Zu viel Solarstrom am Mittag: Kraftwerke rentieren sich nicht mehr - Kommunen in Not
Sonne bremst Pumpspeicher aus

Im Kraftwerk Reisach gibt es drei Pumpspeichersätze mit einer Ausbauleistung von 99 Megawatt.
Lokales
Trausnitz
10.08.2012
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Energiewende paradox: Während Experten fieberhaft nach geeigneten Speichermöglichkeiten für überschüssigen Strom aus Solar- und Windkraftwerke suchen, sorgen ausgerechnet diese erneuerbaren Energien dafür, dass sich bewährte Pumpspeicherwerke wie in Trausnitz (Kreis Schwandorf) nicht mehr rechnen.

Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, speisen die Photovoltaikanlagen mittlerweile so viel Strom ins Netz ein, dass zu diesen Zeiten die Preise an der Strombörse massiv unter Druck geraten. Dem Pumpspeicherwerk Trausnitz - und mit ihm allen ähnlichen Anlagen in Deutschland - bricht der lukrative Mittagsmarkt weg. Die Kraftwerke sind damit kaum noch rentabel zu betreiben. "Man kann sagen, dass ausgerechnet die Energiewende einerseits Energiespeicher benötigt, andererseits aber deren Wirtschaftlichkeit unterminiert", erklärt die Sprecherin des Kraftwerk-Betreibers GDF Suez, Alexa Schröder.

Ein Widerspruch, der umso mehr verwundert, als der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) Ende Mai im österreichischen Kaprun eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet hat, um Pumpspeicher in den Tiroler Alpen zu nutzen. "Zusätzliche Pumpspeicherkapazitäten sind zentraler Bestandteil unseres Aufbruchs in ein neues Energiezeitalter", hieß es damals. Und hierzulande? GDF Suez mahnt dringenden Handlungsbedarf an. Es müssten "Modelle für den wirtschaftlichen Einsatz von Pumpspeicherwerken auch in Zukunft" gefunden werden, meint Sprecherin Schröder diplomatisch. "Wir stehen hierzu in einem konstruktiven Dialog", fügt sie an.
Leidtragende sind nicht nur die Betreiber von Pumpspeicherwerken, sondern auch die Standortkommunen. Aufgrund des Nullsummengeschäfts des Kraftwerks muss sich Trausnitz auf einen Totalausfall bei der Gewerbesteuer einstellen. Bis zu 400 000 Euro gehen der Gemeinde jährlich verloren. Bürgermeister Hubert Pröls (CSU) findet dazu drastische Worte. "Wir sind so gut wie pleite", erklärt er. "Wir brauchen keine Gemeinderatssitzung mehr halten, weil wir sowieso nichts mehr anpacken können." Die für Trausnitz geplante Dorferneuerung liegt bereits auf Eis.

Schneller Ausgleich

Der Fall Trausnitz zeige, dass für die Energiewende ein Gesamtkonzept fehlt. "Die müssen hier dringend nachjustieren", fordert Pröls und verlangt ganz schnell nach einem Ausgleich für die vom Gewerbesteuer-Ausfall betroffenen Gemeinden. Neben Trausnitz muss auch die Nachbargemeinde Tännesberg (Kreis Neustadt/WN) Abstriche im Haushalt hinnehmen. "Die große Politik darf uns damit nicht im Stich lassen."
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