In Ausbildung mehr investieren
Gewerkschaft sieht noch Handlungsbedarf

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Trausnitz
31.12.2015
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Dass Auftragsvergaben davon abhängig gemacht werden können, ob Mindestlohn gezahlt wird, gefällt der Industriegewerkschaft Bau Agrar Umwelt (IG Bau). Bei der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Trausnitz machte sie aber auch klar, dass noch dicke Bretter zu bohren sind - auch im Ausbildungsbereich.

Im Seehotel traf sich der Gewerkschafts-Ortsverband zur Jahreshauptversammlung. Nach der Begrüßung durch Vorsitzenden Helmut Zitzler betonte Gewerkschafts-Sekretär Karl Toth, dass die IG Bau das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Vergabe öffentlicher Aufträge begrüße. Danach kann die Vergabe davon abhängig gemacht werden, dass ein Mindestlohn gezahlt wird. Damit sei der Weg frei für ein Tariftreuegesetz auf Bundesebene. Bestrebungen in den Ländern, dort schon bestehende Tariftreuegesetze wieder abzuschaffen, würden durch diese Entscheidung konterkariert, betonte Toth. Die Politik müsse die öffentliche Vergabe sauber regeln, betonte der Redner. Es sei unverständlich, warum die Bundesregierung bisher bei ihren Entwürfen zum Vergaberecht weit hinter den Vorgaben aus Brüssel zurückbleibe.

Höhere Investitionen


Die Industriegewerkschaft fordere außerdem stärkere Investitionen der Arbeitgeber in die Ausbildung. Der DGB-Ausbildungsreport zeige, dass nur noch jeder fünfte Betrieb ausbildet. "Die Arbeitgeber sprechen von Fachkräftemangel, aber mit dieser Ausbildungspolitik schaufeln sie sich ihr eigenes Grab", sagte Toth. Die Betriebe müssten in fachlich gut ausgebildete Arbeitnehmer - und damit in ihre eigene Zukunft - investieren. Seit 40 Jahren gebe es auf dem Bau die Ausbildungsumlage. Der Erfolg: Die Ausbildungsquote liege um ein Viertel höher als im Durchschnitt aller Branchen. "Diese Form der Umlage kann auch anderen Branchen als Blaupause dienen", unterstrich Toth.

Gleichzeitig setze sich die Gewerkschaft für eine fundierte und qualitativ hochwertige Ausbildung in drei Lehrjahren ein. Ausbildung brauche Zeit. Mit einer Schmalspurvariante sei weder dem Nachwuchs noch den Betrieben geholfen. Die Auszubildenden müssten an modernen Werkzeugen, Computern und Anlagen lernen können und bräuchten fachlich wie pädagogisch qualifiziertes Ausbildungspersonal sowie die Übernahme der Ausbildungskosten durch den Betrieb. Mit einer Umlage wäre dies auch leicht zu finanzieren.

Tarifvertrag wirkt


Im Bereich der Ausbildung im Baugewerbe wirke seit 2014 auch der Tarifvertrag zur Übernahme nach der Ausbildung. Danach müssen alle gewerkschaftlich organisierten Azubis, die bei einem tarifgebundenen Baubetrieb beschäftigt sind, mindestens vier Monate vor Ablauf des Ausbildungsvertrages mitgeteilt bekommen ob sie übernommen werden. Erhalte der Azubi keine Mitteilung, müsse der Betrieb ihn für mindestens sechs Monate weiterbeschäftigen, ohne kündigen zu können.
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