Bürgerversammlung ergibt: Das Dorf sucht eine Einkaufsgelegenheit
Laden mit sozialer Komponente

Dorfladen-Berater Wolfgang Gröll zeichnete die Grundlagen eines Dorfladens auf und strich besonders die Vorteile heraus. Im "Seehotel" fand er aufmerksame Zuhörer. Bild: bnr
Lokales
Trausnitz
30.03.2015
0
0
"Wer weiter denkt, kauft näher ein": Dieser Slogan spiegelt den Wunsch der Bürger nach einem Dorfladen wider. Die Bürgerversammlung im "Seehotel" hatte zum Ziel, Aufklärung zu betreiben und Meinungen einzuholen. Am Ende kennzeichnete vorsichtiger Optimismus die Stimmungslage.

Das "Seehotel" war bis auf den letzten Platz besetzt, als Dorfladen-Berater Wolfgang Gröll sein Grundsatzreferat zur Gründung eines Dorfladens in Trausnitz hielt. Allein schon die Struktur der Zuhörer zeigte die unterschiedliche Gewichtung dieses Themas. Während der Kernort Trausnitz sehr stark vertreten war, fand die Bürgerversammlung bei den Bürgern der umliegenden Ortsteile nur wenig Interesse. Mit Wolfgang Gröll konnte Bürgermeister Martin Schwandner einen Fachmann in Sachen Dorfladen gewinnen, der in 20 Jahren bereits über einhundert Dorfläden mit aus der Taufe gehoben hat.

"Nicht alle waren ein Erfolgsmodell", räumte der Referent ein. "Wer sich von mir ein fertiges Konzept erwartet, den muss ich enttäuschen. Ein Dorfladen muss sich entwickeln und eine eigene Identität erfinden", zeichnete Wolfgang Gröll die Richtung vor. Ein Dorfladen wird sicherlich kein Mini-Supermarkt, indem man schnell ein "Hab-ich-vergessen- Produkt" erwerben kann, sondern ein Dorfladen muss eine eigene Lebensqualität widerspiegeln. Selbst in größeren Orten, mit den verschiedensten Einkaufsmöglichkeiten, werden Dorfläden mit Erfolg betreiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bevölkerung zwar weiter in den Großmärkten einkauft, aber bis zu zwanzig Prozent der Kaufkraft im Ort bleiben. "Frische und Regionalität sind Aushängeschilder eines Dorfladens"; wusste der Referent zu berichten. Dazu können noch verschiedene Dienstleistungen angeboten werden.

Noch wenig konkret

Von größter Bedeutung ist die soziale Komponente eines Dorfladens. "Wir verkaufen auch Menschlichkeit" hat ein Dorfladen über seine Eingangstüre geschrieben. Dieser Gedanke spielt auch in den Überlegungen von Bürgermeister Martin Schwandner eine große Rolle. Neben der besseren Nahversorgung soll der Dorfladen ein gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes werden und mithelfen, das Leben zu entschleunigen. Die Größe eines Dorfladens bewegt sich zwischen einhundert und vierhundert Quadratmeter. Auch muss bedacht werden, ob der Umbau eines bestehenden Gebäudes in Betracht kommt oder ein Neubau ins Auge gefasst werden muss. Alle diese Überlegungen sind im ersten Schritt Aufgaben eines Arbeitskreises, der sich mit dem Dorfladen befassen muss. Im zweiten Schritt folgt dann der Vorgründungsprozess, in dem eine Machbarkeitsstudie erstellt wird, die Rechtsform festgelegt und die Finanzierung gesichert wird. Im dritten Schritt folgt dann die Sicherung der Räumlichkeit und die Erstellung eines Feinkonzeptes. Erst dann werden erste Investitionen ausgelöst.

Wer nun glaubte, eine rege Diskussion würde folgen, sah sich enttäuscht. Fehlende Zahlen und Fakten speziell zum Trausnitzer Projekt nährten aber auch die Zweifel an eine erfolgreiche Zukunft. Eine spontane Abstimmung brachte aber doch eine deutliche Mehrheit für einen Dorfladen. Auch haben bereits dreizehn Anwesende ihre Bereitschaft erklärt, sich in den zu gründenden Arbeitskreis einzubringen. Für eine erfolgversprechende Weiterführung des Projekts sind aber noch weitere Unterstützer notwendig. Alle Interessenten, die im Arbeitskreis "Dorfladen" mitarbeiten möchten, sollen sich in den nächsten Tagen beim Bürgermeister oder im Rathaus melden. Die Mitarbeit ist freiwillig.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.