziellen Verhandlungen beginnen. Dann wird auch ein Jurist für die Arbeitnehmer beteiligt sein, um den Text für den Interessenausgleich zu formulieren. (wüw)
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