Schuld, Sühne und Vergeben

Ein starkes Stück Theater gibt es am Donnerstag, 24. September, im Ursensollener Kubus zu sehen. Bürgermeister Franz Mädler, Maja Berendes vom Evangelischen Bildungswerk (EBW), Regisseur Jan Burdinski und EBW-Vorsitzender Siegfried Kratzer (von links) rührten in einer Pressekonferenz die Werbetrommel. Bild: Hartl
Lokales
Ursensollen
11.09.2015
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Ein Stück, aus der Feder eines Nobelpreisträgers, das berührt und zum Nachdenken verführt, steht am Donnerstag, 24. September, auf dem Programm im Ursensollener Kubus. "Was euch gehört" handelt von Erinnerungen an den Holocaust, die Unfähigkeit zu verzeihen und von weiteren Themen, die im Zuge der Flüchtlingsituation aktueller denn je sind.

Die Vorfreude auf die Aufführung ist groß, das sah man Siegfried Kratzer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks, an. In einer Pressekonferenz zum Theaterstück lobte er die Zusammenarbeit mit Kubus-Hausherr Bürgermeister Franz Mädler und dem Regisseur und Intendanten des Fränkischen Theatersommers, Jan Burdinski.

Angst vor Fremden

"Wir halten die Aufführung für besonders wichtig. Die Angst vor Fremden und die daraus resultierende Ablehnung angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingssituation tritt gerade jetzt erschreckend zutage. Antisemitismus ist eine Ausprägung der Ablehnung alles Fremden, aber er kommt aus denselben Wurzeln, aus denen die Ablehnung von Asylanten und Flüchtlingen entspringt", folgerte Kratzer.

Das Stück "Was euch gehört" solle dazu beitragen, diese Angst zu verringern und umgekehrt zur Stärkung der Hilfsbereitschaft beitragen. "Die ja bei uns in der Region in einer erfreulichen Weise wahrzunehmen ist." Unglaublich intensiv und faszinierend sei seine Begegnung mit Autor Roald Hoffmann gewesen, erzählte Burdinski. Der in den USA lebende Verfasser wurde 1937 in Polen geboren, kam nach dem Krieg 1949 in die USA, wo er Chemie studierte. Seit 1956 forscht und lehrt er an der Cornell University (Ithaca) Elektronenstruktur und Reaktivität.

Für seine Arbeiten erhielt er 1981 den Nobel-Preis. Burdinski: "Hoffmann ist außerdem Schriftsteller, der in Gedichten, Novellen, Essays und Theaterstücken seinen eigenen Stil zwischen Poesie, Philosophie und Wissenschaft kreiert hat. Ich erlebte ihn als bescheidenen, natürlich auftretenden Mann, der mehrere Sprachen beherrscht. Ich kann mir vorstellen, dass er aufgrund seiner Vergangenheit nicht so gerne Deutsch redet, aber er könnte es."

"Was euch gehört" (Original "Something that belongs to you") übersetzte der Bayreuther Professor und Ökotoxikologe Hartmut Frank ins Deutsche. "Ebenfalls eine faszinierende Persönlichkeit", wie Burdinski betonte. Auf der Bühne agieren von der Landesbühne Oberfranken für die Sommerspielzeit engagierte Profischauspieler und zwei Kinder, "die ihre Rolle ebenfalls fantastisch ausfüllen".

Keine Herausforderung

In kurzen Dialogen, abwechselnd zwischen dem heutigen Philadelphia und dem ukrainischen Gribniv von damals, entwickelt sich eine Erzählung vom Überleben und Gedenken, vom Überwinden kultureller und nationaler Vorurteile sowie vom Ringen um Erinnern und Vergeben.

Auf die Frage, ob der Wechsel zwischen Zeiten und Orten eine besondere Herausforderung für den Regisseur war, winkte Burdinski ab: "Beim Theater sind verschiedenen Handlungsebenen sehr gut umsetzbar, liefern Spannung. Dank der Kunst und Konzentration der Schauspieler überträgt die sich aufs Publikum. Die Zuschauer verfolgen ein Stück ja nicht nur mit ihrer Ratio sondern auch mit Emotion und Intention."

Passt sehr gut

Bürgermeister Mädler war sich sicher, dass das Stück sehr gut in das Kubus passt. "Überzeugt hat mich neben dem Stück die menschliche Intensität, mit der Siegfried Kratzer sich für dieses Thema stark gemacht hat. Mein Vater war selber Flüchtling. Ich bin dankbar, dass wir diese Aufführung haben." In Kürze werde die Gemeinde zehn Asylsuchende aufnehmen. "Wir werden das meistern. Es muss ins Bewusstsein aller Bürger, dass Flüchtlinge, Mütter mit Kindern auf den Armen, die nichts mehr besitzen, zuerst einmal ein absolutes Recht auf Menschlichkeit haben."
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