Wolkendecke vermiest Planetenguckern in Ursensollen ein zweites "Sofi"-Erlebnis
Keine Chance für den Jupiter

Professor Matthias Mändl leitet das Labor für Akustik und Schallanalyse an der OTH in Amberg. In seiner Freizeit beobachtet er Sterne und Planeten. Mändl ist Schriftführer des Fördervereins Volkssternwarte Ursensollen-Amberg. Bild: waj
Lokales
Ursensollen
25.03.2015
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Die Sonnenfinsternis am vergangenen Freitag verhilft der Sternwarte in Ursensollen zu einem unverhofften Boom. Trotz stark bewölkten Himmels kamen zum "Tag der Astrononomie" viele Gäste, um auch noch die Sonnenfinsternis auf dem Jupiter zu beobachten. OTH-Professor Matthias Mändl hielt einen Vortrag dazu.

"In allen Zeitaltern haben die Menschen zum Himmel geblickt und versucht, anhand der glitzernden Lichtpunkte dort ihren Lebenslauf zu ergründen und Antworten zu finden", erklärte Mändl. Besondere Vorgänge am Firmament und seltene Planeten-Konstellationen hätten die Menschen als schicksalhaftes Omen gedeutet. "Auch wenn wir heute nüchterner und wissenschaftlicher an die Sache mit den Gestirnen rangehen: Ereignisse wie die Sonnenfinsternis am vergangenen Freitag faszinieren die Menschen nach wie vor."

Nah dran am Kernschatten

Die Volkssternwarte Amberg-Ursensollen nutzte das riesige Interesse an dem Himmelsspektakel. Denn kurz nach der "Sofi" auf der Erde, bestand die Möglichkeit, per Teleskop ein ähnliches Ereignis auf dem Planeten Jupiter zu beobachten. Live konnten die Besucher den Himmel aber nicht inspizieren, denn pünktlich zum Abend schloss sich die angekündigte Wolkendecke endgültig. Doch Professor Matthias Mändl, Mitglied der Sternwarte, holte das Weltall sozusagen in den Vortragsraum der Sternwarte. Plastisch und gut nachvollziehbar erklärte er verschiedene Finsternisphänomene am Himmel mittels Schaubildern und Computeranimationen. So erfuhren die Besucher, dass Sonnenfinsternisse dadurch entstehen, dass der Mond sich aus Erdsicht vor die Sonne schiebt und der dabei entstehende Schatten auf unseren Planeten fällt. Innerhalb des sogenannten Kernschattens entsteht dabei eine totale Sonnenfinsternis, wie wir sie in unseren Breiten zuletzt 1999 erlebten. Im Bereich des Halbschattens gibt es partielle Finsternisse wie am vergangenen Freitag. Entstehen können diese Phänomene nur bei Neumond, da dies die Zeit ist, in der der Mond von der Erde nicht zu sehen ist, da er von hinten von der Sonne angestrahlt wird. Nun könnte man die Frage stellen, warum es dann nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis zu bestaunen gibt. Auch darauf wusste Professor Mändl eine Antwort. "Die Umlaufbahnen von Mond und Erde sind nicht exakt parallel zueinander, sondern leicht geneigt. Dadurch kommt es nur ab und zu vor, dass sich beide Bahnen genau zu Neumond schneiden - und nur in diesen Fällen kommt es zur totalen Bedeckung der Sonne durch den Mond."

Im Bann des Blutmonds

Das Gegenteil zur "Sofi" ist die Mondfinsternis, dann zeigt sich der sogenannte Blutmond. Wie Professor Mändl erklärte, steht die Erde dabei zwischen Sonne und Mond. Die nächste Mondfinsternis gibt es am Samstag, 4. April, vom Pazifik aus zu bewundern. Daneben erfuhren die Zuhörer noch einiges über andere "Durchgänge", also das Phänomen, dass ein Gestirn beim Blick durch ein irdisches Teleskop vor einem anderen "hindurch wandert", wie etwa den Venusdurchgang vor der Sonne, den Durchgang eines der Jupitermonde vor seinem zugehörigen Planeten oder die Bedeckung des Jupiters oder Saturns durch den Mond.
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