Nicht schief, aber selten

Die 91 Jahre alte Turmstation (Aufnahme von Oktober) schaut nach der Sanierung wieder aus wie neu. Die sechseckige Grundform wurde beibehalten. Bilder: Bayernwerk (2)
Lokales
Ursensollen
11.12.2014
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Allein in der Oberpfalz gibt es mehrere tausend Turmstationen im Bayernwerk-Stromnetz. Aber nur noch einen sechseckigen. Und der gab bei der Sanierung ein Geheimnis preis.

Im Ortsteil Stockau steht das seltene Stück aus dem Jahr 1921. Laut Bayernwerk-Pressesprecher Maximilian Zängl zählt diese Station zu den ältesten im gesamten Netz und sie ist die einzige, die ihre sechseckige Form - damals durchaus üblich - erhalten hat. Der Stromversorger hat sie deshalb auch beibehalten, als die Turmstation als Teil des Mittelspannungsnetzes saniert werden musste.

Brief als Erinnerung an schlechte Zeit

Dazu hoben die Handwerker den alten Dachstuhl ab. Unter der Eisenspitze fanden sie in einem schon ziemlich aufgelösten Kuvert einen ebenfalls schon etwas angegriffenen Brief. Er stammt von den damaligen Erbauern Baptist Humel und Franz Diepold. "Wir legen hier ein paar Mark Geld bei zur Erinnerung an die schlechte Zeit 1923, wo das Elektrische in unserem Land eingerichtet wurde!!!", schrieben die beiden, die als Klempner und Schuhmacher den Auftrag erhalten hatten.

Wer sich wundert, dass die beiden so einfach 173 Mark in den Umschlag stecken konnten - "früher war das noch ein Geld", heißt es ja immer -, der sei daran erinnert, dass damals in Deutschland die Hyperinflation herrschte. Geldscheine wurden mit rasender Geschwindigkeit immer wertloser. Für den 8. August 1923 etwa ist festgehalten, dass das Briefporto 1000 Mark betrug. Am 9. November, kurz vor der Währungsreform, lag es bereits bei einer Milliarde Mark (in Ziffern: 1 000 000 000).

Drei Millionen Mark

Für die Turmspitze stellten Diepold (er war laut Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer später Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Hausen) und Humel drei Millionen Mark in Rechnung. Ihr Auftraggeber war die "Oberpfalzwerke Aktiengesellschaft für Elektrizitätsversorgung Regensburg" (OWAG).

"Aus dieser Gesellschaft ist später die OBAG hervorgegangen", weiß Maximilian Zängl. Im Vergleich mit den damaligen Zahlen war die Sanierung 2014 für das Bayernwerk ein Schnäppchen: Sie kostete rund 16 000 Euro.
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