Schnaps ein falscher Freund

Ernährungsberaterin Katja Wittmann: "Bitte lassen Sie sich nicht von der Werbung irgendwelche gesunden Lebensmittel oder Spezialsalze einreden."
Lokales
Ursensollen
05.02.2015
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Alles nur ein Gerücht: Ein Stamperl Schnaps nach dem Essen hilft der Verdauung überhaupt nicht. Es bremst sie nur. Nicht die einzige alte Gewissheit, die Katja Wittmann beim Landfrauentag als "Ernährungsmärchen" entlarvte.

(gfr) Schon Kreisbäuerin Brigitte Trummer warnte bei der Begrüßung im fast voll besetzten Kubus: "Die Tipps der selbst ernannten Berater und Fernsehköche klingen oft plausibel, sind aber manchmal dubios, gelegentlich sogar gefährlich." Katja Wittmann, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung an der Verbraucherberatungsstelle Bayern, nahm in ihrem Vortrag "Ernährungsmärchen - Dichtung oder Wahrheit" viele alte Weisheiten unter die Lupe. Oft seien da Dichtung und Wahrheit kaum zu unterscheiden.

Hartnäckig halte sich das Gerücht, dass warmes Brot Bauchschmerzen verursache. Falsch! Nur der Verzehr von ungebackenem Teig führe zu Bauchweh (wegen der Gasentwicklung). Frisches, warmes Brot verursache höchstens dann Bauchschmerzen, wenn der Duft zu einigen Scheiben mehr verleite. Die Überlegung, ob man nach Wein Bier trinken solle oder besser umgekehrt, gehe darauf zurück, dass man sich vom Bier nicht den Weingenuss verderben lassen wollte. Einen Kater bekomme man nur, wenn man zu viel oder durcheinander trinke. Nächste Frage: Lassen sich abgeschreckte Eier leichter pellen? Antwort: Das kommt darauf an, ob die Eier frisch sind. Hartgekochte Eier können durchaus einen Monat im Kühlschrank aufgehoben werden.

Kinder werden oft davor gewarnt, Wasser zu trinken, nachdem sie Kirschen gegessen haben, so die Ernährungsberaterin. Doch: Nur alles im Übermaß kann zur Gärung führen. Soll man Mehl sieben? Heute nicht mehr notwendig. Früher war aber das auf Bauernhöfen gelagerte Mehl verschmutzt. Ein Gerücht sei es, dass Spinat eisenhaltig sei oder das dunkle Brot vollkorniger. Auch Pilzgerichte könne man aufwärmen, nur solle nach der ersten Zubereitung der Rest zügig gekühlt werden, da sich Pilzeiweiß ohne Kühlung leicht zersetze.

Huhn kann nichts fürs Ei

Brauner oder weißer Zucker, was ist gesünder? Keiner, nur enthält brauner Zucker mehr Mineralstoffe oder Vitamine. Hartnäckig halte sich die Meinung, dass weiße Hühner weiße und braune Hühner braune Eier legen. Vollkommen falsch, bemerkte die Diplom-Ökotrophologin dazu. Genau wie die Behauptung, dass verkratztes Teflon der Gesundheit schade und dass Tiefkühlgemüse keine Vitamine mehr enthalte. Sofort nach der Ernte müsse es eingefroren werden, dann blieben Vitamine erhalten. Margarine oder Butter? Das bleibe dem Geschmack des Einzelnen überlassen, gesundheitliche Vorzüge gebe es nicht. Und Käse schließe nicht den Magen, sondern biochemische Vorgänge nach dem Verspeisen von Käse steigerten das Sättigungsgefühl.

Durch Kartoffeln nicht dick

Die Zuhörerinnen fragten nach der Haltbarkeit von Hackfleisch. Komme darauf an, ob die Kühlkette aufrechterhalten wurde, meinte Katja Wittmann. Im Kühlschrank sollte man die kälteste Stelle auswählen und im Gefrierschrank könne Hackfleisch durchaus sechs Monate ohne Qualitätsverlust gelagert werden. Kartoffel seien übrigens ein wertvolles Lebensmittel und machten nicht dick. Aufgetautes Fleisch könne nach der Erhitzung durchaus wieder eingefroren werden. Von Spezialsalzen - seien es nach dem Himalaya benannte oder solche aus dem Toten Meer - hält die Expertin nichts, die seien nur wesentlich teuerer.

Von veganer Ernährung ist Katja Wittmann nicht begeistert, denn der Mensch sei grundsätzlich "Fleischfresser" und brauche Fleisch zur gesunden Ernährung. Wer unbedingt Veganer werden wolle, solle sich genau informieren.
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