Bildband "Gemeinde Ursensollen"
Provinz ist, was du daraus machst

Stolz und wehrhaft zugleich thront Burg Heimhof in winterlicher Pracht über dem Tal des Hausener Baches. Bilder: Franz Mädler (3)
Kultur
Ursensollen
30.01.2016
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Den Tanz um den Kirwabaum gibt es in mehreren Orten der Gemeinde.

"Da können sich die Amberger also recken und strecken, wie sie wollen", an Ursensollen kommen sie in einer Beziehung nicht heran. Das zum Gemeindegebiet gehörende kleine Erlheim-Bittenbrunn hat schon vor Amberg das Licht der Welt erblickt.

Von Günter Moser

Verbrieft ist das mit einer Urkunde des Klosters St. Emmeram in Regensburg aus dem Jahre 1010. Das ist eine von vielen Besonderheiten, welche die Autoren des neuen Bildbands über die Gemeinde Ursensollen "ausgegraben" haben. Die Idee, ein repräsentatives Buch über Ursensollen vorzulegen, hatte Franz Mädler schon lange. Ursprünglich sollte es nur Luftbilder enthalten. Doch nach intensiven Diskussionen mit Robert Stammler, einem früheren AZ-Redakteur, und mit Günter Moser, der einst den Buch- und Kunstverlag Oberpfalz leitete, wurde ein neues Konzept erarbeitet.

Aufzeigen der Naturschönheiten, Lebendigkeit, Aktualität, Dokumentation der neuesten Ereignisse und Entwicklungen waren nun angesagt. Vorhandenes Fotomaterial wurde gesichtet, eine Liste erstellt, unter dem Motto: "Was brauchen wir noch?" Und das war eine ganze Menge.

"Es gibt viele Wege, sich dem Ort Ursensollen anzunähern. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Reiz und führt zum Ziel." So beginnt Robert Stammler seine Einführung und er singt geradezu ein Loblied auf die Lage des Ortes auf der Albhochfläche. Amberg liegt sozusagen zu Füßen, an klaren Tagen reicht der Blick in den Oberpfälzer Wald und zum Bayerischen Wald und im Westen zu den Hügeln der Kuppenalb mit der Landmarke des Habsberges. Mit dem Satz "Welcher Ort im Landkreis kann schon so viel Weitblick bieten?", fasst der Textautor dies zusammen.


Moderne Gemeinde


"Vom Dorf ins 21. Jahrhundert", ist ein Kapitel überschrieben, das sich mit der Entwicklung des Ortes beschäftigt. Aus dem einst von kleinbäuerlichen Höfen geprägten Dorf ist eine moderne Gemeinde geworden. Ein Blick in die Geschichte darf dabei nicht fehlen. Schon 1144 wird Ursensollen in einer Urkunde des Klosters Ensdorf erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde im Ort ein Landsassenschloß beurkundet. Das Geschlecht der Scharffenberger, deren Stammburg nur noch als Burgstall nachweisbar ist, hat mit Albrecht von Scharffenberg einen bedeutenden Minnesänger hervorgebracht.

Dem Ort Hohenkemnath ist ein eigenes Kapitel gewidmet, ebenso Hausen und Heimhof, die als zwei Perlen im romantischen Tal bezeichnet werden. Mit dem Attribut "romantisch" soll man ja nicht allzu verschwenderisch umgehen. Doch hier trifft es zu: Kleiner gewundener Bachlauf, Wacholderhänge, bizarre Kiefern, Mohnblumenfelder und als Zugabe noch Burg Heimhof, die als Paradebeispiel für den Burgentyp "Festes Haus" gilt. Bei Garsdorf unternimmt Robert Stammler einen Ausflug zu "gestürzten Zwielauten" und Besonderheiten der Oberpfälzer Sprache. Amberger Jesuiten, denen die Hofmark Garsdorf gehörte, hatten hier 1710 die Kirche St. Franz Xaver errichten lassen. Die kleine Gemeinde gilt als Eingangstor zum Naturpark Hirschwald und das nahe gelegene, ehemalige Forsthaus Hirschwald mit Wirtschaft und Wildschweingehege ist für viele ein beliebtes Ausflugsziel.

"Wir wollen über die Kunst ganz bewusst ein Stück Identität schaffen", so ein Zitat von Bürgermeister Franz Mädler. Während der letzten Jahre wurden in verschiedenen Orten der Gemeinde Kunstwerke und Skulpturen errichtet. Um nur einige zu nennen: Bärenbrunnen vor der Schule und Gänseliesel auf dem Dorfplatz in Ursensollen, Wasserträgerin in Hohenkemnath, Weihnachtsbild unter der alten Linde in Oberhof oder "Der Werdegang" in Hausen, der symbolisch den Lauf des Lebens als Wallfahrt darstellt. "Bittet für uns" oder "Alle die ihn lieben, behütet der Herr" sind nur zwei Beispiele für die Texte auf den zahlreichen Flurkreuzen oder Marterln im Gemeindegebiet. Es sind stumme Zeugen bäuerlicher Vergangenheit, sie erzählen von Bitten und Nöten, vom Tod und vom Hoffen auf Auferstehung. Viele kleine Kapellen oder Kirchen gilt es zu entdecken. So die Florianskapelle in Ehringsfeld mit dem schönen Fresko des Heiligen über dem Portal, die schlichte Kapelle in Ödallertshof oder die Wallfahrtskirche in Zant auf steil abfallendem Bergsporn.


Spannende Reise


Weitere Kapitel beleuchten den Premium-Gewerbestandort, die Sternwarte Ursensollen, den Schulstandort oder unter der Überschrift "Hexentrommler, Wallfahrer, Theaterspieler" den vielfältigen Reigen der Feste in der Gemeinde. Vom Gockerlfest des Schützenvereins über Kirchweihen bis zu Bittgängen und Wallfahrten spannt sich dabei der Bogen.

Das aufwendig gestaltete Buch nimmt die Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch eine Gemeinde mit 38 Ortschaften. Dazu noch ein Zitat des Bürgermeisters: "Es will aus einer immer wieder überraschenden Perspektive plaudern und die schönsten Bilder aus allen Ecken der Gemeinde zeigen. Es soll anregen, das auf Papier Gelesene selbst neugierig zu erkunden."

BuchtippDas Buch "Gemeinde Ursensollen" (128 Seiten, 190 Fotos, 24,95 Euro, Buch- und Kunstverlag Oberpfalz) von Robert Stammler, Franz Mädler und Günter Moser zeichnet das lebendige Bild einer Gemeinde inmitten des intakten Naturraums im Naturpark Hirschwald, der Naherholung für Körper, Geist und Seele ermöglicht. Feste laden ein zum geselligen Miteinander. Kirchen, Kapellen, Marterln und Bildstöcke lenken den Blick in die Vergangenheit und erzählen ihre Geschichten. Mit dem Kubus wurde ein Kultur- und Begegnungszentrum geschaffen, das Maßstäbe setzt. Ursensollen hat den Brückenschlag zu einer modernen und lebenswerten Gemeinde mit Weitblick erfolgreich vollzogen. Das Leitmotiv "Tradition - Kultur - Fortschritt" ist hier mit Leben erfüllt, wie der Bildband eindrucksvoll verdeutlicht.

Das Buch ist in allen Geschäftsstellen des "Neuen Tags", im Buchhandel oder über den Buch- und Kunstverlag Oberpfalz erhältlich.

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Weitere Informationen:

www.buch-und-kunstverlag.de
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