"Bei uns geht alles per Du"

Einfach zugreifen - das ist der Vorteil des Bäckers bei der Vorstellung seines Berufs: Er macht immer sofort einen guten Eindruck, wenn er Backwerk mitbringt, sagt Kreishandwerks- und Konditormeister Johann Weber. In Ursensollen nahmen die Schüler die von Konrektor Thomas Oetzinger (rechts) verteilten Brezen aus Webers Betrieb dankbar an. Sie wissen jetzt zudem: Brezen und Semmeln bäckt man etwa 22 Minuten, ein Kilo Brot eine Stunde.
Lokales
Ursensollen
04.02.2015
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Georg Wittmann hat einen großen Vorteil: Er bekommt Schützenhilfe vom Bürgermeister. "Elektrotechnik ist das, was ich gelernt habe. Da kann man sogar Bürgermeister machen", erzählt Franz Mädler den Schülern. Das macht natürlich Eindruck.

Vier Vertreter des Handwerks brachten beim Berufsorientierungstag in der Ursensollener Mittelschule Siebt- und Achtklässlern ihre jeweilige Ausbildungsrichtung näher und boten dabei lebensnahe Einblicke in Freuden und Sorgen des Berufsalltags im Handwerk.

Stress? "Ein bisschen Stress gehört zu jeder Tätigkeit", antwortet Georg Wittmann von Elektro Lück in Amberg auf die Schülerfrage. Genau wie der Spaß an der Arbeit, "und wenn man den hat, kann man viel umsetzen". Das bestätigt Metallbauer Andreas Schönberger (Freudenberg), der viel nach individuellen Wünschen anfertigt: "Wenn sich der Kunde freut, dann freust du dich mit."

Die Mädchen zögern

Ein Handwerksbetrieb ist wie eine große Familie, erzählt Schönberger: "Bei uns geht meistens alles per Du." Und der Chef interessiert sich für alle Mitarbeiter, etwa für den Auszubildenden im ersten Lehrjahr, der vergangene Woche auf Schweißkurs war. Dem werde er in den nächsten Tagen mal auf den Zahn fühlen, was er jetzt kann, sagte Schönberger, und ihn mit entsprechenden Aufgaben betrauen. Die Mädchen unter den Zuhörern konnten sich trotz Schönbergers Werbung nicht so recht für den Metallbau begeistern. Zimmerermeister Albert Holzner aus Amberg wollte aus den Erfahrungen von rund 50 Jahren im Beruf den weiblichen Interessenten von vornherein reinen Wein einschenken: "Mädchen haben es im Zimmerer-Handwerk etwas schwer, weil wir zu 90 Prozent auf der Baustelle sind." Da muss man viel anstrengende körperliche Arbeit schaffen und auch damit zurechtkommen, dass es vielleicht nur ein Dixi-Klo für die ganze Truppe gibt.

In Sachen Geld dagegen braucht der Zimmerer keinen Vergleich zu scheuen. "8,50 Euro Mindestlohn - da lachen wir drüber", sagt der langjährige Kreishandwerksmeister. In seiner Branche liege der Mindestsatz bei 14,20 Euro. "Und wir selbst zahlen 18,50 Euro und finden keine Leute." Das hänge natürlich auch mit den unbequemen Aspekten der Arbeit zusammen: "Geh mal in der Früh raus bei minus fünf Grad und es schneit auf Teufel komm raus." Auf der anderen Seite habe jeder seiner Mitarbeiter ein eigenes Haus gebaut.

Um 2 Uhr geht es los

Die Kälte braucht ein Bäcker nicht zu fürchten, aber die Arbeitszeiten in diesem Beruf behagen nicht jedem. Johann Webers "Wir fangen um 2 Uhr an" ließ ein Raunen durch die Schüler gehen. Zwischen 10 und 11 Uhr ist dann aber auch schon Schluss. Das Arbeiten in der Nacht jedenfalls hat die Begeisterung des Ammerthaler Konditormeisters für seinen Job nicht trüben können: "Ich habe am 15. August 1972 meine Ausbildung begonnen, und ich habe noch keinen Tag dabeigehabt, an dem mir mein Beruf keinen Spaß gemacht hätte."

Geradezu ein Traum ist es für Weber, wenn er in den Hof geht und den Duft einatmet, den der abgelassene Dampf von frisch gebackenem Brot ausströmt. In diesen Momenten weiß er: "Bäcker ist mit das Schönste, was es überhaupt gibt auf der Welt." Fingerfertigkeit und Schnelligkeit sollten die Azubis hier mitbringen. Man muss nicht 20 Brezen in der Minute drehen können, meinte Weber (das würde für die bayerische Meisterschaft reichen), aber so 15 bis 18 sollten es irgendwann schon sein.

Erst mal ein Praktikum

Praktikanten nehmen die Handwerksmeister gerne. Die sehen dann schnell, ob sie in den Beruf passen. Oder wie es Albert Holzner formuliert: "Wenn du dir in den fünf Tagen acht Mal auf den Finger haust, ist es nichts für dich."
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