Von den Vorschriften überholt

Mehrheitlich lehnen die Einwohner von Köttlitz einen Gehweg im Ortsbereich ab. Der Nutzen stehe in keinem Verhältnis zu den anstehenden Kosten, meint man. Bild: bnr
Lokales
Trausnitz
23.11.2015
5
0

Vorausschauendes Planen und Handeln muss nicht in jedem Fall zielführend sein. In besonderen Fällen kann es sogar zum Nachteil, verbunden mit hohen Kosten, werden. Diese bittere Erfahrung musste der Gemeinderat in Verbindung mit der Kreisstraße SAD 30 von Söllitz nach Köttlitz machen.

Als vor vier Jahren die Ortschaft Söllitz an die Kanalisation von Trausnitz angeschlossen worden ist, wurde die benötigte Druckleitung parallel zur Kreisstraße SAD 30 verlegt. Da der Graben schon offen war, legte man zur Druckleitung auch noch ein Leerrohr in den Graben. Bei späterem Bedarf bräuchte nicht wieder aufgegraben, und eventuelle Baumaßnahmen könnten ohne großen Aufwand erledigt werden. Bei der derzeitige Breitbandversorgung sollte sich dies als großer Vorteil erweisen. Die Überlegungen der damaligen Gemeindeväter sind durchaus nachvollziehbar. Doch haben sie die Rechnung ohne die "enorme Innovationskraft" deutscher Behörden gemacht.

Jetzt also doch

Zwischenzeitlich muss die Kreisstraße SAD 30 neu ausgebaut werden, da sie sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. Bei der Planung stellte das Straßenbauamt fest, dass die Kurvenradien an zwei Stellen nicht mehr den neuesten DIN- Vorgaben - gültig seit 2014 - für den Straßenbau entsprechen. Die Straße muss neu trassiert werden und damit rücken die Druckleitung und das Leerrohr wieder in den Fokus. Nach der neuen Planung liegen die Leitungen auf einer Länge von 700 Metern jetzt in der Mitte der Straße. Im Störfall muss die Straße aufgegraben werden - und genau dies wollten die Gemeindeväter vor vier Jahren vermeiden.

Was bleibt nun anders übrig, als die Leitungen wieder neu zu verlegen. Die Konsequenzen daraus sind eine Verschiebung des Breitbandanschlusses in Söllitz um drei bis vier Monate und Mehrkosten von 70 000 Euro. Die neue Trasse erfordert zudem einen Grunderwerb von verschiedenen Straßenanliegern. Bürgermeister Martin Schwandner appelliert in diesem Zusammenhang an die Einsicht der Grundeigentümer, Abgabebereitschaft zu zeigen. "Wenn wir jetzt nicht auf den Zug aufspringen, wird sich die Maßnahme um Jahre verzögern", befürchtet das Gemeindeoberhaupt. Noch ist die Straßenbaumaßnahme durch den Kreistag nicht genehmigt. Ein zweiter, wichtiger Schritt der Straßenbaumaßnahme ist die Durchfahrt durch Köttlitz.

Mit Dorferneuerung

2017 ist eine Dorferneuerung in Köttlitz geplant. In deren Zuge sollten der Ausbau der SAD 30 und die Dorferneuerung zeitgleich erfolgen. "Dies brächte für alle Parteien Vorteile", so die einhellige Meinung des Gemeinderates. Bereits im Vorfeld hat Gemeinderat Hans Müller mit den Einwohnern von Köttlitz gesprochen, wie sie sich die Dorferneuerung vorstellen. Ein Punkt unter vielen war dabei ein Gehweg in Köttlitz. Bei der Bevölkerung findet ein Gehweg keinen Zuspruch. Der Nutzen steht zu den Kosten in einem sehr schlechten Verhältnis. Die Topografie von Köttlitz erlaubt einen Gehweg nur in wenigen Abschnitten und hier nur einseitig. Dieser Meinung schloss sich auch der Gemeinderat an. Ein Gehweg wird bei der weiteren Planung nicht ins Auge gefasst.

In seinen Informationen hob Bürgermeister Martin Schwandner eine Initiative der "Ludwigsritter" besonders ins Rampenlicht, verbunden mit dem Dank der Gemeinde. Freiwillig und unentgeltlich haben die jungen Männer während eines Arbeitseinsatzes erste Sichtachsen am Rittersteig freigeschnitten, die nun einen herrlichen Blick ins Pfreimdtal gewähren. Der Rittersteig ist Teil des geplanten Natur- und Geschichtspfades, der 2016 verwirklicht werden soll.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.