Auf Spitz und Knopf

Erst nach einer dramatischen halben Stunde war klar, dass das Feuer sich angesichts des von Beginn an massiven Löscheinsatzes nicht zu einem großflächigen Waldbrand entwickelt wird. Entdeckt und gemeldet hatte die Rauchsäule die in Schmidgaden stationierte ehrenamtliche Luftrettungsstaffel des dortigen Aero-Clubs. Sie fliegt derzeit angesichts der Trockenheit wieder regelmäßig Patrouille. Bild: gf
Lokales
Ursensollen
05.07.2015
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18 000 Liter Löschwasser aus dem Güllefass eines Landwirts: Auch solche Ressourcen mussten angefordert werden. (Bild: gf)

Nur um Haaresbreite ist der südöstliche Landkreis Amberg-Sulzbach am Samstagabend an einem großflächigen Waldbrand vorbeigeschrammt. Dank der Luftüberwachung und des schnellen Eingreifens mehrerer Feuerwehren.

Der um 18.51 Uhr bei der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) aufgelaufene Alarm wurde aus der Luft abgesetzt. Bei einem Patrouillenflug hatte die Besatzung einer Maschine, die im Auftrag der Luftrettungsstaffel wegen akuter Waldbrandgefahr unterwegs war, eine Rauchsäule entdeckt. Wenig später konnte sie zugeordnet werden. Die mitten in einem Gehölz bei Inselsberg liegende Baumann-Hütte stand da schon voll in Flammen.

Das berichtete am Sonntag der zuständige Kreisbrandinspektor Hubert Blödt. Er sprach von einer "sehr brenzligen Situation". Im Dialog mit den ortskundigen Feuerwehren Haselmühl und Ursensollen habe die Besatzung den Ursprung der Rauchsäule recht schnell lokalisieren können. Als mit entscheidend zur Verhinderung eines großflächigen Waldbrandes charakterisierte Blödt den Umstand, dass die zuerst eintreffenden Löschkräfte aus Haselmühl über ein Tankfahrzeug verfügten.

Denn vor Ort habe sich die Situation reichlich dramatisch dargestellt. Die abgelegene Hütte hat keinen Strom- und Wasseranschluss, das nötige Löschwasser musste also über unwegsames Gelände herantransportiert werden. Eingebunden wurden deshalb unverzüglich entsprechende Kapazitäten der Wehren aus Ursensollen sowie Amberg. Zusätzlich wandte sich die Einsatzleitung an einen Landwirt, der mit seinem Güllefass 18.000 Liter Löschwasser herantransportieren konnte. Ortskundige Feuerwehr-Aktive hätten laut Blödt noch auf einen nahen Teich hingewiesen, der per Schauchleitung und Tragkraftspritzen angezapft wurde.

Hütte "im Vollbrand"

Nach "35 bis 40 Minuten", das berichtete der Kreisbrandinspektor, sei die akute Gefahr einer großflächigen Ausdehnung des Feuers gebannt gewesen. 60 Leute waren im Einsatz. Die dem Amberger Forstamt gehörende und an einen Jagdpächter vermietete Hütte habe aber nicht mehr gerettet werden können. Das Hauptaugenmerk der Löschkräfte musste laut Blödt auf die Vermeidung eines ausgedehnten Waldbrandes konzentriert werden. 50 bis 60 Meter im unmittelbaren Umkreis des niedergebrannten Gebäudes seien akut gefährdet gewesen.

Der Einsatzleiter beschrieb die Gesamtsituation wegen eines zweiten Umstandes als brenzlig. Die ersten Kräfte hätten in der "im Vollbrand stehenden Hütte" zwei Propan-Gasflaschen ausgemacht und ein "Abblasen" beobachtet. Durch die Kühlung mit Löschwasser habe die Explosionsgefahr gebannt werden können.

Staatsanwalt eingeschaltet

Die Baumann-Hütte trägt diesen Namen, weil sie im gleichnamigen Gehölz angesiedelt ist. Die Bezeichnung geht auf die frühere Amberger Eigentümer- und Industriellenfamilie Baumann zurück. In den 80er Jahren erwarb die Stadt Amberg diese ausgedehnten forstwirtschaftlichen Flächen. Über eine mögliche Brandursache ist bisher nichts bekannt. Die Polizei hat deshalb nach Auskunft der Regensburger Einsatzzentrale die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Denn ein klassischer technischer Defekt, sprich elektrischer Kurzschluss, ist nicht möglich, da die schon zwei Wochen nicht mehr genutzte Hütte über keine Stromversorgung verfügt. Die Schadenshöhe ist nicht bekannt.
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