Sächsisch-bayerische Lacher in Ursensollen
Gestrandet in Chemnitz-Jahnsdorf

Es ist schon ein schweres Schicksal, wenn man alle überragt, findet Christoph Stelzner (links), hier mit seinem Kollegen Martin Bauer. Stelzner sah sich und andere "größenbehinderte Menschen" klar im Nachteil und brachte seinen großen Kummer in einem tragisch-komischen Lied zum Ausdruck. Bild: tat
Kultur
Ursensollen
17.05.2017
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Das muss der Albtraum jedes Flugreisenden sein: wegen eines Pilotenstreiks auf einem Regionalflughafen zu stranden. So richtig heftig wird es aber erst, wenn man in Chemnitz-Jahnsdorf festsitzt. Stelzner und Bauer, ein sächsisch-bayrisches Kabarett-Duo, hat sich im Kubus dieses Problems angenommen und ein innovativ-lustiges Rezept dagegen präsentiert.

Ein Sachse und ein Bayer auf einer Bühne. Klar, dass die beiden sich auch über den Dialekt des anderen lustig machen. Aber das war beileibe nicht das einzige Gebiet, das die beiden auf ihrem Flug durch die bunte Alltagswelt aufs Korn nahmen.

Das Schicksal von großen Leuten jenseits der zwei Meter beispielsweise lag dem Chemnitzer Christoph Stelzner, selbst 2,03 Meter groß, sehr am Herzen. Nicht nur bei diesem Thema griffen Stelzner und sein Kollege Martin Bauer aus München in die Saiten oder Tasten. Egal, ob sie die Energieproduktion in den Verrichtungsboxen sächsischer Swingerclubs unter die Lupe nahmen, oder die Eröffnungsreden zweier prototypischer Bürgermeister parodierten, natürlich auf sächsisch und bayrisch: Bei den beiden gab es immer wieder sehr gekonnt was auf die Ohren.

Gekonnt war auch die technische Umrahmung der Satire-Show. Auf der Bühne, das heißt im Flughafen-Wartebereich, hatte das Duo eine metergroße Leinwand installiert, auf der immer wieder zeitlich perfekt eingepasste narrische Nachrichten und witzige Werbebeiträge des Flughafen-Magazins "Abgehoben" liefen. So konnten die beiden für ihre jeweiligen Showblocks in Ruhe in verschiedene Rollen schlüpfen: Martin Bauer erzählte als Papst von der Papstberufsschule und gab einen wunderbar schmierigen, egomanischen C-Promi, während Christoph Stelzner einen abgefahrenen, leicht perversen "Eisenbahns"-Freak mimte.

Die Krönung kam natürlich zum Schluss. Die "Sächsmaschine" Stelzner musste - so gut es ging - "Dama mim Radl foahn" über die Lippen bringen und Bauer wurde genötigt, "Hommse Ovogado do?" (Haben Sie Avocado da?) zu wiederholen. Dies sorgte für die meisten Lacher an diesem durchweg unterhaltsamen Abend. Nach eineinhalb Stunden klappte es endlich mit dem Abflug von Chemnitz-Jahnsdorf - mit verdientem Schlussapplaus im Gepäck.
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