Nur der Kapo spricht Deutsch

Gut drauf und voller Energie: Internationales Jugendworkcamp an seinem Arbeitsplatz in Hohenkemnath. Bild: Hartl
Lokales
Ursensollen
13.08.2015
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Ansonsten geht es auf dieser Baustelle in Englisch zur Sache. Jetzt ist aber erst einmal Pause, Zwangspause. Denn einer der Aspiranten auf einem Platz in diesem künftigen Wohnturm muss vor dem erhofften Einzug erst einmal ausziehen.

(zm) Alles da, was zu einer richtigen Baustelle gehört: Dixie-Klo, gelbe Sicherheits-Helme, Arbeitshandschuhe und eine Kiste - nein, nicht Bier - sondern Limo und Mineralwasser. Das vor wenigen Tagen in der Ursensollener Mittelschule bezogene Internationale Jugendcamp hat im Ortsteil Hohenkemnath mit seinem Projekt begonnen, muss am Mittwochvormittag Pickel und Schaufel für einige Zeit aber wieder aus der Hand legen.

Die Biberschwanz-Eindeckung und das Walmdach einer stillgelegten Trafostation hätten eigentlich abgetragen werden sollen. Aber dann entdeckte einer ein Hornissen-Nest im Gebälk. In Deutschland ist dieses Insekt als größte mitteleuropäische Wespenart besonders geschützt. Zwar sind Hornissen nicht so gefährlich wie landläufig dargestellt, aber wenn es ihrem Nest an den Kragen geht, dürfte es mehr als ungemütlich werden. Nach Abschluss des Projektes sind Hornissen aber an dieser Stelle ausdrücklich erwünscht.

Aus neun Nationen

Also kurze Zwangspause. Das trifft sich gut. Denn an diesem Vormittag schauen die Initiatoren, Träger, Geldgeber und Beteiligten vorbei, um sich einen Eindruck von dem Projekt des Jugendworkcamps zu verschaffen. Angereist sind 14 Jugendliche und junge Erwachsene aus acht europäischen Ländern und Südkorea. Noch knapp drei Wochen haben sie vor sich und werden in dieser Zeit eine ehemalige Trafostation in Hohenkemnath zu einem Artenschutz-Turm umbauen. Der Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung, Thomas Gollwitzer, sieht darin "eine tolle Sache der Völkerverständigung, des Umwelt- und des Artenschutzes". Für sein Haus, das als einer der Kofinanziers auftritt, ist es das achte Projekt in Zusammenarbeit mit einem Jugendworkcamp. Seit 1949 werden diese Initiativen weltweit angeboten.

Anfangs zur Versöhnung der Völker nach dem zweiten Weltkrieg, erinnerte Sandra Rosenzweig als eine der Verantwortlichen innerhalb des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes (ijgd). Der Schwerpunkt habe sich inzwischen in Richtung ehrenamtlicher Projektarbeit als Gemeinschaft stiftende Basis eines kulturellen Austausches jungen Menschen verlagert. Als zweite wichtige Säule des Workcamps beschrieb deshalb Rosenzweig auch das weitestgehend selbst organisierte Zusammenleben der Gruppe in der Ursensollener Mittelschule, wo sich die jungen Frauen und Männer auch gegenseitig bekochen.

Die Kirwa naht

Die zwei italienischen Teilnehmer haben jedenfalls schon Pizza aufgetischt. Die Einkäufer hatten zu ihrem Entsetzen aber einen gewaltigen Bock geschossen, weil sie keinen Mozzarella mitgebracht hatten. Von dem Aspekt des Zusammenlebens in der Gruppe ist Ursensollens Bürgermeister Franz Mädler besonders angetan. Er hat die Camp-Teilnehmer schon durch den Ort geführt und freut sich auf das bevorstehende Kirwa-Wochenende zusammen mit ihnen.

Und was verbinden noch über alle Ländergrenzen hinweg? Fußball. Also stand am Dienstagabend im Ursen-sollener Sportheim die Live-Übertragung des innerspanischen Uefa-Supercup-Auftakts FC Barcelona - FC Sevilla auf dem Programm. Das Spiel endete 5:4. Internationale Verwicklungen blieben aus, es hat allen gefallen.
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