Plötzlich ist Klaus weg – Margarete Gilgenreiner im Kubus
Eheglück und -leid

Kultur
Ursensollen
16.03.2016
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Hatte er nun die alte ausgebeulte Cordhose an oder die Jeans? Die schicke, die sie - die Martha - ihrem Klaus gekauft hatte. In der er immer noch gut aussah, trotz kleinem Bäuchlein, und er eventuell auch anderen Frauen gefallen könnte. Vor zwölf Jahren hatte sie sich als Metzgerei-Fachverkäuferin in ihn verliebt und dann aus Versehen geheiratet: "Ich habe ihm immer so sinnlich die Gewürzgurke zwischen die weichen Wurstscheiben gelegt." Nun war sie dank ihres Baustoffhändlers gut versorgt mit Immobilien, und konnte getrost ihren Kaufräuschen nachgehen. Und da war es auch passiert. Ihr Göttergatte musste aufs Klo, während sie in der Umkleidekabine war, und kam nicht wieder.

Eineinhalb Stunden erzählte, sang und spielte Margarete Gilgenreiner im Kubus vom Eheglück und -leid in ihrem Programm "Immer is' was". Für das Publikum gab es viel zu lachen, und so mancher Spruch passte einfach ideal: "Als ich ihn einmal gefragt habe, warum er immer so lange auf der Toilette bräuchte, sagte er, das sei der einzig stille Ort." Irgendwie konnte man für den Abwesenden richtig Sympathie empfinden, wenn auch die Ängste und Sorgen der Martha ebenso gut nachzufühlen waren.

Weder Mann noch Frau bekamen in diesem Monolog ihr Fett weg, sondern die Komik der Rollenaufteilung diente als Vorlage. Es war kein Programm wie bei anderen Kabarettisten, das salvenartig auf das Lachen des Publikums aus war. Dieses Ein-Frau-Theaterstück ging mehr in die Tiefe und regte zur Nachdenklichkeit an. So sinnierte Gilgenreiner über ihre unbeschwerte Kindheit und Jugend im Allgäu und ließ wunderschöne Bilder von der Natur entstehen.

Oder sie stellte - mit einem gekonnten Bühnenlichtwechsel - ihre neidischen Kusinen nach, denen sie ohne ihren Klaus eigentlich nicht mehr gegenübertreten wollte. Die Künstlerin beherrschte es, dessen Träume und Ängste zu erzählen, wobei jeder etwas für sich wiederfand. Bei manchen Szenen, als sie zum Beispiel ihre Henna (Hühner), den Gockel und den Bulldog nachmachte, fiel man fast glucksend vom Stuhl.

Sehr unterhaltsam und amüsant war der Abend, und man darf gespannt sein, was der Klaus zu erzählen hat - was denn los und wohin er verschwunden war. Denn es soll eine Fortsetzung folgen, wie Margaretes realer "Klaus" - in Cordhose - der Presse verriet.
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