Richard Reger führt die Rauhnachtwanderer

Ein Grenzsteinfrevler muss seit 130 Jahren den richtigen Platz für seinen Stein suchen. Doch alle Mühe ist vergebens.
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Trausnitz
29.12.2015
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Wer kennt sie noch, die Furcht einflößenden Gestalten und Geschichten der Rauhnächte? Der Dammer mit dem Hammer, die Luzie mit der Sichel oder die Wilde Jagd? An der Wintersonnenwende waren die finsteren Gesellen am Zeiselberg allgegenwärtig.

Vom Thomastag bis zur "Erscheinung des Herrn" sind zwölf "heilige Nächte" mit besonderem Brauchtum verbunden. Ausgerüstet mit Laternen und Fackeln entführte Richard Reger die Rauhnachtwanderer in das Reich der Geister und Dämonen. Der heimatverbundene Zimmerermeister aus Böhmischbruck befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Brauchtum rund um die zwölf Rauhnächte. Viele seine Geschichten und Erzählungen haben ihren Ursprung im Grenzgebiet zu Böhmen.

Dabei sind die Rauhnächte keine Oberpfälzer Besonderheit. In vielen Kulturkreisen rund um den Erdball werden die Rauhnächte mit besonderen Ritualen verbunden. "Von den Inseln der Südsee, über die Indianer Amerikas und bis ins tiefste Sibirien sind die Rauhnächte bekannt, nur haben sie dort andere Namen", wusste Richard Reger zu berichten.

Die angeregte Unterhaltung während der Wanderung wurde durch lautes Stöhnen und Fluchen jäh unterbrochen. Ein Grenzsteinfrevler ist seit 130 Jahren dazu verdammt, den unrechtmäßig versetzten Stein wieder an seinen richtigen Platz zu bringen. Das Unterfangen ist jedes Mal zum Scheitern verurteilt. Etwas später lag ein Singen in der Luft, wie es beim Wetzen einer Sense entsteht. Ein Getreidedieb musste so seine gerechte Strafe verbüßen. Alle diese Ereignisse waren nur schemenhaft zu erkennen. Der Rest bleib der Fantasie des Einzelnen überlassen.

Zurück in der "Seeterrasse" verstärkte Richard Reger mit seinen Erzählungen und Liedern die angespannte Stimmung der Nacht. Die Geschichten von der Geisterchristmette am Ulrichsberg bei Pfrentsch oder von der Wilden Jagd bei Chameregg haben auch nach vielen Jahrzehnten nichts an ihrer Faszination verloren.

Erst als nach eineinhalb Stunden der Jochen mit einigen lustigen Liedern den Spuk beendete, löste sich bei den Zuhörern die Spannung und die Gänsehaut glättete sich wieder. Bei Glühwein und einer guten Brotzeit, der Wirt hatte die Speisekarte der Rauhnacht angepasst, gab es im Anschluss noch viel zu erzählen.
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