Erinnerungen an den Fasching in Hohenkemnath vor 50 Jahren
„Schnoderer“ landen im Zug

Diese Aufnahme von Albert Scheuerer zeigt den Faschingsumzug 1965, den Hauptlehrer Wolfgang Schmidt (hinten rechts) und Lehrerin Margarethe Heimerl (ganz rechts) mit ihren Schulkindern organisierten. Repro: schß
Vermischtes
Ursensollen
09.02.2016
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Hohenkemnath. Vor 50 Jahren war in der Oberpfalz die Faschingszeit auf fast allen Dörfern auf wenige Tage beschränkt. Nur am Faschingssonntag und -dienstag waren "Maschkara" (maskierte Mädchen und Buben) unterwegs. Sie gingen von Haus zu Haus. Dafür gab es Kücheln oder andere kleine Aufmerksamkeiten. Die Buben waren überwiegend als Cowboys und Indianer verkleidet. Oft bestand die Verkleidung nur aus einem Hütchen und ein paar Luftschlangen um den Hals.

Die Erwachsenen trafen sich beim Faschingstanz. Bisweilen wurden von der Dorfjugend einige Personen ausgespielt. Einmal ereilte dieses Schicksal zwei Bauern aus Hohenkemnath. Sie waren in Amberg in den Zug gestiegen und wollten in Sulzbach Geschäftliches erledigen. Vor lauter "Schnodern" und "Dischkriern" übersahen sie den Halt in Sulzbach und landeten in Neukirchen. Dieses Versehen machte im Dorf die Runde und war bis Fasching nicht vergessen. Zwei junge Männer setzten sich auf einen geschmückten Wagen gegenüber, wurden durchs Dorf gefahren und "schnoderten" bis Neukirchen. Diese kleinen, oft spontanen Faschingsumzüge brachten Abwechslung ins dörfliche Leben. In den Küchen duftete es nach heißem Schmalz. Es wurden Krapfen und Kücheln gebacken, und der alte Kindervers hatte damals noch seine Gültigkeit: "Lustig ist die Fasenacht, wenn die Mutter Kücheln backt. Wenn sie aber keine backt, pfeif' ich auf die Fasenacht!"

Die älteren Schwestern ließen es sich nicht nehmen, hin und wieder einen Krapfen mit Senf zu füllen. Dann warteten sie auf die Reaktion der überraschten Genießer. "Weiberfasching" und "unsinniger Donnerstag" waren Begriffe, die es damals nicht gab. Auch der rheinische Karneval war hier nicht bekannt. Erst als immer mehr Fernseher die Haushalte eroberten, wurde "Mainz bleibt Mainz" in vielen Familien ein Muss.
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