Fast in Rio
Marathonläuferin Anja Scherl vor dem großen Coup

Große Jubelszenen sind Anja Scherl fremd, sie freut sich lieber ganz still über ihre sensationelle Zeit von Hamburg. Beim traditionellen Marathon in der Hansestadt wurde sie Dritte, viel wichtiger war aber die Erfüllung der Olympianorm. Die junge Dame aus Ursensollen ist in Rio fast sicher dabei. Bild: hfz
Sport
Ursensollen
18.04.2016
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Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen? Mehr als ein Traum. Doch nun scheint der tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Anja Scherl, die früher Schneider hieß, legte in Hamburg den Marathon ihres Lebens hin.

Hamburg. Mit der starken Zeit von 2:27:50 Stunden ist die aus Ursensollen (Kreis Amberg-Sulzbach) stammende Ausdauerathletin zielstrebig auf dem Weg nach Rio. Dabei hatte nicht alles wie geplant begonnen: "Sie ist viel zu schnell unterwegs", sagte Trainer und Mann Marco Scherl nach rund 20 Kilometern. Als Scherl bei Kilometer 35 noch immer nicht nachgelassen hatte, konstatierte er: "Wenn sie das zwei Kilometer weiter durchhält, klappt es - das sieht aus wie das Rennen ihres Lebens." Und die 30-Jährige, die früher für die DJK Weiden lief und jetzt für LG Telis Finanz Regensburg an den Start geht, hielt durch: Mit ihrer Zeit wurde sie in einem Weltklasse-Feld Dritte und blieb deutlich unter der anvisierten Norm für die Olympischen Spiele in Rio (2:30:30).

Scherl war auch von sich selbst überrascht: "Als ich den Halbmarathon in unter 1:14 Stunden durchgegangen bin, bin ich selbst etwas erschrocken", sagte die 30-Jährige gegenüber dem NDR-Fernsehen. Ihre Endzeit war die beste Marathon-Zeit einer Deutschen seit 2014, als Anna Hahner (run2sky.com) 2:26:44 Stunden erzielte.

Neben Hahner waren in den vergangenen zehn Jahren nur die deutsche Rekordlerin Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) schneller. Der letzte ähnlich große Erfolg einer Deutschen in Hamburg datiert von 2009, als die ehemalige Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch ebenfalls Dritte wurde.

Mit ihrer neuen Bestzeit scheint Scherl, die als Software-Entwicklerin einen Fulltime-Job hat, ein Platz im Olympia-Team sicher zu sein. Lisa Hahner (run2sky.com;2:28:39) als deutsche Meisterin ist Kandidatin Nummer eins. Die Braunschweigerin Fate Tola (2:28:24), die auf ihre Einbürgerung wartet, und Anna Hahner (run2sky.com; 2:30:19) hat Scherl hinter sich gelassen. Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) ist die letzte DLV-Läuferin, die am kommenden Wochenende in Zürich noch einen Norm-Angriff starten will und Scherl noch verdrängen könnte.

"Rio war bisher ein Traum", sagt Scherl ungläubig. Der für sie gedanklich wohl in so weiter Ferne lag, dass sie sich den Termin noch nicht einmal in ihrem Terminkalender freigehalten hat. "Ich habe dafür noch nichts geplant", gestand die Oberpfälzerin kurz nach dem Rennen.

"Wegen Urlaub muss ich jetzt erstmal fragen und mit meinem Chef reden." Aber das würde auf jeden Fall klappen: Der Chef ist sicherlich fast genauso stolz sie seine schnelle Mitarbeiterin.
Wegen Urlaub muss ich jetzt erstmal fragen und mit meinem Chef reden."Anja Scherl zu einer möglichen Olympia-Teilnahme
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