Die Raith-Schwestern erzählen von früher und kommen dabei ins Schwärmen - Der Blaimer muss ...
Als die Männer noch überall Haare hatten

Die Raith-Schwestern Susanne (links) und Tanja haben zwecks der leichteren Erkennbarkeit auch ihrem Schlagzeuger Max Seelos und Bassist Michael Straub Ringelstrümpfe verpasst. Das Optische ist damit geklärt, und musikalisch, so meinen die Schwestern, seien die beiden Neuen "Granaten". Bild: gf
Kultur
Ursensollen
02.02.2015
36
0
Neu aufgestellt haben sich d'Raith-Schwestern und da Blaimer, neu sind die bunten Ringlstrümpf, neu der Reggae- und Rock-Einschlag und neu sind Schlagzeuger und Bassist, aber da haben Tanja und Susanne nicht irgendwen engagiert, sondern zwei "Granaten", so die Tanja. Ambros Seelos ist ein Begriff, aber dass sein Sohn Max derzeit seinen Bachelor als Schlagzeuger macht und bei den Raith-Schwestern das Tempo vorgibt, blieb weitgehend unbekannt. Kein Unbekannter ist auch der neue Bassist Michael Straub, denn er tingelte über Jahre mit Donikkl durch die Lande.

Voll besetzt war am Samstag das Kubus, da hatte die Tanja natürlich schnell in der ersten Reihe einige Opfer gefunden, die peu à peu ihre Watschn abbekamen: den Franz, den Herbert, den Dietmar.

Fast ein Slip für Cornelius

Tanja erzählte aus ihrer Kindheit: Zum siebten Geburtstag habe ihr die Tante einen Plattenschrank geschenkt und die LP von Peter Cornelius mit "Der Kaffee is fertig", einem Song, den sie ihr Leben lang nicht vergessen kann. Als der Cornelius kürzlich in Regensburg auftrat, saß sie in der ersten Reihe "und hätte ihm am liebsten den Slip auf die Bühne geworfen".

Früher habe sie gern beim Männerstammtisch den interessanten Themen gelauscht, so die Tanja, aber als sie nach vielen Jahren wieder einmal dort war, hätten sich die nur über Krankheiten, Tabletten, Eheprobleme und das Sterben unterhalten. Die grantigen Gesichter und das Jammern könne sie nicht mehr hören, daher der neue Song "Lach amal dem Lebn ins Gsicht".

Einen Mutmach-Song für Männer hatte der Blaimer, der gar nicht so deppert ist, wie er sich gibt. Die Frauen hätten Silikoni-Titti und rot gefärbte Haare, bunte Krallen und aufgespritzte Lippen. All das liebe er nicht: "Ich steh steht zu echten und natürlichen Falten."

"Mir gfalln gschleckte Lackaffen nicht", meinte die Tanja beim Blick auf die heutigen Männer, die mehr Kosmetika im Schrank hätten als eine Frau. Echte Männer habe es früher gegeben, "die ham gstunkn nach Zigaretten und Alkohol, nach der großen weiten Welt". Überall hätten die Haare gehabt, selbst dort, wo man gemeint habe, "dass dort koa Hoa nia net wachsn kenna".

Opa will nicht sterben

Die Tanja schwärmt auch vom Motorradtreffen im Bayerwald, von Easy Rider, auch von ihrem Opa, der bereits diamantene Hochzeit feierte und der einer Generation angehört, die nichts wegwirft, sondern alles repariert, und der nicht sterben will, weil es allein selbst im Himmel nicht schön sei, daher ihre Rockballade "Alloa is im Himmel net sche".

Der Blaimer ist auch schon über 50. Er wird immer langsamer und ignoriert seinen Körper - "sonst macht er mich fertig". Zahnweh hat er, der Fuß juckt, die Leber schmerzt, aber bei seinem Gitarrensolo entwickelt er ungeahnte Kräfte und die Tanja meint: "Des is der Wahnsinn, wenn mein Schnucki spielt."

Bei "Wo willst denn hin mit deim armseligen Lebn" geht es um Burnout und die "dürre Depression". Rund und bunt mögen es die Raith-Schwestern, sie lieben das Leben, die Liebe und die Freiheit und nehmen kein Blatt vor den Mund. Den Jodler wandeln die kräftigen Stimmen zum Reggae und wer genau aufpasste, könnte auch "The Lion Sleeps Tonight" rausgehört haben.

Der Blaimer empfahl zum Schluss den Fans, möglichst viele CDs zu kaufen, "denn von jeder verkauften CD erhält Kanzlerin Merkel 8,30 Euro, die sie dann wieder zum Fenster rauswerfen kann".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.