Heimatkundlicher Stammtisch blickt in die Bergbaugeschichte
Als das Erz durchbrach

Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer, damals als ehrenamtlicher Stadtführer in Amberg unterwegs, hat 1985/86 in einer Baugrube im ehemaligen Judenviertel von Amberg (Mesnerhaus bei der heutigen Frauenkirche) die Tondüse eines mittelalterlichen Rennofens (links) und einen Schlackenbrocken gesichert. Er wertet die beiden Stücke aus der über zwei Meter starken Schlackenschicht als Beweis, dass auch im heutigen Stadtgebiet schon vor rund 1000 Jahren Eisenerz verhüttet wurde. Bild: schß
Vermischtes
Ursensollen
15.02.2016
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Kreisheimatpfleger Dieter Dörner (Dritter von rechts), war zwar "nur" als Gast nach Erlheim gekommen, aber er konnte fundierte Einblicke in die Bergbaugeschichte der Region geben. Bild: schß

Nicht nur die alten Sachen interessieren die Teilnehmer am Heimatkundlichen Stammtisch der Gemeinde Ursensollen, sondern auch die ganz aktuellen. Dieses Mal ließen sie sich bei der Themenwahl von ganz frischen Ausgrabungsergebnissen inspirieren.

Der Heimatkundliche Stammtisch hatte am ersten Abend im neuen Jahr im Gasthof Erlhof die Geschichte des Erzabbaues und der Eisenverhüttung in der näheren Umgebung als Thema gewählt. Ein Grund dafür waren die sensationellen Ergebnisse, die der Archäologe Dr. Mathias Hensch und sein Team in Kümmersbruck freigelegt haben.

Als das saure Meer vor rund 130 Millionen Jahren die Hahnbacher Kuppel abtrug, löste es das Eisen aus dem Dogger des Mittleren oder Braunen Jura. Es setzte sich in Wannen und Trögen ab, die das Meer, beginnend bei Altenricht bis nach Auerbach, gebildet hatte. Daraus entstanden die regionalen Brauneisenerze. Bei der Alpenauffaltung vor circa 70 Millionen Jahren entstand ein Riss durch diese Erzvorkommen, eine oberflächennahe Erzschicht schob sich über die Basisschicht.

Älter als die Urkunden


Kreisheimatpfleger Dieter Dörner legte den 25 Teilnehmern des Abends die örtliche Geschichte des Eisenerzabbaues und der Verhüttung dar. Urkundlich lässt sich zwar der Erzabbau erst 1285 datieren, doch die Grabungen und Ergebnisse durch das Team von Mathias Hensch in Kümmersbruck (August 2015) beweisen ganz klar, dass es bereits im 8. Jahrhundert eine blühende Eisenverarbeitung und Waffenherstellung gab. Laut Dörner wurden im Spätmittelalter 20 bis 25 Prozent des Eisenbedarfs mit sogenanntem Schieneisen (Rohware) aus der Region gedeckt. Bis zu 240 Hammerwerke arbeiteten im "Ruhrgebiet des Mittelalters". Da man in den Hammerwerken Unmengen an Holzkohle benötigte, wurde 1310 in einem Gebiet etwa acht bis zehn Kilometer um Amberg der Bannwald geschaffen, in dem die Köhlerei verboten war. Ein Grund für den frühen Niedergang des Bergbaus noch vor dem Dreißigjährigen Krieg, so der Kreisheimatpfleger, war das Regelwerk der "Hammereinung" aus dem 14. Jahrhundert, das neue Techniken nicht erlaubte. So überholten um 1500 neue Verfahren zur Verflüssigung von Eisenerz in der Steiermark die antiquierten Verarbeitungsmethoden hier.

Nachdem die Stadt Amberg in bayerischer Zeit nicht bereit war, den Bergbau wieder aufzunehmen, enteignete der Kurfürst sie 1792 und begann, mit dem Bergärar erst in den oberflächennahen, später in den Basisschichten in eigener Regie Erz abzubauen. 1883 wurde, nachdem die Maxhütte dem Bergärar das Erz nicht mehr abkaufen wollte, in Amberg der erste Hochofen angeblasen.

Eisen gegen Stahl


Mit dem Anstich eines weiteren Hochofens 1911 bekam anlässlich des 90. Geburtstages von Prinzregent Luitpold das Unternehmen den Namen Luitpoldhütte. Wenig später ging die Eisengießerei in Betrieb. In den besten Zeiten bot dieses Werk 2800 Beschäftigten Arbeit und Brot. Die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg war im Gegensatz zur Luitpoldhütte ein stahlverarbeitender Betrieb und hatte in den ersten Jahrzehnten in Bayern das Monopol auf die Herstellung von Eisenbahnschienen. 1964 musste der 1000-jährige Bergbau in Amberg eingestellt werden. Dem Erzberg war fast alles Erz, insgesamt 16 Millionen Tonnen, "geraubt" worden.

Beim nächsten Stammtisch am Donnerstag, 17. März, um 19 Uhr berichtet der Archäologe Dr. Mathias Hensch von seinen sensationellen Ergebnissen bei den Grabungen am Bachweg in Kümmersbruck.
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